„Echte Männer“

Ich werde ja gelegentlich gefragt, wie es mit der männlichen „Fettakzeptanz“ aussieht, da große Kampagnen sich oft auf weibliche Körper beziehen. Tatsächlich war es so, dass die „Werbung“ für Übergewicht eine ganze Zeit lang fast ausschließlich für Frauen betrieben wurde. Die Männer ziehen aber mittlerweile definitiv nach.

Vor einigen Wochen etwa ging der Trend des „Dad Bod“s durch die Medien. Ein neues Männerideal, welches keinen trainierten Adonis feiert sondern den moppeligen Mann mit Bierbäuchlein. Der Trend startete in den USA, schwappte aber schnell nach Deutschland, um hier von Medien wie FAZ, Welt, oder Focus aufgegriffen und mehr oder minder positiv besprochen zu werden.

Auch Kampagnen, die Comichelden „realistischer“ zeichneten, bearbeiteten nicht ausschließlich weibliche Heldinnen sondern nahmen sich z.B. auch Ironman vor:

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Oh schau, Ironman hat einen Dad Bod!

Und Buzzfeed war so frei, Calvin Klein Models mal „echten Männern“ gegenüberzustellen. Spoiler: Der Durchschnittsmann sieht nicht aus wie ein Malemodel.

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Die schockierende Wahrheit ist nämlich diese:

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Wer hätte gedacht, dass Menschen, deren Job darin besteht, gut auszusehen, besser aussehen, als der Durchschnitt? Es würde mich nicht überraschen, wenn demnächst jemand nachweisen würde, dass Polizisten zielgenauer schießen als der Durchschnittsmensch und Matheprofessoren besser in höherer Mathematik sind als der Durchschnitt. Die Welt ist schon verrückt (Wobei der „16 BMI“ offensichtlich kompletter Bullshit ist für jeden, der Augen hat und rechnen kann. Tatsächlich läge er mit den angegebenen Werten zu Größe und Gewicht bei 24,4, also im Normalgewicht. Und der BMI des Durchschnittsmannes läge bei den angegebenen Werten nicht bei 30 sondern bei 28,3).

Glücklicherweise habe ich hier noch ein paar inspirierende Bilder:

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(Interessant ist auch, dass die Männer ausser im letzten Bild als „chubby“ also eher „mollig“ bezeichnet werden, tatsächlich aber offensichtlich eher deutlich adipös sind)

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42 Gedanken zu “„Echte Männer“

    1. JinniKnopf

      Findest du „IGITT“ als Reaktion wirklich in Ordnung? Ich weiß ja nicht, für mich klingt’s etwas hart… sind ja schließlich auch nur Männer^^ keine Wildsäue oder so.

      Soll nicht heißen, dass ich es attraktiv finde. Tu ich nicht..

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      1. TutziFrutzi

        Ich schätze mal, da war ein Bisschen Kopfkino im Spiel – ausgelöst durch das unterste Bild („Skinny Guys vs. Fat Guys“) – in dem geht’s eindeutig um Sex – und da kann ich spontane Ekelgefühle absolut nachvollziehen.

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      2. JinniKnopf

        Für mich kommt es beim Sex (oder auch bei einer Hochzeit) mehr auf Charakter an als aufs Aussehen.. Kann nicht einfach sagen, wenn ich nen fat guy sehe, dass ich nicht mit ihm ins Bett oder ihn gar heiraten wöllte. Ich kenn ihn ja nicht. Da bin ich wohl einfach anders gestrickt als ihr.

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      3. TutziFrutzi

        Es ist gewiss nicht so, dass mir der Charakter egal ist. Dennoch muss für mich ein gewisses Mindestmaß an körperlicher Attraktivität vorhanden sein, sonst wird das nichts.

        Und da ist die Körperfülle für mich so ziemlich der wichtigste Faktor.

        Ich hatte von Kindesbeinen an schon immer Schwierigkeiten, mich von dicken Menschen anfassen zu lassen. Allerdings musste ich früh lernen, mich diplomatisch zu verhalten und mir meinen Ekel (ja, es IST EKEL, auch wenn ich nicht weiß, woher er kommt) nicht anmerken zu lassen. Denn ich hatte zwei ziemlich dicke Tanten, die ich sehr gemocht habe, auf deren Besuche ich mich wirklich immer gefreut habe – aber mich knuddeln? Au wei.

        Ist echt merkwürdig. Dabei mag ich dicke Menschen, ich habe sogar lauter positive Vorurteile. Zuverlässig, geduldig, humorvoll, aktiv, unternehmungslustig … aber die Begrüßungs- und Verabschiedungs-Umarmung mit stark übergewichtigen Freunden kostet mich echt Überwindung.

        Ein Bisschen Übergewicht löst in mir zwar noch nichts aus. Nur ab einer gewissen Grenze …? Wenn mir schon eine Umarmung zu viel ist, dann ist Sex erst recht ausgeschlossen. Da können die Damen noch so nett sein.

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      4. B.B.

        @tutzifrutzi und anneinsideoffice (nicht knuddeln, weil nicht „heiss“) – das sind schon seltsame Aussagen, die hier unwidersprochen gemacht werden:

        „Ich hatte von Kindesbeinen an schon immer Schwierigkeiten, mich von dicken Menschen anfassen zu lassen. Allerdings musste ich früh lernen, mich diplomatisch zu verhalten und mir meinen Ekel (ja, es IST EKEL, auch wenn ich nicht weiß, woher er kommt) nicht anmerken zu lassen. Denn ich hatte zwei ziemlich dicke Tanten, die ich sehr gemocht habe, auf deren Besuche ich mich wirklich immer gefreut habe – aber mich knuddeln? Au wei.“

