My Big Fat Fabulous Life.

„My big fat fabulous life“ ist eine Reality Serie über Whitney Thore, deren „Fat girl dancing“ youtube-Video vor einigen Monaten viral ging…

Ein TV-Sender witterte daraufhin offenbar eine Gelegenheit und machte eine Serie daraus, die demnächst in die zweite Staffel gehen wird.

Die erste Staffel sah ich, während ich abnahm, und hätte sie brennend gerne kommentiert, da sie geradezu absurd voller Fettlogiken ist. Gefühlt jedes dritte Wort aus Whitneys Mund lautet „PCOS“. Mit ihrer Hormonstörung begründet sie ihre über 380lbs (~172kg), und in jedem Interview oder Bericht über sie, wird dies unkritisch so übernommen. In den ersten 30 Sekunden der ersten Folge erklärt sie voller Ernst, dass 2/3 aller Frauen mit PCOS übergewichtig oder adipös sind – was rein zufällig auch etwa der allgemeinen Rate an übergewichtigen Frauen in Amerika entspricht.

Zur Zeit überarbeite/ergänze ich „Fettlogik“ gerade, und habe auch PCOS kurz thematisiert:

Eine Zusammenfassung bisheriger Forschungen durch Norman et al. (2004) ergab, dass es keine Unterschiede dem Erfolg bei einem Abnehmprogramm zwischen gesunden Frauen und Frauen mit PCOS gab. Unterschiede im Energieverbrauch seien in Studien entweder gar nicht gefunden worden oder äußerst gering. In einer Studie, die leichte Unterschiede gefunden hatte, wurde die mögliche Gewichtszunahme durch die Stoffwechselrate auf weniger als zwei Kilogramm innerhalb eines Jahres berechnet – natürlich nur, wenn die Energieaufnahme nicht angepasst wird.

„My big fat fabulous life“ ist aus meiner Sicht gefährlich, weil es die PCOS-Erkrankung in den Vordergrund rückt um darzustellen, dass Whitney „nichts dafür kann“.

Ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass mir mein PCOS mit 150kg gar nicht so bewusst war und ich damals nicht wusste, dass es offenbar als Begründung für starkes Übergewicht hergenommen wird. Womöglich hätte ich dann die Chancen auf Erfolg wesentlich geringer angesetzt und es doch nicht versucht. Und genau dieses Problem sehe ich, wenn Serien wie „My big fat fabulous life“ ausgestrahlt werden, und wieder und wieder und wieder darauf herumgeritten wir, dass Whitney keinesfalls wegen ihres Essverhaltens 170+ kg wiegt, sondern „wegen der Hormone“ – Whitney hat einen Verbrauch von über 3000kcal täglich (und das ist niedrig angesetzt, bei ihrem Beruf als Tanzlehrerin).

Am Ende von Staffel 1 erhält Whitney übrigens die Diagnose Prädiabetes. Auch wenn es dem Sender vermutlich in allererster Linie um Geld geht und nicht um eine politische Agenda, merkt man m.E. dem Konzept an, dass es darum geht, die Härten des Übergewichts herauszustellen und das soziale Stigma. Das funktioniert natürlich am besten, wenn man suggeriert, dass das Übergewicht unabänderlich ist, da es die Unfairness der ganzen Probleme betont. Whitney wird als Opfer ihres Gewichts dargestellt und ihr wird immer wieder Raum gegeben, zu erklären, dass Abnehmen für sie unmöglich ist.

Diese Serien, mit all ihren unkritisch reproduzierten Fettlogiken, haben großen Einfluss auf die Wahrnehmung von Übergewicht(igen), und auch wenn offenbar das Ziel darin besteht, „Stigma zu reduzieren“, sehe ich eher das Ergebnis, dass noch mehr Übergewichtige dadurch bestärkt werden, dass ihr Gewicht nicht zu ändern ist. Angesichts der gesundheitlichen Folgen, die man ja auch an Whitney gut mitverfolgen kann, ist das fatal. Persönlich wäre ich für ein Verbot von Fehlinformationen, also dass der Sender zumindest gezwungen würde, Whitneys PCOS-Aussagen nicht unkommentiert stehen zu lassen.

26 Gedanken zu “My Big Fat Fabulous Life.

      1. IULIUS

        Ich weiß, wollte es ja auch nur noch mal betonen.

