Disziplin!

„Disziplin“ wurde jetzt schon häufiger in dem selben Abschnitt mit „Fettlogik“ verwendet oder Leute gratulieren mir sogar direkt zu meiner Disziplin. Das ist… merkwürdig, denn wenn ich eine Eigenschaft nicht zu meiner Selbstbeschreibung zähle, dann „diszipliniert“. Ich könnte mich jetzt mit mit meinem ADS herausreden, und vielleicht ist das ja tatsächlich (mit) der Grund, aber an sich ist es ja Wurst, warum es so ist. Fakt ist, ich bin kein disziplinierter Mensch. Ich schiebe Dinge ewig auf um sie dann auf den letzten Drücker gerade noch so zu schaffen und mich hinterher darüber zu ärgern, dass mit ein bisschen mehr Zeit ein viel stressfreieres und besseres Ergebnis rausgekommen wäre. Nächstes Mal denke ich daran und fange früher an. Ganz sicher. Nicht.

Ich bin nicht besonders gut darin, mich zu „mäßigen“. Wenn ich eine tolle neue Serie entdecke, die schon seit 3 Staffeln läuft, könnte ich sagen „Klasse, nun hast du die nächsten Wochen was zu schauen“, aber statt dessen klebe ich in jeder freien Minute vor „nur noch dieser einen Folge“ bis drei Tage später der Abspann läuft.

Andererseits bin ich der Meinung, dass es besser ist, gewisse Teile der eigenen Persönlichkeit anzunehmen und Wege zu finden, damit gut zu leben, statt daran zu arbeiten, sich komplett zu ändern. Ich bewundere disziplinierte Menschen, bei mir wird allerdings immer ein wenig Chaos herrschen.

Der Gedanke, dass Schlanksein für mich als „Naturdicke“ mit langsamem Stoffwechsel nur mit ewiger Disziplin machbar sein würde, hielt mich jahrelang davon ab, es zu versuchen, denn wie ich auch im Buch bereits schrieb, war es durchaus eine bewusste Entscheidung „für die Lebensfreude“, mich nicht einzuschränken und selbst zu kasteien. Dann wurde durch die Schmerzen und Immobilität dieser Teil der Rechnung akut gestört und ich dachte „Na gut, lebenslange Disziplin ist weniger schrecklich als lebenslang diese Schmerzen“

Durch das Loswerden meiner Fettlogiken und im Verlauf der letzten zwei Jahre wurde mir immer mehr klar, dass ich einfach grundsätzlich falsch lag mit meiner Schlank = Disziplin Gleichung. Auch aufgrund meiner vielen Vorurteile gegenüber gewissen Dingen wie Sport. In meinen bisherigen 30 Jahren war Sport immer etwas, zu dem ich mich zwingen musste, und das bestenfalls „erträglich“ ist. In meiner Welt gab es eben zwei Typen, die „Sportverrückten“ (die, wenn ich ehrlich bin, in meiner Welt auch nur so taten, als würden sie Sport lieben, denn es war einfach nicht denkbar für mich, dass Sport wirklich Spaß machen kann) und Leute wie mich.

Ich schätze, der Hauptgrund dafür war, dass ich eben einfach wahnsinnig unfit war und total schlecht im Sport. Der Höhepunkt war vor 2 Jahren erreicht, als ich nicht einmal mehr wenige Meter am Stück gehen konnte, aber auch die Jahre davor war ich einfach komplett mies in jeglicher sportlicher Aktivität. Und wenn man echt schlecht in etwas ist, macht es meist auch wenig Freude. Paradoxerweise musste ich mich wohl erst wirklich als Dicke „selbst akzeptieren“ bevor ich das ändern konnte, denn ich denke, zuvor hatte ich Sport hauptsächlich deshalb vermieden, weil es mir deutlich vor Augen führte, wie unfit ich tatsächlich dran war. 150kg im Alltag lassen sich meist noch irgendwie ausblenden, aber beim Sport spürt man jedes Kilo. Und das wollte ich nicht. Erst nachdem ich wirklich an dem Punkt war, als ich regelrecht zusammengebrochen war und mir eingestanden hatte, dass es so nicht weitergehen konnte, konnte ich auch mit Sport neu anfangen. Ich konnte mich über Mini-Erfolge freuen, weil sie eben nicht mehr Hinweis auf mein Scheitern waren (das hatte ich ja bereits festgestellt) sondern ein Schritt in Richtung Verbesserung.

Wie ich im Buch schon schrieb, hatte Krafttraining großen Einfluss auf das Körpergefühl. Und auch mein allererster Pilates-Kurs. Die Leute dort waren alle schon länger da, weswegen sich die super liebe Trainerin voll auf uns (Mann & mich) konzentrierte. Sie war einfach grundsätzlich ein total positiv-lobender Mensch, aber es  tat wahnsinnig gut, ihr überschwängliches Lob zu hören, wie toll die Körperspannung sei, und ob ich früher Gymnastik gemacht hätte. Ich! Gymnastik! Körperspannung! Egal ob sie nur nett sein wollte, das hat irre motiviert.

Ich habe seither einige Sport-Dinge ausprobiert und ganz vieles hat keinen Spaß gemacht. Spinning – meeh. Aerobic oder alles, was mit Choreographie zu tun hat – geht gar nicht. Schwimmen – langweilig. Joggen – meistens langweilig. Hängen geblieben bin ich bei den Dingen, die mir wirklich Spaß machen, nämlich Crosstrainern bei der Lieblingsserie, Radtouren und Krafttraining. Bei Fernsehserien haben Kerl und ich die „3 Folgen Regel“, also mindestens drei Folgen schauen bis wir entscheien ob die Serie uns gefällt. Auf die Art haben wir „Game of Thrones“ glücklicherweise nicht nach den ersten zwei nicht ganz so dollen Folgen abgebrochen. Mit dem Sport halte ich es ähnlich, und teste Dinge mit etwas Abstand und neuen Bedingungen immer mal wieder. Crosstrainern war mir anfangs viel zu anstengend, mittlerweile ist es mein Lieblingssport. Radfahren war vor einem Jahr noch der Horror, weil ich so lange nicht mehr auf dem Rad saß und mir jegliches Balancegefühl abging.