        Ekel gehört zu den 7 Grundemotionen, die weltweit bei allen Menschen gleich sind, egal ob sie aus dem Busch kommen oder in einem Loft leben. Unter anderem schützt Ekel mit seinem absolut unkontrollierbaren und spontanen Reflex vor verdorbenen Nahrungsmitteln: iigitt ist dann eine unwillkürliche Reaktion. Riecht schlecht! Kötz, würg: ekelig! In Bezug auf Menschen ist das jedoch ein sehr merkwürdiger Reflex und wenn er schon als Kind vorhanden war, noch merkwürdiger: dass man sich vor schmatzenden Küssen von nach Urin und Mottenpulver riechenden alten Tanten, denen dabei der Gebisschleim heraussabbert ekeln kann, verstehe ich. Das gehört durchaus in die Kategorie ekelig, weil es aus der Schutzfunktion des Ekels entspringt: nach Urin zu riechen heisst, der andere wäscht sich nicht und könnte schon deshalb Träger von Erregern sein, die sich ja in Urin suhlen, wie man weiß. Aus dem Mund zu sabbern mit lockerem Gebiss und die dort versammelten Pilze, Bakterien und Eitererreger grosszügig auf den Wangen von unschuldigen Kindern („schon als Kind…“) zu verteilen samt dem Schmodder, der sich unter dem Gebiss ansammelt, wenn man es nicht täglich in Chlor legt: auch dieser Ekelreflex ist normal, weil es einem Urinstinkt folgt, wenigstens seit der Pest wissen das auch die Gene, dass das nicht gesund sein kann.

        Aber vor einer Körperform? Einem dicken Menschen? Sich ekeln?

        Was machst Du denn, wenn Dir ein Spastiker begegnet? Dich ekeln? Oder ein Down-Syndrom-Kind? Oder jemand, der mit 4 Jahren Gehirnhautentzündung hatte, wie eine Schwester meiner Mutter, die ihr Leben lang bei uns gelebt hat und wir es völlig normal fanden? Gewundert haben wir uns tatsächlich als Kinder dann nur über andere Menschen, Passanten, dumme Glotzer, die sich nach uns umgedreht haben, wenn wir zum Einkaufen gegangen sind: aber ekeln? Und sich dann in einem Blog aufhalten – wahrscheinlich auch in Foren – wo sich hauptsächlich (ehemals) Dicke tummeln, die Gefährdungsdichte sich zu ekeln (also: „kotz, würg, ekel!“) also erheblich höher ist als anderswo? Und das dann auch noch zu koppeln mit dem stolzen Hinweis, man würde „mit so jemandem“ nicht gerne schlafen, ins Bett gehen, Sex haben? Wie kommt man denn ÜBERHAUPT auf so einen Nebenstrang an möglichen Ekelgefühlen, die muss man sich ja regelrecht herbeizitieren, um sie ÜBERHAUPT zu haben?

        Und weiter: man ziehe eben Schlanke eindeutig vor. „Sorry! Aber ist nunmal so!“.

        Und da sucht man sich also einen Blog aus, der Fettlogik überwinden heisst und dem unter anderem vorgeworfen wird, Dicke beschämen zu wollen: auweia, sage ich da, wenn das nicht Dicke beschämen wollen ist: denn was gibt es denn Herabwürdigenderes als jemandem zu sagen, man EKELE sich vor ihm und das sei nunmal so, woher es käme wüsste man nicht, aber irgendwie sei das ja auch NORMAL.

        Nein, ist es nicht.

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      5. Hast du das Buch gelesen? Dort wird auch auf eine Studie zum Thema „Ekel“ Bezug genommen, und dass Übergewicht tatsächlich ein solches Gefühl hervorrufen kann, da Menschen darauf trainiert sind, äußere Krankheitszeichen an Menschen zu erkennen. Sowohl starkes Unter- als auch Übergewicht kann dann bei entsprechend sensiblen Menschen ein Ekelgefühl auslösen.

        Ich fand „Igitt“ jetzt auch recht hart, aber andererseits beziehen sich beide Kommentatoren auf sich und sagen nicht, dass Übergewicht allgemein „eklig“ ist, sondern dass sie es für sich so empfinden. Zumal die Bilder, die gemeint waren, alle sexuelle Andeutungen machen (Kuscheln, Sex). Sowas ist aus meiner Sicht dann nicht herabwürdigend. Es gibt auch genug Menschen, die es „eklig“ finden, dass ich als Frau jetzt relativ muskulös bin. Dass der Gedanke an Sex oder Intimität mit manchen Menschen „eklig“ ist, finde ich recht normal. Für die meisten ist es auch ein „ekliger“ Gedanke mit Menschen ausserhalb des präferierten Geschlechts intim zu werden. Auch wenn ich z.B. Homosexualität vollkommen unterstütze und pro Öffnung der Ehe bin, finde ich den Gedanken, eine Frau oral zu befriedigen persönlich „eklig“. Das heißt aber nicht, dass Frauen deshalb schlechter sind, nur dass ich mit keiner Frau Sex haben will oder auch nur intensiv kuscheln.

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      6. 27,2

        Als Kerl mit einem BMI von 27,2 (kann die Finger nicht vom abendlichen Bier & vom mitternächtlichen Fleischsnack lassen) fand ich den Artikel und die Comments auch so lange witzig bis ich das Wörtchen „IGITT“ las. Da gingen die Mundwinkel erstmal nach unten.

        Hm, wenn man Fettlogik überwinden sollte, ist negative Resonanz vielleicht ganz heilsam. Vielleicht geht der Ausdruck ja deswegen in Ordnung. Vielleicht auch nicht.

        Aber bezgl. der Unterschiede wie männliches vs. weibliches Übergewicht gesellschaftlich akzeptiert wird bzw. wer beim anderen Geschlecht trotz Übergewicht gut ankommen kann, habe ich ein Beispiel aus meinem Freundeskreis.

        Der eine leidet an Adipositas, vielleicht sogar starker Adipositas. Er ist gesellig, gesprächig, geistreich, sozial sehr intelligent aber vor allem: alles und jeder fühlt sich in seiner Gegenwart pudelwohl. Ich habe noch niemanden sonst getroffen, der derart erfolgreich beim anderen Geschlecht ist und auf den das Klischee eines Frauenhelden auch tatsächlich zutrifft.