        Für mich fällt das unter Freakschow. In den Schows machen die Sender das auch relativ geschickt, sie lassen die Probanden sich selber blamieren und wiederholen nur das was die von sich geben. Da die sich das eher nicht zu eigen machen ist dem Sender schlecht beizukommen.

        Es sollte wirklich eine gesetzliche Regelung dafür geben, daß Sender verpflichtet werden bei geäußertem gefährlichen Schwachsinn, egal von wem, zumindest darauf hinzuweisen.

        Andersrum, wer sich so etwas reinzieht, hat meist eh seine eigene Sicht auf die Welt…

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  1. Biene

    Ach wie doof ich sowas finde.
    Kann man nicht auch einfach mal Verantwortung übernehmen. Man ist doch erwachsen. Was soll denn passieren, wenn man sich sagt „Jo, ich bin dick und das ist meine Verantwortung.“?
    Man wird ja bei dieser Einsicht (und die muss man ja auch nur für sich selber haben) nicht von irgendwem doof gerügt sofern man ein erwachsener Mensch ist. (Kinder haben da ja mehr oder weniger Glück…)

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    1. EinFan

      Das Problem wird sein, dass sie nicht bewusst entscheidet, zu behaupten PCOS ist Schuld, obwohl sie es besser weiß, sonder dass sie das vermutlich wirklich glaubt. Mit dem falschen Wissensstand ist das für sie Realität und kein Leugnen von Verantwortung. … und es werden sicher einige Übergewichtige schlucken und dann auch glauben.

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  2. frauke1009

    Ich bin gerade recht fasziniert davon, wie gut sie sich mit 170+kg noch bewegen kann. Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, so ein hohes Körpergewicht zu haben, da ich nur 58kg wiege. Aber die Vorstellung, mit nur 30kg mehr in einem Rucksack so zu tanzen, bringt mich innerlich schon zum keuchen 😀 eigentlich schade: wenn sie an ihrer Ernährung arbeiten würde, wäre das Abnehmen doch eigentlich nicht schwer in dem Beruf…

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    1. Gut zu sehen ist das immer an dem Beispiel Sumo Ringer. Die sind trotz ihres Gewichts immens Beweglich. Allerdings haben die einen Tageskalorienimput von über 6000 Kalorien, glaub ich.
      Wenn man sich ausreichend bewegt und nicht zu viele Kalorien zu sich nimmt, ist abnehmen ja auch nicht schwer. Man darf sich aber keine Wunder erhoffen 😉

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    2. …oder es beweist, dass es eben doch (vllt zwar wenige) Menschen gibt, wo das Gewicht einfach nicht zu reduzieren ist – ich meine, sie ist Tänzerin, sie bewegt sich unglaublich geschmeidig und mit einer Kondition, wie ich zu meinen schlankesten Zeiten nicht einen Bruchteil lang durchgehalten hätte, sie hat auch generell viel Alltagsbewegung (gerade, seit sie derart populär ist), theoretisch müsste allein durch das Tanzen das Fett wie von selbst schmelzen bzw hätte sich eigentlich gar nicht erst bilden dürfen, da Tanzen (in dieser Form) ein krasses Fitness-Programm ist…

      …und doch ist sie so dick, wie sie ist!?

      Ganz ehrlich: So sehr ich einerseits glaube, dass es massenhaft Fettlogiken gibt und ganz viele Leute bestimmt abnehmen könnten, wenn sie diese überwinden können, so sehr denke ich dennoch auch, dass es ebenso auch Menschen gibt, wo noch irgend eine andere Komponente reinspielt, so dass diese Menschen einfach nicht abnehmen… Klar ist es generell einfach, es auf diverse Gründe zu schieben, aber dennoch, die Behauptung, dass jeder Mensch es kann, wenn er es nur richtig anstellt, ist mir genauso zu oberflächlich wie die gegenteiligen Überzeugungen, dass man es nicht steuern könne… Fakt ist, Menschen sind nicht alle gleich, und selbst wenn etwas für 95% der Menschheit funktioniert, kann es trotzdem 5% geben, die völlig aus allen Gesetzmäßigkeiten rausfallen und wo die Wissenschaft einfach noch nichtmal ansatzweise eine Erklärung für hat!