Mein früheres Ich würde das vermutlich nicht wirklich glauben oder zumindest mit Skepsis lesen, aber Sport macht mir Spaß. Wäre das nicht der Fall, würde ich es nicht tun. Wie gesagt, meine Disziplin ist nicht allzu ausgeprägt, und ich würde es nicht schaffen mich mehrfach die Woche oder gar täglich freiwillig zu etwas zu zwingen, das mir keinen Spaß macht. Wenn ich so, wie die letzten Tage, aus zeit- oder sonstigen Gründen nicht dazu komme, Sport zu machen, fehlt etwas. Disziplin war die letzten Tage nötig, keinen Sport zu machen und statt dessen dringende Arbeiten zu erledigen, die eine Deadline hatten.

Mein persönliches Fazit zum Thema Sport ist, dass es sich lohnt, Sport eine Chance zu geben und verschiedene Dinge durchzuprobieren, da der Spaßfaktor sehr stark vom Typ variieren kann oder auch mit anderen Bedingungen (Sportpartner, Ausrüstung, Gruppe…) nochmal ganz anders ist. Die Lebensqualität, die sich daraus ergeben kann, ist unerwartet riesig, und damit meine ich nicht die Tatsache, dass ich an Sporttagen oft mehr kcal esse als zu meiner 150 kg Zeit, sondern das ganze drumherum. Der Spaß an sich und das Wohlfühlen in einem fitten Körper. Wenn man aber so gar nichts findet, das Spaß macht und Sport auch nach Wochen und Monaten nur lästige Überwindung ist, würde ich es wohl nicht (mehr) erzwingen und versuchen, Alternativen zu finden.

Was Essen und Disziplin angeht… ich hatte auch bei 150kg das Gefühl, mich oft einzuschränken, und ebenso geht es mir jetzt. Ich könnte an sich immer mehr essen, als ich tue. Es gab schon vereinzelt Tage, an denen ich meine Kalorien nicht voll gemacht habe, aber das ist die absolute Ausnahme und die Tage, an denen ich mich bremsen muss, sind weit häufiger. Aber mittlerweile ist mir auf andere Art bewusst, was für ein Luxus das ist. Ich dachte früher immer, ich äße gar nicht so viel, und es sei furchtbar ungerecht, dass ich dick bin. Mittlerweile ist mir auch an inaktiven Tagen klar, dass ich eigentlich ganz schön viel esse und meine Portionen eben groß sind. Mit dieser anderen Einstellung geht es mir subjektiv wesentlich besser als früher. Und mir ist klar, dass meine ~1900kcal eben nicht besonders diszipliniert sind sondern ziemlich durchschnittlich. Manch eine kleine, zierliche Frau wäre neidisch (und manch ein großer, kräftiger Mann würde darüber mitleidig lächeln). Und wenn ich an sehr sportlichen Tagen locker 3000-3500kcal esse, dann ist mir mittlerweile voll bewusst, dass es eben nicht „gar nicht so viel“ ist, eine Packung Studentenfutter mit 1000kcal zu futtern sondern echter Luxus. Das Wort „Disziplin“ ist dazu nicht unbedingt das erste, was mir einfällt.

Ich glaube, deshalb nerven mich Fettlogiken so. Weil sie mir jahrelang suggeriert haben, fürs Schlanksein müsste ich eben super diszipliniert sein. Mittlerweile habe ich darüber nachgedacht, was passieren würde, wenn plötzlich doch rauskäme, dass entgegen jahrhunderten medizinischen Wissens, Übergewicht gar nicht gesundeitsschädlich wäre. Und ich stelle fest, ich würde dann trotzdem nicht sagen „Hurrah, dann futtere ich mir wieder alles zurück!“, denn ich mag diese Veränderung. Das bessere Körpergefühl, die Mehrenergie, wie viele Dinge im Alltag leichter fallen, die neuen Interessen, Sport… ich brauche keine „Belohnung“ mehr um die „Disziplin“ aufrecht zu erhalten.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob das die große Ausnahme ist, ich kann nur sagen, dass ich im Vorfeld von diesem Zustand nicht weiter hätte weg sein können. Seit ich denken kann war ich in meiner Wahrnehmung der unförmige Trampel, für den Bewegung oder gar Sport der Horror war, besonders im Sportunterricht. Ich denke, es lohnt sich generell, dranzubleiben und wirklich zu suchen, ob man Wege findet, die einem gut tun und Spaß machen. Also nicht „für immer diszipliniert sein“ müssen, sondern etwas zu finden, mit dem es leichter geht. Sei es eine andere Ernährungsform (die unterschiedlichen Ansätze hatte ich ja im Buch vorgestellt) oder eben eine Änderung im Lebensstil (auf irgendeine Art mehr Bewegung).

Ich denke ehrlich gesagt nicht, dass „Disziplin“ auf Dauer die Lösung ist, auch wenn man sich zu manchen Dingen anfangs sicher überwinden muss. Klar, dass die ersten Schritte anstrengend sind und vielleicht sogar unangenehm. Aber wenn es einfach nicht besser wird, ist das vielleicht ein Zeichen, dass man nochmal etwas anderes ausprobieren sollte. Als ich „Fettlogik“ geschrieben habe, war das für mich eine zentrale Sache, die ich vermitteln wollte. Also überflüssige Regeln, die das Leben im Prinzip nur schwerer machen, entkräften und nur die wenigen wirklich zentralen Dinge stehen lassen, so dass jeder für sich den angenehmsten Weg finden kann. Für manche könnte mein persönlicher Weg vielleicht „Vorbild“ sein, wenn sie zufällig ähnlich ticken wie ich, aber für andere mag etwas ganz anderes viel besser sein. Was mich da ehrlich gesagt am meisten freut ist, wenn ich sehe, dass das tatsächlich funktioniert und Leute sich teilweise nach dem Lesen von „Fettlogik“ einen komplett anderen Plan zusammenbasteln und damit Erfolg haben.