        Der andere ist in jeder Hinsicht äußerlich perfekt (3-4 Mal/Woche Fitnessstudio). Macht auch viel in Mode, ohne geckenhaft auszusehen. Ist aber so verkrampft und neurotisch (man sieht ihn selten lächeln), dass er einfach nicht in der Lage ist, in Liebesdingen sein Glück zu finden. Mensch, das hab ich jetzt schön umschrieben. ^^

        Muss jetzt nicht repräsentativ sein, meine kleine Typen-Gegenüberstellung.
        Muss auch nicht bedeuten, dass es das so nicht auch bei Frauen geben könnte. Tatsächlich habe ich vor einiger Zeit in einer Studentenkneipe eine deutlich Übergewichtige kennengelernt, die derart lustvoll und entspannt wirkte und hemmungslos geflirtet hat, sodass ich mir gut vorstellen konnte, dass ihre Art und Weise bei Männern ganz gut verfängt. Vielleicht war sie auch einfach ziemlich knülle. Und ich auch. Weiß man jetzt nicht. 😉

        Und die profane Moral von der Geschicht? Äußerlichkeiten sind wirklich nicht alles.

        Hat auch keiner behauptet?

        Na gut, na gut. Aber „IGITT“ ist zu hart.

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      7. TutziFrutzi

        @B.B.: Vorweg – es lag nie in meiner Absicht, jemanden zu beleidigen.

        „Was machst Du denn, wenn Dir ein Spastiker begegnet? Dich ekeln? Oder ein Down-Syndrom-Kind? Oder jemand, der mit 4 Jahren Gehirnhautentzündung hatte, wie eine Schwester meiner Mutter, die ihr Leben lang bei uns gelebt hat und wir es völlig normal fanden?“

        Oh, ich habe Zivi im Altenheim gemacht. Und auch sonst oft mit Behinderten gearbeitet. Das gewöhnt man sich an Einiges. Du schätzt mich ein Bisschen falsch ein.

        Ich hab‘ mich bereits als Grundschüler für gemobbte Kinder eingesetzt, das hat mitunter „Beliebtheits-Punkte“ gekostet. Aber egal – ich habe nun mal ein ausgeprägtes Gewissen und Gerechtigkeits-Empfinden. Ich bin manchmal heulend nach Hause gekommen, weil ANDERE geärgert wurden.

        Am Gymnasium gab’s (quasi als Analogie zu den Leichtathletik-„Bundesjugendspielen“) die „Turnwettkämpfe“. Geräteturnen also. Die fanden nicht etwa innerhalb einer Schulklasse statt, sondern einigermaßen öffentlich. Gefundenes Fressen für „Gaffer/Mobber“, die nur darauf gegeiert haben, wann sich der Fettie aus der 7b am Barren lächerlich macht. Und sowas. Furchtbar.

        In einem Halbjahr hatten alle Jungs aus unserer Klasse eine pädagogische 5 in Sport, weil wir dieses „der Lächerlichkeit preisgeben“ nicht mitmachen wollten. Wir sind kollektiv total albern verkleidet angetreten – haben nur Scheiß gemacht, uns an jedem Gerät schön unsere Null von zehn Punkten abgeholt – es gab bald darauf eine Elternversammlung, wir haben einen Tadel bekommen, aber tatsächlich unser Ziel erreicht: Ab da gab’s diesen öffentlichen Wettkampf nicht mehr. Die Turn-Noten wurden seitdem einzeln abgeprüft.

        „Aber vor einer Körperform? Einem dicken Menschen? Sich ekeln?“ – tue ich doch gar nicht. Auch Körperkontakt ist für mich überhaupt kein Problem. Es geht erst ab einer intensiven Umarmung los. Es ist auch nicht so, dass ich die betreffenden Menschen meinen Widerwillen spüren lasse, dass mich aus einer Umarmung „herauswinde“, ich drücke sogar selbst kräftig zu.

        Denn man umarmt sich, weil man’s in einigen Situationen einfach braucht. Zum Trost, zum Mutmachen, aus gemeinsamer Freude irgendworüber – Da bin ich der Letzte, der sich da entzieht, weil ich mir vorstellen kann, wie sich die Leute dann fühlen würden. Ich find’s bei einigen Menschen nur äußerst unangenehm.

        Vielleicht glaubst Du auch, dass ich in Sachen Übergewicht sehr „streng“ bin und mich jede/r ohne Modelmaße abstößt.

        Du würdest Dich wahrscheinlich wundern, wie dick man bei mir sein „darf“, ohne dass mich Umarmungen stören. Aber ich fände es herabwürdigend, jetzt Beispiel-Fotos raus zu suchen, um über einen konkreten Menschen zu schreiben „bei dem/der wäre’s mir zu viel“.

        (Zu mir selbst bin ich deutlich „strenger“. Bei nur ca. 8 kg zu viel hatte ich immer wieder „Igitt“-Gefühle, wenn ich mir in den Bauch gekniffen habe. Selbstekel war aber wohl auch ein Zeichen von meiner Depression …)

        „man EKELE sich vor ihm und das sei nunmal so, woher es käme wüsste man nicht, aber irgendwie sei das ja auch NORMAL.“ – Ich weiß tatsächlich nicht, woher es kommt. Dass es „normal“ ist, habe ich auch nicht geschrieben.

        Sexuelle Intimität ist aber nun mal ein anderes Paar Schuhe als alltäglicher oder freundschaftlicher Umgang. Mit Letzterem habe ich (bis auf Umarmungen) keinerlei Schwierigkeiten – Ersteres ist für mich einfach nicht drin.

        Da finde ich die von erzählmirnix beschriebene Analogie zum Thema Homosexualität durchaus passend.

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      8. B.B.