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      1. Also die Zahlen waren rein fiktiv und sollten nur verdeutlichen, was ich meine… Selbst wenn’s nur 0,001% wäre, es wird immer Ausnahmen geben, sei es beim Abnehmen oder in der Quantenmechanik 😉

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      2. Ja, ich hatte mich jetzt nicht auf die 5% versteift sondern mehr auf die Frage, wie konkret das funktioniert, dass jemand ohne Energieverbrauch existiert und z.B. 50 oder 100 oder 150 kg von A nach B trägt. Wenn jemand physisch nicht in der Lage ist, abzunehmen würde das ja bedeuten, er tut diese Dinge ohne dabei Energie zu verbrauchen.

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      3. …eigentlich wollte ich nicht so weit ausholen 😉

        Wenn du die Frage lediglich auf den rein physischen Vorgang von Energieverbrauch bzw der Relation zwischen Energiezufuhr im Verhältnis zu Energieverbrauch „reduzierst“, dann ergibt sich daraus natürlich entsprechend jeder Logik eine Gewichtsreduktion…

        Wie gesagt habe ich dein Buch bisher leider noch nicht gelesen (wirklich sehr schade, dass es das Buch in elektronischer Form nur bei Amazon gibt – danke btw für die Beantwortung an anderer Stelle 😉 – dann wird’s wohl die Printversion werden), deshalb möchte ich vorsichtig sein mit irgendwelchen Aussagen, weil es ja sein könnte, dass auch gerade diese in dem Buch behandelt und als weitere Fettlogik entlarvt werden 😛

        Und dass auch ich mir über die Jahre einen beachtlichen Vorrat an Fettlogiken zusammen gesammelt habe, das bezweifle ich keine Sekunde, das ist definitiv Fakt, und obwohl ich nach all den Jahren eigentlich an nix mehr diesbezüglich glauben kann, hofft ein Teil von mir irgendwie doch, dass dein Buch vllt ja selbst bei mir hoffnungslosem Fall dieses Wunder wirken und mir tatsächlich helfen könnte, so wie es ja offenbar schon ganz vielen Leuten in ähnlich hoffnungslosen Zuständen geholfen hat!

        Das wäre wirklich zu schön (um wahr zu sein^^)…

        Möchte also wirklich nix Falsches sagen und kann nur von meinen eigenen Erfahrungen ausgehen, die bisher letzten Endes leider immer wieder – du ahnst es – im Scheitern endeten, langfristig jedenfalls.

        Zb sah meine allererste Diät (da war ich gerade 12 geworden) genau so aus, Kalorien zu zählen, und ja, das funktionierte anfangs auch wirklich wunderbar, bis ich anfing, aus purer Panik, ich könnte wieder zunehmen, immer weniger, und irgendwann gar nicht mehr zu essen. Das funktionierte selbstverständlich noch viel besser, bis meine Kraft irgendwann zuende war, ich kippte im Sommerlager um und der Arzt redete sehr eingehend auf mich ein, dass ich auf dem besten Weg zur Magersucht sei…

        Danach schwankte es immer von einer Phase zur nächsten im Leben: wenn ich genügend innere Kraft hatte, startete ich die nächste Diät, erst mit gesunden Mitteln, dann stellte sich meist sehr schnell der Erfolg ein, was gleichzeitig riesig Energie und Motivation freisetzte, gleichzeitig aber wurde es kurz darauf jedesmal wieder zum Wahn, dass ich wieder auf null Kalorien reduziert hatte, was so lange gut ging, bis meine mentale Kraft wieder endgültig alle war und ich wieder aß und alles ins Gegenteil umschlug…

        Ein Teufelskreis, den bestimmt die meisten hier nur zu gut kennen…

        Das Dumme ist, dass es von Mal zu Mal immer schwieriger wurde, im Kopf den Schalter wieder umzulegen, denn meine ganze Psyche hing davon ab, das ist wirklich schwer zu erklären, aber es läuft darauf hinaus, dass ich heute meine Psyche überhaupt nicht mehr kontrollieren kann, ich bin seit 10 Jahren komplett blockiert (es kamen noch Diagnosen wie Burn Out, Depression, Panikstörung, Sozialphobie dazu) und ich bekomme das einfach nicht mehr in den Griff 😦

