„Dumme Tipps“

Heute hat eine Ernährungsberaterin Fettlogik mit einem Stern bewertet, weil es für sie nun wirklich überhaupt nichts Neues“ war. Ich mache das als Psychotherapeutin natürlich auch häufig, also Bücher für Betroffene negativ bewerten, weil ich als Psychotherapeutin die Grundlagen, die darin vermittelt werden, schon kenne. Ich meine, ein Buch für Betroffene sollte doch auf jeden Fall für einen Profi nochmal komplett neue Inhalte liefern. (Muss ich hier ein Sarkasmus-Zeichen machen?)

Ein anderer Grund für die Negativbewertung war Des Weiteren finde ich manche Äußerungen gerade zu schlimm, ich zitiere: „Wenn ich exzessiv Sport mache und ganz schnell ganz viel Energie brauche, um noch ein paar Kilometer durchzuhalten, dann ist ein zuckerhaltiges Getränk wunderbar (…).“ Gegen solch einem (dummen!) Tipp oder gegen die von Frau Hermann häufig dargebotenen Empfehlungen zum Verzehr von Eiweiß und ‚guten‘ Kohlehydraten kann ich das Buch von Tim Noakes „The Real Meal Revolution“ empfehlen.

Also bei längeren und intensiven Sporteinheiten Kohlehydrate zuzuführen scheint offenbar „dumm“ zu sein. Leider sagt sie nicht, weswegen dieser „Tipp“ für sie als Ernährungsberaterin so dumm ist.

Es ist ja nicht so, als sei seit 1920 Forschung vorhanden, dass Kohlenhydrate die Leistung steigerten…

carb

Dieser Abschnitt stammt aus einer Arbeit von 2008 von Currell et al., die feststellten, dass kohlenhydrathaltige Getränke gegenüber einem Wasser-Placebo die Leistung von Ausdauersportlern steigerten.

Auch Wright et al. (1991) zeigten, dass die Leistung um 19-46% gesteigert war, wenn Kohlenhydrate vor oder während des Ausdauertrainings konsumiert wurden. Auch die Zeit bis zur Erschöpfung war mit Kohlenhydraten 18-44% verlängert gegenüber der Placebogruppe.

Hier hätten wir noch aus einem Übersichtsartikel von Jeukendrup (2011) eine Tabelle mit Empfehlungen wie viel Zucker in welcher Form (Glucose, Fructose) ab welcher Dauer/Intensität empfohlen wird:

zucker

Ab einer halben Stunde ergibt es also Sinn, Kohlenhydrate zuzuführen und bei mehreren Stunden wird sogar einiges empfohlen. Im Artikel selbst werden nochmal die Vorteile herausgestellt.

Nennt mich von mir aus kleinkariert, dass ich eine Amazon-Rezension beantworte, aber wenn sich schon jemand als Ernährungsberater äußert und angibt, dass ich in meinem Buch „dumme Tipps“ gebe, dann würde ich schon erwarten, dass dieses „dumm“ auch begründet wird. Denn mit ihrer Aussage, als Ernährungsberaterin zu schreiben, suggeriert sie ja durchaus eine gewisse Kompetenz.

Momentan sieht es für mich so aus, dass es recht ironisch ist, wenn jemand im ersten Abschnitt bemängelt, dass man ja alles schon wisse, was im Buch steht, und gleichzeitig eine wissenschaftlich begründete Aussage zum Bereich Sport/Ernährung plump als „dumm“ abkanzelt.

Wer als Ernährungsberater nicht in der Lage ist, differenziert mit bestimmten Situationen umzugehen und offenbar (gemäß der Buchempfehlungen) bestimmte Lebensmittel pauschal als böse qualifiziert, liefert nicht unbedingt die beste Arbeit. Denn grundsätzlich mag für den eher inaktiven Durchschnittsmenschen der Konsum schneller Energielieferanten (einfache KH) wenig sinnvoll sein, da diese Energie im Alltag nicht benötigt wird und zu starken Blutzuckerschwankungen führt. In einer Leistungssituation jedoch, wo die Energie direkt gebraucht wird, ist es durchaus sinnvoll, solche schnellen Energielieferanten zuzuführen.

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22 Gedanken zu “„Dumme Tipps“

  1. Sabrina

    Ich habe die Rezension eben auch gelesen, bevor ich hier auf die Antwort darauf stieß und war fast versucht, die Rezension zu kommentieren. Abgesehen von den erwähnten Punkten würde mich ja zusätzlich interessieren, wo die Rezensentin „dermaßen viele Fehler“ sieht, dass sie um den Inhalt rätseln musste. Auch mir sind ein paar Vertippsler im Buch aufgefallen, aber es waren insgesamt sicher nicht mehr als sieben oder acht und das waren reine Flüchtigkeitsfehler, die überhaupt keine Auswirkungen auf den Kontext hatten. Für ein selbstpubliziertes Buch mit einem Korrekturdurchgang sind das bemerkenswert wenig Fehler – unter Selfpublishern ist man in der Regel tausendmal Schlimmeres gewohnt.