Btw., abschließend der Hinweis, dass ich mich immer über Gastbeiträge freue. Ich finde es spannend, auch mal Einblicke (egal ob positiv oder negativ) in andere Programme o.ä. zu bekommen. Also wenn jemand ein bestimmtes Abnehmprogramm macht/gemacht hat oder bestimme Sportarten macht und von den Erfahrungen damit berichten will, ich freue mich über Nachrichten und halte euch gerne einen Platz frei. Natürlich auch, wenn ihr einen Bericht liefern wollt, was ihr nach „Fettlogik“ gemach habt und was das Ergebnis davon war. Je mehr unterschiedliche Wege, desto besser. Ihr könnt auch gerne in den Kommentaren Wünsche äußern, worüber ihr gerne mal einen Gastbeitrag/Erfahrungsbericht hättet, und vielleicht liest es ja jemand, der etwas dazu zu sagen hat.

In diesem Sinne… auf weniger Disziplin!^^

41 Gedanken zu “Disziplin!

  1. Stefanie

    Sehr schön gesagt. Ich bin wie in Deinem Buch so oft beschrieben an diesem Rand zum Übergewicht und mir sind viele der Fettlogiken schon begegnet und ich hab sie auch schon oft selbst gelebt.

    Und dieser Blogbeitrag zum Thema Disziplin ist wie aus meinem eigenen Leben geschrieben. Ich bin eigentlich auch eher leicht chaotisch, durchschnittlich organisiert – obwohl ich das Origanisieren sehr liebe und halt auch nur durchschnittlich bis unterdurchschnittlich diszipliniert. Trotz allem bekomme ich sowohl bei diversen Abnehmversuchen als auch beim Sport (ich laufe seit 2,5 Jahren regelmäßig) immer wieder zu hören wie diszipliniert ich doch sei. Für mich ist aber das durchziehen, gerade des Laufens, einfach nur eine logische Konsequenz daraus, dass ich Spaß daran habe und das ich natürlich auch Ziele verfolge – die ich ohne regelmäßiges Training nicht erreichen kann – ergo trainiere ich dafür und bis auf die wenigen Ausnahmen – schlechter Tag, etc. – macht es halt Spaß und ich möchte auch dann einfach nichts anderes machen – mit Disziplin hat das für mich dann nichts zu tun, denn die schreckt mich auch eher ab etwas zu tun.

    Deswegen finde ich es interessant das es auch anderen so geht.

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  2. nessii

    Ich kann dem Beitrag nur zustimmen. Nach knapp 50 abgenommenen Kilos höre ich auch ständig, wie diszipliniert ich doch sei und ich werde gefragt, wie ich mich immer wieder motiviere, weiterzumachen. Und ich gucke jedesmal ziemlich verständnislos aus der Wäsche. Ich mag meine Ernährung und mein Sportprogramm so, wie sie aktuell sind. Wenn mir bestimmte Aspekte daran nicht mehr zusagen, passe ich sie so an, dass ich zwar weiterhin abnehme, aber eben ohne die Störfaktoren.
    Ich brauche keine Motivation, keine Belohnung, wenn ich ein bestimmtes Gewicht erreicht habe. Die Tatsache, dass ich dieses Gewicht erreiche, mich fitter und stärker fühle als je zuvor, ist für mich Belohnung und Motivation genug.

    Hätte mir übrigens vor 2 Jahren jemand gesagt, dass ich mal jede Woche an 5 von 7 Tagen für ca. 1h einen Mix aus Kraft- und Ausdauertraining machen würde (und das daheim vor dem TV mit Fitnessvideos aus dem Internet) und dazu einmal pro Woche 2-3h Line Dance, wo ich noch dazu die 20km Weg bis hin mit dem Rad fahre (zurück geht’s aber mit der Bahn.), hätte ich denjenigen für absolut bekloppt erklärt.

    Aber bei mir ist es auch so, dass ich mich eher zurückhalten muss, es mit dem Sport nicht zu übertreiben, will ja weder Verletzungen haben noch im Übertraining landen. Das liegt aber eben daran, dass ich *meinen* Sport gefunden habe.

    Ich denke, eines der großen Probleme beim Abnehmen ist es, dass man wirklich sein eigenes Konzept finden muss. Nicht Variante XY machen, weil „der Freund vom Bekannten meines Bruders“ so gut damit abgenommen hat, sondern wirklich etwas finden, das in das eigene Leben und zu den eigenen Vorlieben passt. Und wenn man merkt, dass etwas nicht so klappt, wie man es geplant hat, dann muss man eben die Ursachen dafür feststellen und dann schauen, welche Stellschrauben man am besten bewegt, um weiterhin auf sein Ziel zuzusteuern, ohne dass man sich deswegen völlig verbiegen muss.

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      1. Nic

        Ich liebe Step Aerobic und habe diverse DVDs von Gin Miller zuhause, die mir richtig Spaß machen, schon seit Jahren!
        Dann gibt es online FitnessStudios. Ich bin bei pur-life.com und mache so ziemlich alle Kurse mit, die Linda gibt.
        Da ist sicher jeder anders, aber für mich kommt es immer auch auf den Trainer an. Dieselbe Sportart beim falschen Trainer und schon gebe ich genervt auf..

