Schlanke Fatacceptancevertreter.

Wir hatten schon lange keinen Rant mehr. Aber dieser Rant köchelt schon so ein bisschen, seit auf Twitter damals gegen mein Buch gewettert wurde. #fatshaming und so. Nee nee, lesen muss man das nicht um zu wissen, dass es #fatshamed, denn es geht ja um Übergewicht und die Autorin hat viel abgenommen, das ist schon per se #fatshamend, weil es impliziert, dass Übergewicht weniger gut ist als Normalgewicht. Moment, sagte ich „Übergewicht“? Das ist natürlich ebenfalls fatshamend, denn es impliziert, dass es ein „zu viel“ an Gewicht gibt, obwohl es das natürlich nicht gibt.

Was mir auf Twitter auffiel war, dass der Großteil der Shitstormer selbst offenbar normalgewichtig oder maximal leicht übergewichtig war. Ehrlich gesagt, hat mich das am allermeisten angepisst.

Warum? Die meisten haben wohl zumindest mal in die gratis Leseprobe gelesen oder bei amazon die Beschreibug überfolgen, denn die Zahlen (150kg Startgewicht, 6 Monate auf 500 kcal, jetzt 63kg) schienen den meisten irgendwie geläufig. Wenn man diese Zahlen kennt, kommt man eigentlich nicht daran vorbei, auch die Informationen zu lesen, die drum herum standen: Immobil. Krank. Leiden.

Dann kommen also diese wahnsinnig tollen Menschen, die für das Gute kämpfen (also gegen mich schrecklichen Fatshamer in diesem Fall) und erzählen, dass (meine) Gewichtsreduktion total falsch ist, und ich mich gefälligst in meinem Körper wohl zu fühlen, und diesen zu akzeptieren hätte. Menschen, die also selbst einen gesunden Körper haben, machen mir Vorwürfe dafür, dass ich etwas unternommen habe, um wieder schmerzfrei gehen zu können.

Wenn schlanke Menschen sich auf diese Art gegen fatshaming einsetzen, dann ist das so… falsch. Ich meine damit nicht Zivilcourage oder den Arsch in der Hose zu haben, dagegen einzustehen wenn ein dicker Mensch beleidigt wird. Wenn jemand „Hey, fette Sau!“ auf der Straße ruft und einer dieser Twitter-Helden geht hin und sagt ihm, er soll seine dumme Fresse halten, dann bin ich die erste, die applaudiert.

Wenn sich schlanke Menschen allerdings gegen „Stigmatisierung“ einsetzen, indem sie verbreiten, dass Übergewicht nicht ungesund ist und Abnehmen doof und unnötig ist und ohnehin zum scheitern verurteilt, dann… ernsthaft, ich frage mich, wie man auf Twitter ablästern kann, dass ich sicher bald wieder 150kg schwer bin, weil ich so schnell abgenommen habe und das ohnehin nie klappt, und sich dabei noch als guter Mensch fühlen kann. Diese Menschen wissen, dass ich mit 150kg extreme Gesundheitsprobleme hatte und stark eingeschränkt war. Und sie würden es lieber sehen, dass ich wieder immobil auf der Couch sitze und nur unter Schmerzen gehe, als dass ich zeige, dass es möglich ist abzunehmen, und dass es eine Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität mit sich bringt.

Ich meine, es ist kein Problem, dass es Arschlöcher gibt, die einfach gerne Leute scheitern sehen. Wer sich noch nie heimlich in Schadenfreude geübt hat, wenn jemand, den man nicht leiden kann, auf die Fresse fällt, der schreibe den ersten Tweet. Aber was halt gar nicht geht ist, wenn man dieses Arschlochverhalten dermaßen verdreht, dass man tatsählich der Meinung ist, man sei deshalb ein guter Mensch. Weil es besser ist, Leute zu entmutigen… ääääh… ihnen dabei zu helfen, ihren Körper zu akzeptieren. Weil es schlecht ist, zu zeigen, dass man nicht gezwungen ist, Einschränkungen hinzunehmen, sondern etwas tun kann.

Es ärgert mich so ungemein, dass es als „besser“ gesehen wird, wenn man (unglückliche) Übergewichtige beschwatzt, dass sie sich doch wohl fühlen und sich selbst akzeptieren sollen, obwohl sie es anders fühlen. Lieber sollen sie jahrelang an ihrem „Selbstbild“ arbeiten, als einige Monate konkret etwas zu ändern und die Lebensqualität zu erreichen, die sie sich wünschen. Und mal ehrlich, ein wahrhaft, zutiefst zufriedener Übergewichtiger würde wohl kaum einem Buch wie „Fettlogik“ einen zweiten Blick schenken. Zumindest habe ich noch nie den Zwang verspürt, ein Buch zum Thema Rosenzucht oder Angeln zu kaufen, weil mich diese Themen schlichtweg nicht interessieren. Ich finde es aber toll, dass Rosenzüchter und Angler Bücher haben, die ihnen helfen. Ich fühle mich nicht unter Druck gesetzt, Rosen züchten zu müssen oder mich morgens mit Angel und Köder an den See zu setzen, weil jemand Bücher darüber geschrieben hat, wie ich das am besten tun könnte.