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  2. Wie immer liefert hier der Hitchhiker’s Guide die Erklärung:

    „What’s the problem?“ said Lunkwill.

    „I’ll tell you what the problem is mate,“ said Majikthise, „demarcation, that’s the problem!“

    „We demand,“ yelled Vroomfondel, „that demarcation may or may not be the problem!“

    „You just let the machines get on with the adding up,“ warned Majikthise, „and we’ll take care of the eternal verities thank you very much. You want to check your legal position you do mate. Under law the Quest for Ultimate Truth is quite clearly the inalienable prerogative of your working thinkers. Any bloody machine goes and actually finds it and we’re straight out of a job aren’t we? I mean what’s the use of our sitting up half the night arguing that there may or may not be a God if this machine only goes and gives us his bleeding phone number the next morning?“

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  3. Alex

    Wobei man sicher viele Punkte bei kh (also Zucker) nach dem Sport diskutieren kann.
    Entzündungsfördernd,
    Infektionsrisiko reduzierend,
    Energie gebend
    Insulin steigernd (hilfreich mit EW für Muskelaufbau)

    Aber vermutlich ist Ernährungsberater als gläubige bei „Zucker“ einfach Jehovas kreischend und geifernd vor dem Nervenzusammenbruch..
    Hat wohl n paar funken Wahrheit, wenn Udo pollmer Ernährungsberatung als Gewalt von Frauen an Frauen benennt 🙂

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  4. kork

    Ach jeh,die Frau treibt eben selbst keinen Sport und ist in Sporternæhrung nicht bewandert. Ihr Fokus liegt allein auf den Fragen, die am meisten gestellt werden: wie nehme ich am besten ab? Wie ernæhre ich mich am gesuendesten? Und da gilt dann halt: komplexe Kohlenhydrate sind Einfach- und Zweifachzuckern stets und immer vorzuziehen, da sie længer sættigen und mehr Mikronæhrstoffe liefern usw…

    Bei intensiver körperlicher Belastung, bei der der Fokus nicht auf einer Gewichtsreduktion liegt, macht man sinnvollerweise eine Ausnahme von der Regel. Aber die Kritikerin wuerde wohl bei einem Marathonlauf auf km 30 Vollkornbrot mit Hummus anbieten.

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    1. Nick

      Aber die Kritikerin wuerde wohl bei einem Marathonlauf auf km 30 Vollkornbrot mit Hummus anbieten.

      Getreide? Hülsenfrüchte? Das reine Teufelszeug! Sie würde vermutlich eher tot umfallen.

      Vermutlich wäre Kokosfett das Mittel ihrer Wahl, aber bei km 30 nützt das wohl auch nichts mehr.

      Man kann einen Marathonlauf auch aus seinen Fettreserven bewältigen, wenn man seine Fettflußrate entsprechend hochtrainiert hat. Allerdings wird man dann immer langsamer sein als diejenigen, die auf Glucose setzen. Fettverbrennung ist nur bei sehr langen (bis zu tagelangen) Belastungen ohne mögliche Nahrungszufuhr von Vorteil.

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    2. Alex

      @kork das ist völliger Unsinn.
      Kohlenhydrate liefern immer nur einen nährstoffreichen, nämlich Kohlenhydrate.
      Das ist von der Kettenlänge unabhängig.

      (Winzige Ausnahme beim Mann die spermienproduktion, da braucht es den Einfachzucker Fruktose, der natürlich im Haushaltszucker auch enthalten ist.

      Was du vermutlich meinst, aber nicht schreibt, ist, dass Nahrungsmittel die eher Stärke als kh enthält stärker sättigen und besser sind als Nahrungsmittel die eher Zucker enthalten.
      Das mag vielleicht in der Mehrheit bei speziellen Produkten wie zB Kartoffeln vs Gummibärchen hinkommen, stimmt aber vermutlich in der Mehrheit nicht! bei zB toast vs Karotten.

      Übrigens: deine auch so geschätzten ‚ komplexen‘ , also langkettigen, kh werden bereits durch den Speichel in schönen hochwertigen Zucker aufgebrochen 🙂
      Also: nicht mehr kauen!

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  5. Nick

    Die Rezensentin meint, das zuckerhaltige Getränk widerspräche der Lehre des lchf-Gurus Tim Noakes und sei deshalb „dumm“. So verstehe ich jedenfalls ihre „Begründung“. Natürlich kommt da Zucker direkt aus den Fabriken Satans.

    Unumstritten ist der Herr ja nicht gerade: http://www.health24.com/Medical/Heart/Foods-diet-and-your-heart/Experts-warn-against-Noakes-diet-20130212

    Auch das von ihr wärmstens empfohlene Buch „The Wheat Belly“ ist nicht überall hoch angesehen:

    http://www.cbc.ca/news/wheat-belly-arguments-are-based-on-shaky-science-critics-say-1.2974214

    Die Madame meint offenbar (implizit), ihre Gurus hätten die Universal-Patentlösung für Übergewicht gefunden und ist offenbar schwer empört über den Frevel der Häresie.