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    1. nessii

      Ja, das ist auch merkwürdig.
      Was mir aber auch gefällt ist, wie gespannt die Leute schauen, wenn sie fragen, wie ich es denn gemacht habe und wie enttäuscht sie sind, wenn sie merken, dass ich kein Wundermittel zum Pfunde verlieren gefunden habe, sondern einfach anders esse und mehr Sport treibe. 😀

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  3. katemost

    Aber ihr beschwert euch jetzt nicht, dass jemand zum Abnehmen Komplimente macht, oder? Ganz ehrlich, ob das jetzt von außen als „Disziplin“ gesehen wird oder Willensstärke oder „Glück“ – support von außen ist doch immer super, oder nicht? Ich freu mich jedenfalls wenn jemand anerkennend schaut, weil ich ein paar Kilos abgenommen habe, da ich selbst gegenüber anderen genau dieses Gefühl verspüre. Wenn ich jemandem dazu gratuliere, dass er/sie (bewusst!) abgenommen hat, dann steckt bei mir der Gedanke dahinter, dass ich weiß, dass die Person mit Absicht etwas an ihrem Leben geändert hat – und dazu gehört, zumindest am Anfang, immer irgendeine Form von Anstrengung – geistig, körperlich, wie auch immer. Und das finde ich bemerkenswert in jeglicher Hinsicht. Aktiv den eigenen Lebensstil zu reflektieren und bewusst zu ändern hat allemal Anerkennung verdient, auch wenn das für einige als etwas „normales“ oder „selbstverständliches“ angesehen und nicht mit Disziplin gleichgesetzt wird.

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    1. Ich freue mich immer, wenn jemand was nettes sagt, auch wenn jemand was nettes über meine Disziplin sagt. Im Falle der Disziplin kann ich das halt nicht wirklich annehmen. Das fühlt sich an als würde mir jemand zu einem tollen Bild gratulieren, das ich aber gar nicht gemalt habe^^

      Darüber hinaus hat halt, wie im Text gesagt, dieser Disziplin-Gedanke bei mir jahrelang verhindert, mich zu verändern. Ich dachte eben, Schlanksein sei eine ätzende Disziplinsache, und das wollte ich mir icht antun. Hätte ich damals gewsst, dass es ohne funktionioniert, hätte ich vermutlich früher was getan und rumprobiert.

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      1. Mona

        Das was ihr tut ist doch diszipliniert. Wieso mögt ihr das Wort nicht? Wie sieht Disziplin sonst aus?
        Zum regelmäßigen Zähneputzen (saubere Zähne fühlen sich ja auch toll an) braucht man auch Disziplin und das machen doch die meisten Menschen in Deutschland. Da würde ja auch niemand sagen: Neee, Disziplin ist zu schwer, ich lass das Zähneputzen mal ganz sein.

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      2. Disziplin braucht man um unangenehme Dinge zu tun. Wenn mir Sport aber Spaß macht, möchte ich es einfach nicht „Disziplin“ nennen, weil das ein falsches Gefühl von dem vermittelt, was ich tue.
        Zähneputzen ist eine Pflicht, und wenns nicht nötig wäre, würde ich mich nicht hinstellen und meine Zähne minutenlang schrubben. Insofern könnte man das wohl „Disziplin“ nennen, wenn man denn wollte. Aber das wäre lächerlich, weil Disziplin eher für besondere Anstrengungen reserviert ist und nicht für Alltagsgedöns. Ich bin ja auch nicht „diszipliniert“ wenn ich die Tasse in die Spülmaschine räume.

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      3. Mona

        Das mit dem direkt Dinge wegräumen wird doch von den meisten Disziplin genannt. Ich kenn zu viele Leute, bei denen ich denke, wie haben deren Eltern mit ihnen ausgehalten, weil sie nie irgendwas dahin tun, wo sie es herhaben oder Wasserflaschen nicht wieder zudrehen oder wenn sie die Küche dreckig gemacht haben beim Kochen, es nicht wieder wegwischen. Es sind aber auch alles keine spaßigen Dinge.
        Mir macht Sport zur Zeit auch Spaß. Kann man diese „Disziplin“ bei spaßigen Dingen Durchhaltevermögen nennen? Man strengt sich doch sehr an.

        Für mich ist es kein großer Unterschied zwischen besonderen Sachen und Alltagsgedöns, wahrscheinlich weil ich sehr lang depressiv war/bin und ich Monate hatte, wo Zähneputzen und mich mal abduschen unüberwindbare Hindernisse waren, für die ich jedes Mal mehrere Tage Anlauf brauchte. Alles ist anstrengend, egal ob es gut für mich ist oder nicht. Vor allem Dinge bei denen man weiß, das müsste mir doch Spaß machen (weil ich mich erinnere, wie es ganz früher war), wieso fühle ich es dann nicht. Da braucht man stumpfes Durchhaltevermögen, Hoffnung oder eben Disziplin. Zum Glück fühle ich mittlerweile ein kleines bisschen, was mir Spaß macht. Ich würde mich so gern mal einfach über etwas freuen, hoffentlich kommt das auch noch wieder in den nächsten Jahren.

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      4. nessii

        @Mona: Wenn jemand sagt, wie toll es ist, dass so diszipliniert bin und täglich Sport treibe, ist das für mich, als würde derjenige sagen, wie toll es ist, dass ich täglich PC-Spiele spiele oder Fanfiction lese. Das tue ich ja nicht, weil es ein leider notwendiges Übel ist (wie Tasse wegräumen und Zähneputzen), sondern weil es mir Spaß macht. Und das hat eben nichts mit Disziplin zu tun.

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    2. tati

      Beschweren tu ich mich nicht, wenn ich ein Kompliment bekomme. Gestern hat sich im Büro zum ersten Mal jemand getraut etwas zu sagen. Das „Boah, Du hast aber ganz schön abgenommen“ ging runter wie Öl (maximal ein EL) und ich bin bestimmt einen Zentimeter gewachsen.

      Manchmal kommt es mir aber schon so vor, als hätte jede Form von Verhaltensänderung was mit „Disziplin“ zu tun. Derzeit schreibe ich sehr bewusst meine Kalorien auf, stelle mich aufs Laufband und verzichte auf den Nachschlag oder den Nachtisch. Das ist zumindest nach zwei Monaten noch kein Selbstläufer, sondern sehr bewusste Entscheidungen.