        @erzählmirnix: ach, das mit den Studien – und nein, es gibt keine kulturellen Erkennungsmerkmale für ungesunde Lebensweisen, es gibt nur evolutionsbiologische Erkenntnisse, dass sich Ekel auf Krankheitserreger bezieht, wofür schon der einfache Blick ins eigene Ekelgefühl schon ausreichen würde, um das zu erkennen, aber Studien sind halt Studien, wer wüsste das besser als Du?

        Von Oral zu Moral

        „„Heute sind sich die meisten Wissenschaftler einig, dass Ekel in der Evolution entstanden ist, um Menschen vor Krankheitserregern zu schützen“, sagt der US-Psychologe Jonathan Haidt, zurzeit als Gastprofessor an der New York University. Er glaubt, dass es dabei zunächst um das Essen ging: Als die Vorfahren des Menschen begannen, sich von Aas zu ernähren, sei die Emotion entstanden. Sie habe den Urmenschen vor verdorbenem Fleisch geschützt. Später sei das Gefühl dann von bitteren Früchten und verdorbenem Fleisch übertragen worden in die Sphäre des Sozialen. Von oral zu Moral.“

        „Viele Jahre herrschten in der Psychologie Theorien vor, die Ekel als kulturelles Phänomen erklärten. Die britische Anthropologin Mary Douglas etwa glaubte, dass Ekel dazu dient, Dinge abzulehnen, die nicht in das Weltbild einer Kultur passen, um so die soziale Ordnung nicht zu gefährden. Und Freud meinte, Ekel sei eine erlernte Reaktion und mit gezielter Erziehung könnte jede beliebige Aktivität zum Auslöser von Ekel gemacht werden. Studien haben aber gezeigt, dass die stärksten Auslöser von Ekel über zahlreiche Kulturen hinweg dieselben sind, etwa Kot, Leichen und Eiter. „Es ist ziemlich schwer zu lernen, sich vor Blumen oder Keksen zu ekeln“, sagt Curtis“

        Ja, aber es ist auch ziemlich leicht, sich vor allem, das man ablehnt – aus welchen irrationalen Gründen auch immer – zu ekeln. Mögen muss man das nicht und auch nicht unterstützen, denn Dicke sind keine Parasiten.

        „Ein sinnvoller Mechanismus. Denn Ekel rufen in aller Regel Dinge hervor, die den Menschen krank machen könnten. Die Hygieneforscherin Valerie Curtis von der London School of Hygiene and Tropical Medicine glaubt, dass Ekel entstanden ist, um mit Parasiten fertig zu werden. Diese kleinen Quälgeister gibt es überall auf der Welt. Sie schaden ihrem Wirt, indem sie Giftstoffe produzieren, Verhalten beeinflussen, Ressourcen verbrauchen und sich auf andere ausbreiten.“

        Was nicht heisst, dass sich manche Menschen auch vor Schwarzen, Schwulen, Gelben, Dicken oder Dünnen ekeln können und ja, das Internet ist voll davon. Dicke gehören gleichwohl per definitionem eindeutig nicht in die Kategorie von Parasiten, über die man sich einig wäre, dass sie mit dem Ekelgefühl von der Evolution auf Alarm gesetzt wurden und alles in allem damit eine nützliche gesellschaftliche Funktion im Sinn eines gesunden Volkskörpers erfüllen. Ich gebe aber zu, dass das Ekelgefühl von bestimmten Bereichen der Gesellschaft immer wieder bemüht wird, um unliebsame, angeblich „ungesunde“ Lebensweisen zu diskriminieren und die Betreffenden auszugrenzen. Ein weites Feld, das wir besser wieder verlassen.

        Quelle: Der Tagesspiegel (http://www.tagesspiegel.de/wissen/psychologie-das-schuetzende-gefuehl/6224114.html)

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      9. Du hast aber schon mitgekriegt, dass es hier nicht um generellen Ekel geht, sondern um Ekel vor Intimität? Und Ekel vor Sex mit Menschen, die nicht ins eigene „Schema“ passen ist nunmal sehr verbreitet und evolutionär sinnvoll. Es gibt zig Studien dazu, dass gerade Frauen sehr schnell Ekel empfinden und sich das äußerst negativ auf die Libido auswirkt (bei Männern ist das weniger ausgeprägt).
        Du kannst also die Empörung wieder einpacken, tief durchatmen und sehen, dass es hier nicht darum geht zu sagen „Dicke sind Parasiten“ oder was auch immer gruseliges du da gerade vor deinem inneren Auge für einen Film schiebst… sondern schlicht darum, dass manche Menschen nicht mit Dicken intim werden wollen, ebenso wie manche nicht mit Männern, Frauen, Alten oder sonstwem Sex haben möchten. Das ist übrigens was, was ich mit 150kg vollkommen akzeptiert habe, ohne mich angegriffen zu fühlen. Und auch jetzt will nicht jeder Mensch auf der Welt mit mir intim werden. Ich auch nicht mit jedem, aher passt das. Das sollten wir vielleicht alle akzeptieren 😉

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      10. Ernsthaft, es scheint sehr verletzend bei dir angekomen zu sein, was in den Kommentaren geschrieben wurde, aber ich denke, wen du nochmal liest, was geschrieben wurde, dann siehst du, dass wirklich nur ums Intimwerden ging, und da hat nunmal jeder seine Präferenzen und ja, Sex mit jemandem, der dem nicht entspricht, ist „eklig“ (wie gesagt, biologisch sinnvoll). Es sagte aber keiner, dass er Übergewichtige allgemein schlechter findet, es wurde sogar nochmal extra klargestellt, dass das nicht gemeint war. Ich denke, es ist an der Stelle dann auch echt unfair, die Leute nahezu mit Rassisten gleichzusetzen.
        Es tut mir leid, wenn das bei dir falsch ankam, aber ich denke, so war es absolut nicht gemeint.