        Wie die Gedanken in meinem Hirn da genau kreiseln, kann ich ganz schwer erklären, aber unter’m Strich geht einfach überhaupt gar nichts, mich stresst sogar das morgendliche Aufstehen, an irgendwelche Aktivitäten ist gar nicht zu denken, besonders vermeide ich es möglichst, nach draußen zu gehen, weil ich mich zu sehr schäme, so wie ich jetzt aussehe, soll mich niemand sehen. Ich leide still darunter, denn ein Teil von mir würde gerne mit Freunden nette Dinge unternehmen, mal im Park spazieren gehen oder jetzt im Sommer einfach mal an einen See Baden fahren usw…, aber immer wieder läuft es darauf hinaus, dass ich mit diesem Körper nichts dergleichen machen werde – stattdessen liege ich zuhause auf der Couch, tagtäglich passiert – rein gar nichts…, und dafür verachte ich mich nur noch mehr, der gedankliche Teufelskreis schließt sich… Essen ist das letzte und einzige Highlight des Tages, und mir fehlt einfach die Kraft, diesen verdammten Kreisel zu durchbrechen, obwohl ich so unsagbar unglücklich bin, und jedes Scheitern macht es immer schlimmer, totale Resignation…

        Was das mit der ursprünglichen Frage zu tun hat? Ich glaube einfach, dass zum Abnehmen mehr gehört, als die „simple“ Reduktion von Kalorien, die Psyche zb spielt eine riesige Rolle, eben weil es ja ohne die Kraft, das umzusetzen, nunmal nicht geht, und wenn man innerlich wie gelähmt ist, setzt man den Vorgang einfach nicht in Gang, so sehr man das eigentlich auch möchte, es geht irgendwie „einfach“ nicht…

        Genauer kann ich es nicht erklären, vor allem eben unter dem Aspekt, was da genau im Gehirn abläuft, ob die Hirnchemie oder Funktion gestört ist oder sowas, das weiß ich nicht, aber das sind solche Komponenten, die ja nachweislich eine Rolle spielen müssen… 😥

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  3. Tyra

    Gott, ich weiß, dass das jetzt wahrscheinlich total falsch rüber kommt, aber ich muss es einfach machen….

    “ In den ersten 30 Sekunden der ersten Folge erklärt sie voller Ernst, dass 2/3 aller Frauen mit PCOS übergewichtig oder adipös sind – was rein zufällig auch etwa der allgemeinen Rate an übergewichtigen Frauen in Amerika entspricht.“

    Die Dame sagt, wie richtig festgestellt, dass etwa 2/3 aller Frauen mit PCOS übergewichtig oder adipös sind. Damit kann aber kein Schluss gezogen werden, dass dies etwas mit der allgemeinen Rate an übergewichtigen Frauen in den USA zu tun hat. Denn es werden ja nicht alle Frauen in den USA PCOS haben.

    Geht man davon aus, dass in den USA ca. 5 Mio Frauen an PCOS leiden (http://womenshealth.gov/publications/our-publications/fact-sheet/polycystic-ovary-syndrome.html), dann haben davon ca. 2/3 Übergewicht. Was in keiner Relation zu den 2/3 ALLER übergewichtigen Frauen steht.

    Sollte ich hier etwas falsch verstanden haben, tut mir der Kommentar leid.

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    1. Es geht darum, dass sie es so darstellt, als sei PCOS für Übergewicht verantwortlich und sie sagt, dass 2/3 der PCOS-Betroffenen ÜG sind (so der Marke: „PCOS macht dick, das sieht man daran, dass 2/3 der Betroffenen dick sind.“)… das ist aber eine vollkommen sinnbefreite Aussage, da grundsätzlich 2/3 der Frauen in den USA dick sind.
      Also so als würde man sagen, dass Sonnenbrand und Geschlecht zusammenhängen, weil ja immerhin 50% der Sonnenbrandopfer weiblich sind^^

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  4. Cage

    Oh man, das tut ja fast weh…nicht abnehmen können, weil man PCOS hat? Umgekehrt wird ein Schuh draus – sie hat PCOS weil sie stark adipös ist. Fett ist kein totes Gewebe sondern hat Einfluß auf den Hormonhaushalt. Folglich dürfte bei diesen 2/3 der PCOS Patientinnen die zu dick sind, das Fett maßgeblich zur Eierstockfehlfunktion beitragen und nicht umgekehrt.