    Mit Fakten wie etwa dem, dass mit Fettverbrennung nun mal keine sportlichen Hochleistungen möglich sind (Fettverbrennung benötigt nun mal erheblich mehr Sauerstoff als Glucoseverbrennung, und die aufnehmbare/transportierbare Sauerstoffmenge ist leider begrenzt) muss man sich dann gar nicht erst beschäftigen.

    „Ernährungsberaterin“ darf sich jede nennen..

    Schade eigentlich, ich habe recht gute Erfahrungen mit Paleo gemacht. Solche Leute/Autoren sorgen dafür, dass ich lieber nicht damit hausieren gehe.

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    1. Nick

      Insgesamt muss man aber leider feststellen, dass wir erst am Anfang dessen sind, was man noch über die menschliche Suchtveranlagung in Bezug auf viele Konsumgüter, darunter eben auch Lebensmittel, weiß.
      [..]
      leider hilft die Autorin uns aber mit dieser Erkenntnis nicht weiter und genau das, nämlich eine Hilfe (Titel: „überwinden“), hatte man sich von diesem Buch versprochen.

      Sie sucht also eine Hilfe, von der sie weiß dass sie sie seriös nicht erhalten kann. Irgendwie niedlich, diese naive Offenheit bzgl. ihrer Suche nach dem ultimativem Guru mit den neusten, einfachen Patentrezepten (aus Amerika) 😀

      Solche Bücher wie „The Wheat Belly“ bedienen eben dieses Marktsegment offenbar besser als „Fettlogik Überwinden“ – kein Wunder, dass sie rein gar nichts damit anfangen kann.

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  6. Maren

    Getroffene Hunde beißen, heißt es doch oder so ähnlich. Als Ernährungsberaterin wird ihr im Buch doch eine subjektive Kalorienfehleinschätzungsrate von ca. 300ckal nachgewiesen. Da muss Mensch sich doch wehren^^

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  7. Die Frau war offenbar noch nie während einer Wanderung völlig ausgepowert. Ich habe darum beim Wandern auch immer noch etwas süsses für den Notfall dabei. Denn wenn nach 5 Stunden, das letzte Stück Weg nochmals ständig hoch und wieder runter geht, würden bei mir ohne Tränen fliessen 😉

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  8. Pingback: Samstagssammlung | Fettlogik überwinden.

  9. Freak

    Während eines Marathons werden ja auch liquidgels oder Isodrinks empfohlen – anschliueßend sogar Kakao! Die frau ist wirklich nur „Beraterin“ und hat halt eine feste Meinung. Ärger dich nicht…

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  10. Danger Mouse

    Ohje. Ich befürchte für die Rezension bin ich teilweise verantwortlich. Habe gestern auf FB lange mit einer Ernährungsberaterin selbigen Vornamens diskutiert und da ich nun mal Laie bin, sie irgendwann nur noch auf dein Buch verwiesen 😦

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      1. Danger Mouse

        Bevor ich der guten Dame Unrecht tue, gleiche ich lieber mal die Postingzeiten ab und nehme bis dahin alles Gesagte zurück und behaupte das Gegenteil.

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  11. Meine Tante ist Leichtathletin und hat jahrelang Kinder und Jugendliche trainiert. Für sie ist Apfelschorle das beste Sportlergetränk, weil (nicht zu viel) Zucker einen wach und den Kreislauf stabil hält. Grad wenn man niedrigen Blutdruck hat.
    Also ich kann deinen Tipp nur bestätigen ^^

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  12. Katrin

    Hier muss ich jetzt mal einhaken: Ihr meint, Apfelschorle als „Iso-Drink“ ließe sich machen?

    Ich erklär kurz meine Situation: Ich wiege derzeit 81 von Ausgangsgewicht 109 vor zwei Jahren. Mit Beginn meiner Lebensumstellung hab ich auch mit Kraftsport angefangen. Seit zwei Jahren also mach ich funktionales Training mit dem eigenen Körpergewicht, hauptsächlich nach Mark Lauren, zu Hause. Das tägliche Training umfasst ca. 20 bis 40 min., mit Warm Up und Cool down komm ich auf ca. 1 Stunde, manchmal bissel mehr, mal etwas weniger. Bisher hab ich dazu nur Wasser getrunken, eine Stunde vorher z. B. eine Banane gegessen und danach ein Glas Milch getrunken. Meint ihr, ich könnte die Banane oder Obst halt weglassen und stattdessen beim Training eine kleine Apfelschorle trinken? Oder lass ich das lieber wegen der Kalorien, weil ich genau genommen in der „halbe Stunde Regelung“ bin. Zählt Erwärmung und Cool Down auch mit?

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