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      11. TutziFrutzi

        @B.B.: „Ich gebe aber zu, dass das Ekelgefühl von bestimmten Bereichen der Gesellschaft immer wieder bemüht wird, um unliebsame, angeblich ‚ungesunde‘ Lebensweisen zu diskriminieren und die Betreffenden auszugrenzen. Ein weites Feld, das wir besser wieder verlassen.“

        Ich denke, Du hast nicht mich damit gemeint – falls doch: Ich meine nicht, dass man Menschen diskriminiert, wenn man sich mit ihnen keinen Sex vorstellen kann.

        Ein Beispiel (dass Du vermutlich für „erfunden“ hälst, weil’s ZU gut passt – ist aber tatsächlich wahr): Ich hatte zu Studenten- und WG-Zeiten eine „über 130kg“-Kumpel Freundin. Kontakt ist wegen Auswanderung inzwischen eingeschlafen.

        Wie dem auch sei:

        Super Frau. Super Humor. Ich kann Stories erzählen, da lachste dich schief. In irgendeiner Kneipe kam mal ein Body-Builder-Typ zu uns und hat voll rumgeprotzt. Sich demonstrativ mit den Armen aufgestützt und dabei die Muskeln angespannt. Weiß auch nicht, was mit dem los war. Wollte wohl Aufmerksamkeit erregen. Sie jedenfalls hat eines ihrer (ziemlich „umfangreichen“) Beine mit beiden Händen gegriffen, es auf den Barhocker gewuchtet und mit ihrem unnachahmlichen norddeutschen Dialekt gesagt „Ey, Du Eiweiß-Granate – Damit kannste aber NICH mithalten, wa?“ – Den irritierten Blick vom Muskelprotz werde ich nie vergessen.

        Zusammen schwimmen gehen. Kein Problem. Auch solche Vier-Leute-Spiele wie „Zwei Huckepack-Teams versuchen, gegenseitig den jeweils oben sitzenden runter zu schmeißen“ – praktischerweise hat sie mich dabei meistens auf die Schultern genommen – Kein Problem.

        Aneinander angelehnt auf der Couch sitzen und alberne Zeichentrick-Filme gucken. Oder Monty Python. Kein Problem.

        Wir haben auch zusammen im selben Bett geschlafen. Das ist sogar recht häufig passiert. Kennt man ja. Man ist feiern gewesen, die ganze Truppe hat zu viel getrunken, unsere Studenten-WG war direkt in Hauptbahnhof-Nähe, sie hat außerhalb in der Pampa gewohnt, da kommt man mit den Öffentlichen nur schwer nach Hause – Gestrandet. Wo schlafen? „Ach, kommste zu mir“. Kein Problem.

        Nur die obligatorische Umarmung zur Begrüßung und zum Verabschieden war mir ECHT unangenehm. Ich als schmaler Dödel wurde dabei regelmäßig quasi „umflossen“. Und ich finde, man darf mir zugestehen, dass für mich Sex mit derart übergewichtigen Menschen vollkommen ausgeschlossen ist.

        Es ging mir mit meinem Verständnis für „Igitt“-Gefühle ja auch nur um Fälle mit sexueller Konnotation.
        Ansonsten überschreitet doch jegliche Körperkontakt Grenzen. Keiner mag sich von jedem anfassen lassen – und das ist in Ordnung.

        Dass ich jetzt ausgerechnet mit sehr dicken Menschen Schwierigkeiten habe – und das auch nur bei INTENSIVEM Körperkontakt (beginnend ab Umarmung) – sagt doch nichts darüber aus, wie ich abseits davon zu ihnen eingestellt bin oder wie ich mich mit ihnen umgehe.

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      12. B.B.

        Lieber Tutzifrutzi (15:17 Uhr), ich habe jetzt nur die eine Antwort gelesen, die anderen leider noch nicht (komme aber später darauf zurück, muss jetzt weg). Soviel nur: Du hast einen wunderbar menschlichen Beitrag geschrieben, der mir sehr viel über Dich ausgesagt hat. Und, um ehrlich zu sein, ich habe im vorherigen Post gelöscht gehabt, dass ich diese Dickenphobie in Zusammenhang mit Ekel eigentlich nur von schwulen Freunden kennen, die sich tagein, tagaus darüber ausgelassen haben, wer denn jetzt wieder dick und ekelig geworden sei, wieviel Speck sie wieder angesetzt hätten (0,001 Milligramm) und die sich ständig über ihren Körper sorgten, der in der Regel trainiert (Tänzer, Modemacher, Fotograf), jugenhaft bis zum androgynen und ästhetisch bis zum Reinbeissen war: und da kamen dann auch immer solche Sprüche „aber ihr Frauen seid doch ekelig, findet ihr nicht auch?!“ – was das Gegenteil von diskriminierend, sondern einfach nur selbstironisch, frech, lustig war (die meisten leben nicht mehr, weil sie ja in dieser Generation für ihre „ungesunde Lebensweise“ kräftig „bestraft wurden. Ich hoffe, ich bin Dir nicht zu nahe getreten, aber dieser Post hier, der war da schon anders zu lesen und anders zu verstehen, ich dachte auch nicht, dass Du ein Mann bist, eher dachte ich: aha, wieder so ein SelbsthasserIn, der es nicht vergessen hat, wie er seinerzeit diskriminiert wurde, sich gefühlt haben muss und jetzt genau dasselbe macht“. Das habe ich ja noch nie verstanden und auch bis heute keine Studie dafür gefunden, wie so etwas zustande kommt: aber es existiert, keine Frage. Deshalb: sorry für Überreagieren, aber manchmal, da hebt es einen im Internet schon vom Hocker.

        Hier nochmal das, was mich hochgelupft hat:

        “Ich hatte von Kindesbeinen an schon immer Schwierigkeiten, mich von dicken Menschen anfassen zu lassen. Allerdings musste ich früh lernen, mich diplomatisch zu verhalten und mir meinen Ekel (ja, es IST EKEL, auch wenn ich nicht weiß, woher er kommt) nicht anmerken zu lassen. Denn ich hatte zwei ziemlich dicke Tanten, die ich sehr gemocht habe, auf deren Besuche ich mich wirklich immer gefreut habe – aber mich knuddeln? Au wei.”