    Es gibt mittlerweile soviele Erfahrungswerte von Kinderwunschärzten dazu, dass eine Gewichtsreduktion zu mehr Fruchtbarkeit führt, auch wenn vorher PCOS diagnostiziert wurde, dass es mir wirklich schleierhaft ist, wie man den Zusammenhang umdrehen kann.

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  5. Auch auf die Gefahr, einen Shitstorm zu provozieren: die Frau im ersten Video ist derart … unästhetisch, dass ich mir das zweite einfach mal spare. Gerade der direkte Vergleich mit einem offensichtlich normalgewichtigen Menschen lässt keine Zweifel mehr zu…

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  6. maSu

    Ich fasse zusammen:
    Fette Frau tanzt mittelmäßig vor sich hin, wir total gelobt dafür, dass sie aufgrund ihres erbärmlichen körperlichen Zustandes immerhin mittelmäßig tanzen kann und zusätzlich labert die Dame den ganzen Tag dummes Zeug.

    Wer nun überrascht ist, dass so etwas trauriges ins Fernsehen kommt: RTL2, Frauentausch.

    Schade ist es dennoch, aber wir leben in einer Zeit, in der der dümmste und hässlichste Mensch das größte Podium geboten bekommt weil er viele Gaffer anlocken wird.

    Aus EMN’s Sicht ist es natürlich besonders ärgerlich:
    Sie gibt sich Mühe, die Menschen aufzuklären und dann kommt da ein LKW voller Bullshit daher. Und ich bin auch der Meinung, dass unwahre Tatsachenbehauptungen in Medien sanktioniert werden sollten.

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    1. katemost

      Lieber maSu,
      das richte ich jetzt an dich, es fällt mir hier aber generell immer wieder auf. Und wenn ich mir jetzt weine verbale Ohrfeige einfange, ist mir das scheißegal: Es wäre großartig, wenn die Leute (die es betrifft), aufhören würden so beleidigend zu sein! Es gab die Diskussion bezüglich freier Meinungsäußerung ja hier schön dröfzigmal. Dennoch – um Argumente zu unterstreichen sind Beleidigungen nicht das geeignete Mittel, ganz im Gegenteil. Davon abgesehen gehört es meiner Ansicht nach zum gesunden Menschenverstand andere Menschen nicht aufgrund ihres Äußeren anzugreifen. Jemanden als ungesund aussehend zu bezeichnen finde ich ok, aber jemanden als „dumm und häßlich“ zu betiteln geht einfach zu weit – und trägt zu einer Diskussion auch nichts bei, außer dass es den Beleidigenden enttarnt!

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      1. maSu

        Fakten:

        1) sie ist fett und nein, „fett“ ist keine Beleidigung, sondern ein Adjektiv, analog zu „dick“ oder „übergewichtig“. Ich schrieb nicht „fetten Arsch“ sondern „fett“. Im übrigen nutzt und sie selbst diese Vokabeln („fat girl danacing“), ich wüsste nicht, wieso eine Frau, die sich scheinbar selbst „fett“ nennt, dadurch beleidigt sein sollte, dass jemand anderes sagt, sie sei „fett“?!

        2) sie tanzt mittelmäßig und das ist noch extrem positiv ausgedrückt. Vergleich das mit anderen Tänzern. Im obigen verlinkten Video sind keine(!) großartigen Szenen zu sehen, keine tollen und wirklich schweren Bewegungen, dafür ist das Video voller Schnitte. Vereinfacht ausgedrückt: Nicht einmal 3 Minuten am Stück tanzen kann sie. Sie dafür zu loben läuft unter der Kategorie: „Also dafür, dass sie so dick ist….“. Manche würden nun sagen: „Dafür das sie so dick ist, kann sie gut tanzen.“. Ich würde sagen: „Dafür das sie so dick ist, kann sie Videos ganz gut zusammenschneiden!“, denn mehr wird in dem „fat girl dancing“ Video nicht gezeigt.