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    3. nessii

      Ich beschwere mich ganz sicher nicht, ich liebe Komplimente. 😀
      Aber ich sehe das wie enm: Ein Kompliment zu bekommen, wie diszipliniert ich doch bin und wie toll ich mich motivieren kann, empfinde ich eben als falsch, weil ich mich nicht als diszipliniert wahrnehme und mich in keiner besonderen Form motivieren muss.
      Und ich stimme ihr auch zu, wenn ich früher gewusst hätte, dass Abnehmen auch ohne Disziplin geht, solange man nur seine eigene Variante findet, hätte ich vielleicht früher damit anfangen können.

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    4. ms. hü

      hm. ich habe festgestellt, dass solche komplimente zu oft vergiftet sind. ich bekomme eben kein echtes „wow, toll!“. es folgt (bis auf eine einzige ausnahme) _immer_ irgendwas garstiges nach. gerne die krabbenkorb-nummer oder „…aber jetzt reicht es doch auch mal mit dem abnehmen, oder? wie, du nimmst süßstoff in deinen kaffee? das wird dich umbringen, das ist total schädlich, das wird auch in der schweinemast eingesetzt!“ oder „dein vieler sport ist toTAL ungesund! da kann man sich schlimm verletzen!“ der letzte spruch kam übrigens von einem schwer übergewichtigen mann, der kurz vor seinem 48. geburtstag einen schlaganfall erlitten hatte. *kopf>tisch*
      fazit: ich will die „komplimente“ der meisten leute in meiner umgebung nicht.
      an der stelle halte ich es ausnahmsweise mit dem ausgeleierten spruch „mitleid bekommst du geschenkt. neid hast du dir verdient.“

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  4. EinFan

    Offtopic: Mal was was anderes: Gibt es einen Höchstwert, was man an Fett pro Woche durch Sport abbauen kann? Du hattest mal an einem Beispiel von Radsportlern geschrieben, dass sie dort über 10.000 kcal am Tag verbrennen und das also auch möglich ist.

    Hintergrund ist dieses kleines Rechenbeispiel (gerundete Werte, zum leichter Rechnen): 1h Radfahren = 700 kcal = 100 g Fettmasse. Da ich gerne Rad fahre, sind 3 Stunden pro Tag drin. –> 3 * 7 = 21 Stunden = 2,1 kg Fett.

    Zudem esse ich ein 500 kcal Defizit pro Tag –> 3.500 kcal in der Woche –> 0,5 kg Fett.

    Also wäre es möglich, mit so einer Woche mal fix 2,5 kg abzubauen. Muskelabbau sollte es nicht geben, da Nährstoffe und Eiweß genügend vorhanden sind und alle Muskeln beansprucht werden.

    Spricht aus Deiner Sicht etwas dagegen?

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    1. Ich denke, prinzipiell ist das möglich. Wenn du z.B. bei Chris Powell (Makeover Weight Loss Staffel 5 oder so) schaust, der macht ein extremes Sportprogramm mit seinen Kandidaten und die verlieren in den ersten Monaten oft täglich ein Pfund (und bauen dabei Muskelmasse auf). Wobei ich sagen muss… das wär mir zu viel^^

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      1. nessii

        Wie schnell fährst du Rad, dass du der Meinung bist, da pro Stunde 700kcal zu verbrennen?? 300-400kcal sind da ein wesentlich realistischerer Wert, außer du rast vielleicht mit 25-30km/h einen Berg hinauf.

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    2. EinFan

      @ezm: Danke. Ich wusste doch, Du hast da eine Info zu.

      @nessii: Die 700 kcal waren wie gesagt für das einfachere Rechenbeispiel, weil = 100 g Fett. Da wird man drunter liegen. Allerdings lebe ich im Mittelgebirge und bei meinen Strecken geht es nur bergauf und -ab. Und bergauf liegt der Puls im Schnitt bei 160, da wird man schon eher an 600 kcal sein als an 400 kcal.

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      1. ms. hü

        dafür liegt der puls beim bergabfahren auf asphaltierten strecken deutlich darunter. die 600 kcal schaffst du als großer, schwerer mann vielleicht. als weniger große, weniger schwere frau ist das weniger realistisch.
        erklärung: ich (w, 40, 165, letztes jahr ~60 kg) bin im letzten jahr insgesamt 3.000 km mountainbike gefahren. meist offroad, durchaus auch mit knackigen steigungen. ich hab nen schnitt von 400 kcal/h geschafft (und bin nach 3 stunden im gelände durchaus auf den brustwarzen nach hause gekrabbelt 😉 ).

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  5. Maren

    Seit ca. 1,5 Jahren esse ich keinen Zucker und keinerlei Süßigkeiten mehr. Meine Freunde und meine Familie „bewundern“ meine Disziplin. Ich hatte Diabetes Typ II und jetzt nicht mehr. Von dem Gewichtsverlust, dem Zugewinn an Lebensqualität und meiner immens gewachsenen Freude an Sport mal abgesehen, macht es mir nichts aus mit einem Kaffee neben den riesigen Eisbechern der anderen zu sitzen, weil ich NIE WIEDER so werden möchte wie früher. Früher dachte ich, mir wird etwas nicht gegönnt. Heute denke ich, mit jedem Eis, das ich nicht esse gönne ich mir etwas mehr Lebensqualität und es ist keine Disziplin für mich, weil Disziplin etwas mit Verzicht zu tun hat. Ich habe wirklich schlanke Menschen beobachtet, die während, andere 10 Weingummis verdrückt hatten, immer noch auf dem ersten lutschten, richtig zufrieden wirkten oder die vom Buffet mit einem einzigen Teller Salat kamen und nicht wieder hingingen. Auch die wirkten nicht unglücklich. Bei denen käme nur keiner auf die Idee sie zu ihrer Disziplin zu beglückwünschen. Ich bin nämlich alles nur nicht diszipliniert, aber meine grundsätzliche Haltung zur Nahrung hat sich geändert und mein Magen ist heute deutlich kleiner als damals 🙂