        Dein Post danach ist hingegen von ganz anderen „Eltern“.

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      13. TutziFrutzi

        @B.B.: „Hier nochmal das, was mich hochgelupft hat:“

        … ist verständlich. Auf Grund Deiner Reaktion habe ich mir meinen Post auch noch einmal durchgelesen, und der liest sich verdächtig wie das übliche „Stammtisch-Parolen“-Zeug à la „Ich hab ja nix gegen Ausläner, aber BLABLABLA“ – mit dem Unterschied, dass ich das wirklich so meine. Nur so verkürzt beschrieben ist das schon ein nachvollziehbarer „Trigger“.

        Schön, dass wir das klären konnten.

        🙂

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    2. B.B.

      Liebe Erzählmirnix (17:08), das hier ist noch unbeantwortet und ich finde es nicht ganz fair, mit dem „tut-mir-leid-wenn-Du-verletzt-bist“ Schachzug zu reagieren, wenn es nur darum geht, sprachlich genau zu sein. Eine besondere Fähigkeit von Dir, die mich hierher geführt hat und die die Grundlage des Erfolges Deines Buches ausmacht: denn was ist „Hungerstoffswechsel“ (und ihn auseinandernehmen) anderes als darauf zu beharren, nicht nur wissenschaftlich ehrlich, sondern auch sprachlich genau zu sein? Jeder Begriff „ankert“ Urteile, befestigt Vorurteile oder klärt auf, verschaffte neue Einscihten, öffnet Horizonte: oder vernagelt sie. In der Regel bleibt man bei dem einmal Erkannten und geht dann auch keine Kompromisse mehr ein.

      Hier Dein Kommentar zu meinem Post:

      „Ernsthaft, es scheint sehr verletzend bei dir angekomen zu sein, was in den Kommentaren geschrieben wurde, aber ich denke, wen du nochmal liest, was geschrieben wurde, dann siehst du, dass wirklich nur ums Intimwerden ging, und da hat nunmal jeder seine Präferenzen und ja, Sex mit jemandem, der dem nicht entspricht, ist “eklig” (wie gesagt, biologisch sinnvoll)“.

      Du hast mir eine Studie aus Deinem Buch um die Ohren gehauen, dass es biologisch sinnvoll wäre, wenn man sich vor Dicken ekelt, weil sich die Menschheit automatisch vor ungesunden Lebensverhältnissen schützt und das durch Ekel vor bestimmten Personenkreisen auf sinnvolle Art macht. Ich habe Dir eine Studie um die Ohren gehauen, die exakt zur gegenteiligen Erkenntnis gelangt, dass man den Ekel nicht nämlich gerade nicht übertragen kann auf beliebige andere Objekte, außer denen, für die sie der liebe Gott (oder wer auch immer) „erfunden“ hat: also Kot, Leichen, Eiter, Erreger und Parasiten.

      Also sind wir quitt, denn auf den Artikel und meine Thesen gehst Du ja nicht ein, sondern vermutest sofort bei mir die Rassismuskeule. Damit das aus der Welt kommt, eine eigene Beobachtung zum Thema sinnvoller Ekel gegenüber Dicken, die sich vielleicht besser nachvollziehen lässt als Studien, die wir BEIDE nicht erhoben haben:

      Ich bin seit 16 Jahre in anderem Kulturraum die meiste Zeit des Jahres unterwegs (Nordafrika): wie man weiß sind dort Frauen in der Regel üppig bis dick bis extrem übergewichtig (im nordafrikanischen Jargon heissen diese extrem Übergewichtigen: „Saharawomen“). Die einzigen weiblichen Menschen, die weniger als 60 kg haben sind Mädchen unter 14 Jahren: in jedem Hammam sieht man dicke Bäuche, fette Schenkel, gut gepolsterte Hüften, dicke und oft auch rechts und links weit herunterhängende Brüste und keine der Frauen findet sich auch nur im geringsten unattrativ. Keine schützt ihre Fettpolster vor den Blicken anderer Frauen, sondern man geht miteinander sehr direkt und handfest um, jede sieht sofort, wer schon geboren hat, man fasst sich an die Brust, um zu fühlen, ob sie fest ist, giggelt und lacht, bestaunt Kaiserschnittnarben und rasiert sich gegenseitig, wo auch immer (tutzifrutzi; bitte weghören, ganz intensiv weghören!). Richtig schlank, was wir als schlank begreifen, sind nur vorpubertäre Mädchen und die sind für die Männer (ausser in der Prostitution, wo sie natürlich auch „auf dem Markt“ sind) verboten. Jugens gehen in den ländlichen Gegenden bis zum Alter von 6 – 8 Jahren mit den Frauen, Müttern und Schwestern mit ins Hammam und hören sehen ALLES: In den Städten auch schon mal bis 12 Jahren. Hier sollte ich vielleicht einfliessen lassen (wegen dem „schade, dass Du so verletzt bist“), dass ich unter diesen Frauen mir vorgekommen wie die ausgehungerte Bohnenstange, zu der man in der Schule immer gesagt hat „hier kommt eine lange Dürre“. Ich war und bin nie dick gewesen, und habe in diesen Ländern dann auch erlebt, dass nicht nur ich wegen meiner „Dürre“ bemitleidet wurde, sondern es auch keinen einzigen Mann gegeben hat, der sich vor diesen „Dicken“ geekelt hätte: es waren allesamt von ihren Männern äusserst wertgeschätzte Frauen und das in eindeutig sexueller Konnotation und von Besitzerstolz begleitet. Es wurde immer wieder unter Schwestern und Schwägerinnen auf den Speck der eigenen Frau angespielt (wobei mir wie in Indien auch, aufgefallen ist, dass es oft kein wabbelnder Speck ist, sondern ein fester, glänzender, der elastisch sich mitbewegt) und auch die dazugehörigen Hintern sind immer wieder einen bewundernden Kommentar wert, auch nur unter Männern imme ein Thema. Nun passt ein Hintern wie meiner überhaupt nicht in die langen Gewänder: die sind dafür gemacht, dass man von aussen einen Krug auf den Po stellen kann, nur so sehen sie nicht lächerlich aus – für weniger ausgeprägte Ausformungen geht es einfach fatzenglatt runter, sieht einfach nach nichts aus. Und schon wieder wird man bemitleidet.