        3) Ihr Körper ist in einem erbärmlichen Zustand, da sie massives krankhaftes Übergewicht hat und ich lehne mich mal aus dem Fenster: Ihre Gelenke werden den das nicht lange mitmachen. Sie hat jetzt schon diverse Krankheiten, die auf das Übergewicht zurückzuführen sind. Die Dame ist mal so eben 30. Da sind andere nicht stolz darauf, 3 Minuten mit Dutzenden von Schnitten in einem Video solche 0815-Bewegungen zu machen, da ist man (noch) in der Blüte seines Lebens.

        4) Ich gestehe, ich habe mir ihre Aussagen nicht in epischer Breite angehört, aber das was ich von ihr gehört habe ist dummes Zeug. Und das ist noch positiv ausgedrückt. Verdammt positiv.

        Und dann, das erkennt man an dem Absatz, geht es eben um unsere Medienlandschaft, die einfach nur an einer dummen Freakshow interessiert ist, weil das Einschaltquoten bringt. „Dumm und hässlich“ bezieht sich auch nicht direkt auf die Dame, das ist mit ein klein wenig Textverständnis in meinem Kommentar klar erkennbar. „Dumm und hässlich“ bezieht sich auf die tägliche TV-Freakshow: „Frauentausch“ oder „Schwiegertochter gesucht“ funktionieren genau wie „Bauer sucht Frau“, indem man den Zuschauern etwas bietet, über das sie sich lustig machen können. Das ist das Ziel. Und das funktioniert seit Jahren… Jahrzehnten. Die Medien zeigen nun einmal die Person, die ihre Menschenwürde zum geringsten Preis verscherbelt. Das bezieht sich natürlich indirekt auch auf diesen konkreten Fall, denn mir ihrer Sendung wird die Dame Teil dieser Freakshow.

        und das schlimmste an dieser 24/7 Freakshow ist damit in letzter Konsequenz, dass in den Medien auch noch Lügen, Märchen und unwahre Tatsachen verbreitet werden – von den Personen, die sich als Freaks vorführen lassen.

        und ja das ist beleidigend. Nicht von mir. Von den Medien.

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      2. TutziFrutzi

        @katemost: Gut. Sie kann sich überraschend flüssig bewegen.

        Aber das Video ist so dermaßen zusammengeschnitten, dass ich von sehr langen Pausen ausgehen würde. Guckt Dir mal an, wie die Haare fallen. Mal eindeutig trocken, mal nassgeschwitzt. Mal trocken, aber wie mit ner Haarkur künstlich beschwert. Oder mal mit ner Rundbürste nach innen gefönt, mal nicht.

        Wenn DA nicht dann und wann mehr als ein Tag zwischen den Sequenzen vergangen ist …

        Nichtsdestotrotz finde ich sie quirlig und echt sympathisch. Aber sie redet tatsächlich viel falsches Zeug. Ob das falsche Zeug auch wirklich dumm ist, sei mal dahingestellt.

        Dennoch gehe ich da absolut konform mit maSu. Da greift man sich eine Frau in den besten Jahren – führt die vor – im Wissen darum, dass sie das „Doppelte“ Publikum finden wird – nämlich einerseits die ebenfalls Übergewichtigen, andererseits diejenigen, die sich vorgenommen haben, NIE so auszusehen … streicht das auf ein paar sensationelle Szenen zusammen … und Bums … ein neues Fernsehformat.

        Und der Arsch ist jetzt wer?

        Die Leute, die das Scheiße finden und es auch sagen?
        Oder die Leute, die damit Geld machen?

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  7. katemost

    Hmpf. Also ihr beiden – es ging mir jetzt in diesem speziellen Fall tatsächlich um das „dumm und häßlich“, was ich als weiteres Beispiel für einige (meiner Ansicht nach) verbale Entgleisungen in diesem Blog-Forum sah. Das ist mir doch vollkommen wumpe ob die gute Dame ihre Videos zusammenschneidet, ob sie krank ist oder gesund, übergewichtig oder untergewichtig. Mir ging es lediglich um den simplen Fakt, dass ich persönlich es nicht in Ordnung finde, Leute aufgrund ihres Äußeren zu beleidigen. „Häßlich“ ist absolut subjektiv – und wenn jemand meint, ungefragt seine persönlichen Ansichten zum Aussehen einer anderen Person offen kundzutun, dann wäre es meiner Ansicht nach angebracht, das wenigstens zu markieren (á lá: Ich finde, dass) – und es nicht so allgemeingültig hinzustellen. Aber wahrscheinlich bin ich einfach viel zu PC und von diesem ganzen Gendergelaber hirngewaschen und was weiß ich was jetzt noch kommen könnte.