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  6. katemost

    Hm…das ist wahrscheinlich einfach wieder eine Sache des subjektiven Empfindens. Als ich mich gestern Abend zwang (jaha, ZWANG!) nicht die zweite Tüte Gummibärchen oder eine Tüte Chips aufzureißen und stattdessen Zähneputzen ging, habe ich mich schon sehr diszipliniert gefühlt und das als positiv empfunden. Der Gedanke „Wenn du das jetzt lässt, dann bereust du die Hundert Gramm, die du dadurch zugenommen hättest später nicht!“ hat in dem Moment leider gar nicht geholfen (ich bin Raucherin, diese „In-die-Zukunft-blicken“-Funktion ist bei mir etwas gestört…) 🙂 Meistens fühle ich mich bei meinem Essverhalten (Marens Beispiel des Kaffees neben den Eisbechern passt sehr gut) aber auch nicht diszipliniert. Manchmal dafür aber überlegen…das ist auch nicht gerade nett und besonders sinnvoll, oder? Naja, das ist ein anderes Thema…

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    1. nessii

      Nett ist das sicher nicht, aber ich muss sagen, ich kann es zumindest nachvollziehen. Mir geht es auch hin und wieder so, wenn wir beim Mittagessen sitzen, mein Kollege seinen Schokopudding isst und sich keine 5 Minuten später über sein Wohlstandsbäuchlein beschwert. Da sitze ich dann auch mit meinem Apfel daneben und denke mir meinen Teil. Ist ebenfalls nicht nett, aber ich denke mir immer, solange ich nicht ausspreche, was mir gerade durch den Kopf geht, ist das in Ordnung.

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    2. Als Raucherin könntest du mal das „Dampfen“ ausprobieren! Gib der Sache eine Chance, also nicht nur mal kurz so eine „Zigalike“ probieren, sondern eine ordentliche Dampfe und viele Liquids zum ausprobieren – es gibt mehr als Tabak-Aromen, so dass man eine Menge „oraler Bedürfnisse“ durchaus auch so befriedigen kann. Und Niko ist runterdosierbar – einfach super!

      (Siehe mein Blog http://www.umsteigerblog.de/)

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  7. Thomas

    Also mir hilft das Kalorienzählen ernorm. In Situationen in dene ich sonst bis zur Bewusstlosigkeit gefressen hätte, bin ich jetzt völlig entspannt. Wenn ich es Schwarz auf weiß habe, dass meine Kalorien für den Tag durch sind, mache ich mir darüber keine Gedanken mehr. Und dann kann ich auch problemlos Nein sagen wenn mir etwas angeboten wird.

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    1. MiSa

      Ja, das kenne ich auch. Auch wenn ich nicht sagen würde, ich mache mir keine Gedanken mehr; aber genau zu wissen, dieses Snickers kurz vorm Schlafengehen würde mir meine tolle Tagesbilanz ruinieren, hilft schon sehr. Auch vor allem gegen unerwartete Versuchungen: Ein Stück Kuchen, das mir angeboten wird, der Vorschlag eines Kumpels, ein Eis zu essen etc. Ich habe gerade keinen Hunger, nein Danke.
      Ich war anfangs sehr skeptisch dem Kalorienzählen und besonders dem Abwiegen von Lebensmitteln gegenüber. Aber jetzt ist jeder Tag ein kleiner persönlicher Wettkampf, und ein möglichst vierstelliges Kaloriendefizit ist eine tägliche Belohnung (viel besser als das Wiegen, da das Gewicht eben schwankt).
      Allerdings hatte ich schon umgekehrt den Fall, dass ich mir nur deshalb was Süßes erlaubt habe, weil ich wusste, dass ich bisher ein besonders hohes Defizit an dem Tag hatte.

      Generell zum Thema Disziplin: Ich merke bei einigen Umstellungen auch, wie schnell ich mich daran gewöhnt habe und dass sie jetzt so gut wie selbstverständlich funktionieren. Bei anderen Dingen brauche ich durchaus auch nach wie vor Disziplin. Mein größtes Problem war schon immer meine Liebe für Schokolade und ähnlichen Süßkram. Ich reserviere mir einen Teil meiner täglichen Kalorien für die allabendliche Schokolade und komme im Moment gut damit klar. Aber ich könnte eigentlich immer mehr essen und muss mich immer aktiv bremsen. Und ich ahne, dass ich sehr sehr schnell wieder in alte Gewohnheiten zurückfallen würde, wenn ich damit nachlassen würde.

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  8. Bemilou

    Ich finde, dein Beitrag fasst auch meine Gedanken sehr gut im Worte. Ich meine, statt um „Disziplin“ geht es um „neue Gewohnheiten aufbauen“ und „alte Gewohnheiten hinter sich lassen“. Ich nehme z.B. seit einigen Jahren keinen Zucker mehr in den Kaffee. Früher war schwarz mit Zucker ein must have. Als ich mal drauf kam, wie viele Löffel Zucker das täglich waren, hab ich s gelassen. Macht mir nix. Genauso mit Butter auf dem Brot. Brauch ich schon lange nicht mehr. Dafür brauche ich keine Disziplin, ich habs mir so angewöhnt. Weiter hab ich vor einigen Jahren das Schwimmen entdeckt – am Anfang hab ich auf die Uhr geguckt, jetzt fehlt mir was, wie ja viele hier berichten.
    Richtig gern Gemüse essen. keine Schokolade kaufen. Sehr selten Kuchen essen. Zu Fuß gehen. Vorbereitetes Essen zur Arbeit mitnehmen. Kein Fast Food. Rad fahren. … Jetzt bin ich wieder dabei, Neues auszuprobieren mit einer niedrigeren Kalorienzahl als im letzten Jahr. Das ist dann zunächst etwas, wofür ich Aufmerksamkeit und Energie (Disziplin?) aufwenden muss, bis es auch wieder eine Gewohnheit wird.
    Und ich brauche natürlich auch einen Gewinn davon, um die Gewohnheit beizubehalten. Mich besser fühlen, besser aussehen, besser bewegen können, gesünder sein und bleiben. Das trägt doch, hoffentlich lebenslang.