      Mit einem Wort:

      Es gibt demnach einen ganzen Kontinent, der sich nicht vor Dicken ekelt und dessen Menschen keinem „natürlichen biologischen Instinkt“ folgen, der ihnen sagt, dass sie sich vor einer ungesunden Lebensweise ekeln sollen, die sich in Dicken manifestieren würde: ganz im Gegenteil. Es gibt dort aber genügend Menschen, die sich tierisch ekeln können: beispielsweise vor einer Westlerin, die im engen Trägertop in der Gluthitze herumläuft, ärmel- und achselfrei und deren Schweiss deshalb unweigerlich heruntertropft: wohin auch immer. Sie könnte ja auch nur tropfen: jedenfalls „ekelhaft!“. Oder wenn man sich bei Tisch schneuzt: die könnten kotzen, wenn sich jemand bei Tisch schneuzt – wir hingegen nehmen ein Temptaschentuch und wissen, dort wird der Keim schon im Entstehen erstickt: nichts mit natürlichem Ekel mehr, der aber da wäre, wenn wir uns nicht sicher wären, was das auslöst bei den anderen, die ja alle aus einer grossen Schüssel essen:::

      Und sorry für das Nachtarocken, mir schien da noch etwas in der Luft hängen geblieben zu sein (nicht tutzifrutzi, den ich richtig lieb gewonnen habe).

      B.B.

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      1. Es war kein Schachzug, ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass du da in die Kommentare in denen es um Intimität geht irgendwas reingelesen hast im Sinne von „Alle Übergewichtigen sind eklig(e Parasiten)“

        Die Studie auf die ich im Buch eingehe erklärt darüber hinaus, dass wir an Menschen äußere Zeichen von Ungesund/Krank erkennen, weil wir Erreger nicht sehen können. Ein extrem abemagerter Mensch wird ebenfalls oft als „eklig“ gesehen, weil es auf Erkrankungen hinweist, wenn jemand extrem untergewichtig ist. Bei Übergewicht verhält es sich ähnlich, da auch das sehr ungesund ist. Es ist also nicht vergleichbar damit Ekel auf etwas vollkommen neutrales zu projizieren, sondern es ist bereits biologisch in uns angelegt. Ebenso wie sich Phobien eben schneller auf kleine Tiere, Insekten oder Schlangen lernen lassen als auf Fahrräder, Stühle oder Tassen.

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  1. EinFan

    Ein paar Gedanken zu Deinem Sammelsurium:
    1. Diese Calvin Klein / Real Man oder Media Male / Average Male Gegenüberstellung finde ich insofern gut, dass einem klar gemacht wird, dass eben nicht alle anderen so gut aussehen und man selbst / der eigene Kerl so ein Schwabbel ist. Wenn man mal logisch drüber nachdenkt, ist das klar, aber für das Unterbewußtsein tut das schon gut.

    2. Der Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Models ist ja, das männliche nicht nur schlank, sondern auch ordentlich trainiert sind. D.h. um da hinzukommen, muss man nicht nur auf die Ernährung achten und etwas sporteln, sondern schon intensiver Bodybuilding betreiben. Das ist bei Familie und einen normalen Job mit vielen zeitlichen abstrichen verbunden. // Beim Blick durchs Schwimmbad sieht man mehrere Frauen mit quasi Model-Figur, aber höchstens 1-2 Kerle.

    3. Ich finde „Fateacceptance“ als neue hippe Modeerscheinung gibt es bei Kerlen nicht, da das schon immer tolleriert oder als Standard angesehen wurde. Der Satz „Ein Mann ohne Bauch ist ein Krüppel.“ ist schon mein ganzen Leben lang fester Bestandteil der allgemein anerkannten Lebensweisheiten.

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    1. ichichich (AE)

      „D.h. um da hinzukommen, muss man nicht nur auf die Ernährung achten und etwas sporteln, sondern schon intensiver Bodybuilding betreiben.“

      Wahrscheinlich sind die meistens auch vor dem Shooting noch aufgepumpt und dehydriert, also wirklich nicht alltagstauglich.

      „Beim Blick durchs Schwimmbad sieht man mehrere Frauen mit quasi Model-Figur, aber höchstens 1-2 Kerle.“

      In meinem Stammschwimmbad ist das eher umgekehrt.

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      1. EinFan

        Noch einer zum Thema, wie alltagstauglich die Männer-Model-Körper sind. Hier ein Foto vom Mr. Universe Wettkampf 1953. Sean Connery (in der Mitte) wurde damals Dritter. Das waren die besten Bodybuilder damals … und gegen heutige Calvin Klein Models sehen die eher meh aus:

        (Falls das Pic nicht geht, mal nach „sean connery mr universe pics“ googeln.)

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      2. TutziFrutzi

        Meine aktuelle Figur entspricht ziemlich genau der von „EinFan – 9. August 2015 um 23:20“ – mittlere Abbildung, Sean Connery 1953.

        Mit den Oberschenkeln kann ich nicht mithalten, ich schaffe zwar 140 kg an der Beinpresse, davon sieht man aber irgendwie nicht viel.

        Ansonsten habe ich ohne eingezogenen Bauch und angespannte Bauchmuskeln ein „FourPack“ und bin deutlicher definiert.

        Für mein angestrebtes „Sixpack“ – das ich mir zusammen mit Rauchen-Aufhören zum Vierzigsten selbst zum Geburtstag schenken wollte – fehlt nur noch so ungefähr ein Kilo, reiner Bauchspeck.