    Und zu:
    “ ‚Dumm und hässlich‘ bezieht sich auch nicht direkt auf die Dame, das ist mit ein klein wenig Textverständnis in meinem Kommentar klar erkennbar.“
    Fakt ist, maSu, dass Textinterpretation immer noch eine Interpretation ist (was ich hier synonym mit Textverständnis setze) – und hätte ich deinen Text so interpretiert, wie du ihn danach erklärt hast, hätte ich mich vielleicht nicht über deine in meinen Augen abfällige Bemerkung aufgeregt. Wenn du so etwas meintest wie: „was viele Menschen als dummund häßlich empfinden anzugaffen verkauft sich gut“ hättest du das vielleicht so schreiben sollen.
    Aber jetzt driften wir in ziemliche Detailfragen ab (die für mich übrigens ein Textverständnis ausmachen). Anyways, jeder liest Sachen anders und vielleicht sollte ich einfach „akzeptieren“ (*wink*), dass sich jeder anders ausdrückt.

    Cheers

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    1. maSu

      Fakt ist, dass „dumm und hässlich“ in einem anderen Absatz stand, in dem es um unsere Medienlandschaft geht. Wenn du das dennoch direkt auf die Dame beziehst, dann ist dein Textverständnis dermaßen schlecht, das du dich schlicht für jedwede Form der Kritik disqualifizierst.

      Und da gibt es nichts zu interpretieren, wenn dich selbst Absätze nicht davon abhalten willkürlich Behauptungen aufzustellen, dann kannst du gerne weiterhin alles mögliche hineinlesen, weil du es so haben willst. Kein Deutschlehrer dieser Erde käme ernsthaft auf die Idee „dumm und hässlich“ auf die im Absatz davor genannte Person zu beziehen. Machst du es dennoch: Schöne Sprache hast du da… wie heißt sie?

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    2. TutziFrutzi

      @katemost: Wenn die Aussagen „XY ist Lila“ und „Lila ist gruselig“ kurz hintereinander kommen – dann kann man mit Fug und Recht von der Absicht ausgehen, dass „XY ist gruselig“ gemeint ist. War jedoch nicht der Fall.

      Wenn aber nur da steht „XY ist Lila“ und zwei Absätze später „gruselige Leute bekommen ein Podium“, dann finden mehrere Schritte in DEINEM Kopf statt.

      Ich denke, Du tust maSu da grad Unrecht.

      Der Ärger hat sich keineswegs gegen die übergewichtige Frau gerichtet, sondern gegen die Medienlandschaft, die generell nach Extremen sucht. Und die gezeigten Menschen dabei zusätzlich in ihren Extremen bestärkt.

      Hier ist es das Übergewicht.
      Anderswo ist es z.B. eine überbordende Sammlung von Schlumpf-Figuren.
      Oder ein ganzes Schlafzimmer voller Scooter-Poster.
      Oder alles komplett gescripted. Mit Geburtstagsparty für den Hamster.
      Oder, oder, oder.

      Hauptsache schräg und deftig. Und das ist – unabhängig von der hier vorgestellten Sendung – eine allgemeine Kritik an aktuellen Fernsehformaten.

      Dass bei Schulden-, Bau-Katastrophen- oder Restaurant-Rettungs-Dokus ziemlich viel gestellt ist, dürfte ja klar sein. Aber es wird zunehmend nicht einmal mehr so GETAN, als verfolgte man die Intention, Menschen helfen zu wollen.

      „Lass sie labern!“ ist das Rezept für doppeltes Publikum. Und DAS ist doch das Ätzende. Die einen lachen sich kaputt und nehmen das als abschreckendes Beispiel, für die anderen ist es Balsam auf die von Misserfolgen geschundene Seele. Quotenhit am Nachmittag.

      Nicht nur ist damit keinem geholfen – den gezeigten Menschen am wenigsten – entweder wird da jemand vorgeführt, oder es wird suggeriert, dass ein eindeutig schädlicher Gesundheitszustand nicht so schlimm oder unabänderlich ist.

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