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  9. yannaba

    Für mich hat das Wort „Disziplin“ auch etwas abschreckendes und damit kontraproduktives. Irgendwie hat sich bei mir aber auch die Wahrnehmung verändert: letztens hatte ich mal so eine richtig schlechte Woche – dauernd gegrillt, auch Alkohol und ein paar Süßigkeiten. Ich bin jeden Morgen mit dem altbekannten schlechten Gewissen aufgewacht – aber dann hate Ich habe alles brav aufgeschrieben – und es war selten mehr als mein Verbrauch. Fazit: ein paar hundert Gramm weniger – mehr als früher bei Diäten, bei denen ich mich sehr eingeschränkt gefühlt habe. Und dadurch, dass ich trotz „sündigen“ (auch so ein doofes Wort eigentlich) abgenommen habe, bin ich jetzt noch motivierter.

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  10. käse

    Das mit der Disziplin kommt wohl auch daher, dass manche Leute glauben „Abnehmen = hungern“.
    Also nicht blos Entbehrung, sondern richtiges „gegen den eigenen Körper kämpfen“.

    Und genau sowas würde mich auch vom Abnehmen abhalten.
    Deswegen geh ich es so an: geb dem Körper, was er braucht, dann nörgelt er nicht.
    Kämpfe nicht gegen den Körper an. Finde eine sportliche Intensität, die weder zu chillig noch zu anstrengend ist. Also genau die Schwelle finden bei der man weder unterfordert noch überfordert ist.
    Denn genau dann hält man das durch ohne sich zu zwingen (Disziplin), aber auch positive Effekte hat. Bei Unterforderung ist man ja auch nicht diszipliniert und schmeißt genau so das Handtuch.

    Wobei, vielleicht ist das auch eine Fehlvorstellung wenn man sagt „Disziplin = Zwang“.
    Für einen Undisziplinierten ist es das.
    Wer immer schlank war wird ja auch klischeehaft als diszipliniert bezeichnet, wärend Übergewichtige klischeehaft als undiszipliniert gelten. Dabei machen Schlanke häufig vieles intuitiv richtig, was Übergewichtige intuitiv falsch machen.

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    1. Mona

      Zwang kann ich auch nicht ab. Also mich selbst zwingen, ergibt eine Katastrophe.
      Ich glaube, ich verstehe unter Disziplin eher „eine Gewohnheit, die man meistens einhält“. Disziplin = Angewohnheit. Es sollte idealerweise eine Gewohnheit sein für die man sich bewusst entschieden hat, wie „Ich mache jeden Montagabend eine Haarkur“. Dadurch ist es für mich möglich diszipliniert zu sein, dabei Spaß zu haben und etwas gutes für mich zu tun.
      Für Zwang bin ich viel zu trotzig, obwohl ich gar nicht trotzig sein will und auch wenn ich mich versuche selbst zu zwingen.

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  11. Katrin

    Mir gefällt sehr gut, was Mona da schreibt. Laut Duden sind Synonyme für Disziplin die Wörter Zucht und Ordnung. In unserer antiautoritären, vor lauter kleinen Individuen strotzenden Welt haben alle drei Wörter einen negativen Klang. Mir fällt bei Disziplin immer die Schulzeit ein und ich assoziiere den Begriff deshalb sehr negativ. Disziplin bedeutete stillsitzen, schweigen, in der Reihe stehen usw. Und als nächstes fallen mir Soldaten ein, die diszipliniert sein müssen und als lebende Befehlsempfänger immer nur nicken und machen. So ungefähr stellt sich mir das dar.

    Aber ohne Disziplin funktioniert das Leben in unserer Gesellschaft nicht. Und deshalb ist sie wichtig. Ohne Regeln und deren Einhaltung (was faktisch Disziplin gleichkommt) könnten wir überhaupt nicht miteinander leben, weil jeder machen würde, was er will und das nicht immer gut für die anderen wäre. Wir tun uns doch schon schwer, das Gegenüber wirklich (und Hand aufs Herz) vorurteilsfrei zu akzeptieren, nicht jeder hat eine niedrige Toleranzschwelle. Und dann noch ohne Regeln? Ich bitte euch. Ich hielt Höflichkeit immer für falsch und sinnlos, weil man doch sagen kann, was man will. Nun, als Teenager mag das angegangen sein. Heute, mitten im Beruf, bin ich froh, dass es sie gibt. Denn mit Hilfe der Höflichkeit kann ich auch mit Leuten umgehen, die ich nicht mag.

    Ich habe in den letzten knapp zwei Jahren 25 kg abgenommen und musste nach der Lektüre der Fettlogik feststellen, dass ich viel mehr hätte schaffen können. Und nein, ich fühl mich auch nicht diszipliniert und hab schon von Anfang an immer wieder gedacht, wie einfach die Sache doch ist. Wie im Buch gut beschrieben kommen jetzt die Leute und sagen: „Du hast ganz schön abgenommen. Jetzt solltest du aber aufhören!“ Dann schmunzel ich immer und frage: „Aufhören mit WAS?“ Ich werde nie mehr aufhören, nie mehr! Ganz einfach, weil ich nicht noch mal damit anfangen will, was zwangsläufig der Fall wäre irgendwann. Man liest das immer in den Abnehm-Foren: „Ich bin wieder da und ich fang wieder an und diesmal schaff ich es.“ Das lass ich mal so stehen.