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  2. Applaus für „Wer hätte gedacht, dass Menschen, deren Job darin besteht, gut auszusehen, besser aussehen, als der Durchschnitt?“ – ich liebe es, wie du manche Dinge einfach trocken auf den Punkt bringst. Darum lese ich hier so gern.

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  3. ichichich (AE)

    Vielleicht ist das jetzt die böse Masku-Perspektive 🙂 , aber auf mich wirken die Bilder teilweise eher ironisch ins Lächerliche ziehend. – fat women are strong, fat men are ridiculous?

    Der „Skinny guys are outdated“-chubby guy hat elegant den Schlüpferschlitz geöffnet und die Buzzfeed-Gegenüberstellung … naja, der linke Mann wirkt durch die laszive Pose ziemlich lächerlich und scheint auch den Bauch herauszustrecken.

    Wahrscheinlich hat er nicht einmal einen so viel höheren Körperfettanteil als Sean Connery hier:

    aber Connery wirkt halt nicht lächerlich, sondern kongruent. (in Dr. No ist Sean Connery allerdings noch deutlich skinnier).

    Das Computerbild des „average male“ sieht aus wie Michael Myers mit „dadbod“.

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  4. SparkleSparkle

    Hm, fat acceptance bei Männern tritt wohl nicht so stark in den Vordergrund, weil es (noch) gesellschaftlich akzeptierter ist, dass ein Mann keine sportlich-schlanke Figur hat, sprich, der Mann kann dieses „Defizit“ durch andere Vorzüge ausgleichen. Es liegt wohl auch am Vorurteil, dass ein Mann für seine Figur arbeiten muss und sich anstrengen muss (hartes Training etc.), während eine Frau für eine schöne Figur ja nur einen Schokoriegel weniger essen müsse (dass das nicht so ganz stimmt, wissen wir hier ja 😉 ).Somit wird es wohl als verzeihlicher angesehen, wenn er das Idealziel nicht erreicht. Das Bild von den Bodybuildern aus den 50ern finde ich dabei recht interessant, da ich diese im Vergleich zu den heutigen eher als normal sportlich trainiert empfinde. Die Maßstäbe scheinen da auch extremer geworden zu sein.

    Bedenklich finde ich bei Männern ja die Entwicklung, dass nur noch auf Ästhetik trainiert wird, quasi „style over function“. Da präferiere ich doch einen fitten Kerl, der nicht dem Ideal entspricht gegenüber einem Kerl, der sich die Arme nur aufgepumpt hat, um ein Muscleshirt zu tragen. ^^

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    1. Robert

      Deine persönlichen Präferenzen seien dir unbenommen, aber auf Ästhetik zu trainieren als „bedenklich“ zu titulieren, das finde ich seltsam. Was sind denn deine konkreten Bedenken? Training auf Ästhetik ist ja nicht zwangsläufig ungesünder oder einseitiger als z. B. Training im Leistungssport.

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      1. SparkleSparkle

        Da hab ich mich ungenau ausgedrückt: Ich finde nicht das Training an sich bedenklich, sondern den Gedanken, Ästhetik über Wohlbefinden oder Fitness zu stellen. Also „Ich muss jetzt unbedingt soundsoviel cm Oberarmumfang haben, damit das gut aussieht“ vs. „Ich möchte Muskeln aufbauen, um fitter und kräftiger zu werden.“

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  5. Ich bin seit 10 Jahren mit einem sehr gewichtigen Mann zusammen und lernte dabei als erstes, dass die Werte der Augen nicht mit denen der Hände / des Tastsinns identisch sind. Verglichen mit meinen Erlebnissen mit sehr schlanken Männern gefällt mir Übergewicht mittlerweile deutlich besser – es hat tatsächlich Schmusequalitäten, die ich nun bei einem schlanken / normalgewichtigen Mann vermissen würde.

    Neben anderen Faktoren (Wechseljare, sitzendes Leben) hat diese Partnerschaft (wir wohnen nicht zusammen) allerdings durchaus Anteil daran gehabt, dass ich nach und nach immer mehr Kilos drauf schaffte: neben ihm bin ich ja nicht nur 30cm kleiner, sondern auch immer die deutlich Schlankere! Das unterstützt das Laissez-Faire in Sachen Essen.

    Seit Ende Mai hab ich nun 7 Kilo abgenommen, nachdem ich Nadjas Buch gelesen hatte. Noch 13 Kilo trennen mich allerdings vom oberen Ende des Normalgewichts, doch gehe ich das langsam an: Tendenziell Low Carb, aber nicht extrem.

    Ihm rede ich nicht rein, vorleben ist viel besser. Nur alle Jahre mal vermittle ich eine gewisse Sorge um seine Gesundheit, mehr ist nicht. Da wir einen Garten haben und er viel Rad fährt, meine ich schon eine kleine Veränderung wahrzunehmen…

    Im übrigen sieht er GUT aus, man nennt das gewöhnlich einen „stattlichen Mann“ – und wenn sich viel Gewicht auf 195 verteilt, wirkt es auch nicht so extrem.

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    1. Na ja, eine untrainierte schlanke Frau sieht halt meist auch nicht wie das „Ideal“ aus, da oft durch die wenige Muskelmasse der Körper schlaff wirkt und Cellulite entsteht. In Kleidern wirkt sie dann vielleicht Ideal, aber auch ein untrainierter Mann kann ja im gut geschnittenen Anzug sehr gut aussehen.

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  6. Sorry, aber jedes Mal, wenn ich das dritte von den „inspirierenden“ Bildern sehe, möchte ich in die Tastatur reihern.
    Aber hey, da ich ja nun bald schwer magersüchtig sein werde, sollte die das überleben, ich esse ja doch gar nix mehr, bisschen Magensäure in viel Spucke macht vielleicht weniger kapputt als Milchkaffee? :>

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