    Meiner Meinung nach ist eine Lebensumstellung durchaus mit Disziplin verbunden und wie Mona schon sagte, so denke auch ich, alles strengt an. Nur weil man aus Gewohnheit die Zähne putzt, heißt das nicht, dass das nicht anstrengend ist oder eben diszipliniert. Man kann es auch lassen. Wer zwingt einen denn dazu? Wir tun es, um unsere Zähne zu schützen, weil das Gefühl im Mund danach toll ist und manche lieben den Geschmack der Zahnpasta. Und man hat es uns beigebracht von klein auf. Solche „Kindergewohnheiten“ werden selten hinterfragt und meistens ein Leben lang so weitergemacht. Man kennt es ja nicht anders. Aber wir hier alle … wir wissen es doch jetzt besser, oder? Wir HABEN angefangen, Gewohnheiten zu hinterfragen und schlechte Gewohnheiten rausgeschmissen, um für neue bessere Platz zu schaffen. Anfangs läuft das über Rituale: Montag geh ich schwimmen, Dienstag ess ich Quark, Mittwoch jogge ich im Wald usw. Und nur, weil die Rituale (wozu auch Zähneputzen gehört) irgendwann in Fleisch und Blut übergehen und man seinen Plan auswendig kennt und einfach loslegt aus Gewohnheit, heißt das nicht, dass das keine Disziplin erfordert. Man könnte sich, weil es stürmt und schneit, statt zu joggen auch auf die Couch legen und Schokolade essen, das wäre dann äußerst undiszipliniert. Aber die meisten werden sich mittlerweile eine sportliche Alternative im Innenraum suchen, um trotzdem was zu tun. Diejenigen nämlich, die Ordnung in ihrem Leben haben ;-).

    Und seien wir doch mal ehrlich: Manchmal war es doch sehr erfreulich, wenn der Lehrer die Klasse zur Disziplin gerufen hat, weil man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte?!

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    1. krissi

      Disziplin ist laut Duden aber auch „das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen“ (http://www.duden.de/rechtschreibung/Disziplin#Bedeutung1b)

      Ich finde ja auch durchaus, dass es diszipliniert ist, über längere Zeit seine Nahrungsaufnahme einzuschränken und zu dokumentieren. Man muss doch kein grundsätzlich disziplinierter Mensch sein, um ein bestimmtes Ziel diszipliniert zu verfolgen, weil es einem wichtig genug ist.

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  12. Also ich könnte den Satz „Ich bewundere dich für deine Disziplin“ durchaus auch gesagt haben! 🙂
    Jede Änderung etablierter Gewohnheiten bedeutet ja eine Art Anstrengung – für mich sind insbesondere die Anstrengungen auf der Suche nach der passenden sportl. Betätigung besonders beeindruckend, da ich immer noch Sportmuffel bin. Was zur Folge hat, dass ich mit 8 Kilo weniger seit Ende Mai am Bauchumfang keine große Veränderung sehe – ein Elend! Jetzt im Sommer gehts ja noch, weil ich täglich 2 x 30 Minuten Rad fahre und etwas Gartenarbeit mache. Für den Herbst muss ich mir aber was überlegen, damit ich nicht – wieder – zum total schwächlichen PC-Potato werde!
    Bei mir zuhause gibts eine Sprossenwand, eine Langhantel, einen Schwingstab – alles so einige wenige Male benutzt und dann verstaubend… Dabei ist mir klar: ich MUSS Krafttraining machen, um rundum in eine bessere Balance zu kommen – aber bisher bring ich die erforderliche „Disziplin“ nicht auf! Jetzt denke ich ernsthaft drüber nach, mal Geld in die Hand zu nehmen und mir im Herbst für den Einstieg einen „Personal Trainer“ zu gönnen… mal schauen, ob das dabei hilft, die ersten Hürden zu überwinden.

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  13. Ich finde schon, dass es ein Stück weit Disziplin braucht. Ich bin nicht übergewichtig und sportlich relativ fit, möchte aber trotzdem einige Kilos loswerden und Muskeln aufbauen. Das hat vor ein paar Jahren wunderbar geklappt mit einem ähnlichen Programm, wie du es vorschlägst: Kalorienreduktion, Krafttraining, genug Protein.
    Dann kam das Burnout und jegliche Disziplin ging flöten.

    Ich brauche vor allem für die Kalorienreduktion Disziplin: keine Nüsse/Chips vor dem Fernseher, kein Kuchen oder Süssigkeiten (die im Büro auf dem Tisch neben mir stehen), keine übergrossen Portionen, das fühlt sich schon nach Einschränkung an. Es ist machbar, das habe ich ja letztes Mal bewiesen – aber es braucht schon Energie.

    Das Krafttraining macht mir auch nicht wirklich Spass, obwohl es mir gut tut. Ich versuche mich dann immer damit zu motivieren, dass ich mir sage, dass ich nur in den Wellnessbereich gehe. Wenn ich dann mal im Fitnesscenter bin, trainiere ich dann nämlich trotzdem. Das Hingehen braucht am meisten Disziplin, vor allem wenn das Sofa von zuhause aus ruft.
    Ich belohne mich danach auch oft mit Wellnessen.

    Mehr Spass macht mir Joggen, aber auch da nur wenn ich Lust habe und das ist sehr unregelmässig.

    Richtig viel Spass macht mir Reiten, aber das ist halt etwa so anstrengend wie ein Spaziergang, da ich meistens im Wald reite und eher gemütlich.

    Insgesamt braucht das komplette Programm schon eine gewisse Disziplin. Einzelne Aufgaben sind zwar nicht sehr anspruchsvoll (Fitnesstasche jedes Mal neu packen, nasse Tücher aufhängen, Essen vorbereiten etc.), aber ich muss mich trotzdem zu allem aufraffen und in der Summe macht das dann halt trotzdem etwas aus: es braucht Zeit und Energie.

    Meine Belohnung ist hauptsächlich die Waage, im Alltag spüre ich nur den Hunger und den Muskelkater. Krafttraining mache ich so motiviert wie Zähneputzen. Es ist nicht schlimm, aber es muss halt gemacht werden. Gewisse Apps wie Fitbit motivieren mich zwar und belohnen mich auch ein wenig, wenn ich meine Tagesziele erreiche, aber richtige Glückshormone spüre ich dabei nicht.

    Als weitere Motivation habe ich mir ein Belohnungssystem ausgedacht, wenn ich ein Gewicht 7 Tage in Folge unterschritten habe. Damit kann ich mich am besten mässigen, denn dann denke ich jeweils, wenn ich jetzt noch dies oder jenes esse, bin ich morgen schwerer und dann muss ich wieder bei 0 anfangen.

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