Ehrlich gesagt dachte ich, mein Buch würde ziemlich vielen Lesern auf die Füße treten, die sich im „Skinnyfat“-Teil wiedererkennen. Ich bekam auch viele Mails, die genau diese Sorge äußerten („Du wirst sicher oft angekackt wegen des Skinnyfat-Teils“). Tatsächlich war das Gegenteil der Fall – natürlich kann ich nur von den Rückmeldngen ausgehen, die ich direkt bekomme und weiß nicht, wie viele nach dem Lesen angepisst waren. Aber von den direkten Reaktionen waren alle dankbar. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft mir explizit von Normalgewichtigen oder leicht Übergewichtigen gedankt wurde, die im Prinzip alle sagten: „Ich habe mich immer unwohl gefühlt, aber meine Umwelt hat mich unter Druck gesetzt, dass meine Wahrnehmung falsch/gestört sei und ich mich akzeptieren muss, wie ich bin. Jetzt habe ich mit Sport angefangen, ein paar Kilo abgenommen und fühle mich endlich wohl in meinem Körper.“

Das mag jetzt eine einseitige Betrachtungsweise sein, weil es vielleicht auf der anderen Seite auch Leute gibt, die sich extrem auf nicht vorhandenes Übergewicht versteifen und denen Körperakzeptanz gut tun würde. Aber es gibt ganz offensichtlich eine große Mehrheit an Übergewichtigen und normalgewichtigen „Skinnyfats“, die reale gesundheitliche Risiken und Einschränkungen haben und denen es absolut nicht hilft oder gut tut, wenn sie von ihrer Umwelt in Richtung „Akzeptiere dich gefälligst!!“ gedrückt werden.

Und ganz ehrlich, wenn das von Menschen kommt, die selbst übergewichtig sind, dann macht mich das nicht sauer, weil ich davon ausgehe, dass da ein Stück Selbstschutz dabei ist. Aber wenn schlanke Menschen dieses „Nein, abnehmen ist böse!“-Fähnlein schwenken, kriege ich absolut Brechreiz. Diese Menschen HABEN das „Schlankheitsprivileg“, sie haben einen gesunden Körper und halten andere aktiv davon ab, dasselbe für sich zu erreichen. Wie verblendet muss man sein um jemandem Vorwürfe zu machen, sich mit 150kg nicht wohl zu fühlen und etwas gegen die permanenten Schmerzen und Einschränkungen tun zu wollen, die dieses Gewicht mit sich bringt?

Wenn Alkoholiker sich gegenseitig darin bestärken, dass das Feierabendbierchen auf keinen Fall ein Problem darstellt ist das verständlich. Aber wer seinem Freund mit den hohen Leberwerten eine Flasche Schnaps in die Hand drückt und ihn ermutigt, ruhig weiter zu saufen, während er selbst an einem Wässerchen nippt, ist ein echtes Arschloch.

Für mich sind schlanke Menschen, die fatacceptance predigen, ein absoluter Aufreger. Mag sein, dass viele tatsächlich davon überzeugt sind, dass Übergewicht nicht schädlich ist und es gut meinen. Aber real ist es eben so, dass sie in sicherem Abstand vom Abgrund stehen und andere ermutigen, noch ein paar Balanceübungen an der Klippe zu machen. Es ist ja nicht IHR Krankheitsrisiko das sich erhöht und es ist nicht IHR Körpergefühl oder IHRE Einschränkung im Alltag, da fällt es natürlich leicht, diese Dinge anderen abzusprechen.

Warum dieser Rant jetzt gerade? Weil ich wiedermal auf „Das Gesicht“ der US-Fatacceptance-Bewegung gestoßen bin: Linda Bacon, die mit ihrem „Health at every Size“ Ansatz berühmt wurde und entgegen der „mainstreammedizin“-Meinung vertritt, dass Übergewicht nicht schädlich ist. Mit Plakaten wendet sie sich gegen Initiativen wie die von Michelle Obama, die Übergewicht bei Kindern bekämpft:

lindabaconistand

Finde den Unterschied:

haes

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40 Gedanken zu “Schlanke Fatacceptancevertreter.

  1. Lotte

    Uh, Ragan Chastain auf dem letzten Bild. Die hab ich ja gefressen (pun very much intended). Lügt, dass sich die Balken biegen, das Bild ist auch schon mindestens fünf Jahre alt, und vom Ironman-Beschiss wollen wir gar nicht anfangen. X(

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  2. Viktor

    Ach, am Ende landen wir doch wieder beim alten Autonomie-Problem. Es geht doch nur sekundär darum, daß du dich um deinen Körper und deine Gesundheit kümmerst.

    Primär geht es darum, daß man seinen Verstand benutzt und selbst urteilt, wie man leben möchte.

    Das verstößt natürlich gegen eine der wichtigsten unausgesprochenen Prämissen unserer Gesellschaft!

    In gewisser Hinsicht sind wir seit dem Steinzeitmenschen nicht so recht voran gekommen (trotz Kant, trotz Aufklärung, trotz Bildung).

    Wäre toll, wenn du – als gelernte Psychologin – die weiterverbreitete Fettlogik in einen weiteren gesellschaftlichen Rahmen einordnen könntest (noch eine Buch-Idee?).

    Viktor

    (der sich seit dem Buch beim Abnehmen bestätigt fühlt und munter weiter abnimmt)

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    1. vortex

      „In gewisser Hinsicht sind wir seit dem Steinzeitmenschen nicht so recht voran gekommen (trotz Kant, trotz Aufklärung, trotz Bildung).“

      Man kann Menschen im Grunde nur die Tür zeigen, durchgehen müssen sie schon selber.

      „…weiterverbreitete Fettlogik in einen weiteren gesellschaftlichen Rahmen einordnen…“

      Wenn ich mich versuchen darf? Der zivile Zeitgeist schätzt Gefühle für wichtiger ein als Fakten. Dies liegt wohl an der Abwesenheit von echten Problemen, die einen Menschen zwingen würden sich mit der Realität auseinander zu setzen. Die Fettlogik wäre nur ein Symptom von vielen ( steigender Narzismus, gelernte Inkompetenz, verdrehte Bedürfnisse ).

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  3. >Und sie würden es lieber sehen, dass ich wieder immobil auf der Couch sitze und nur unter Schmerzen gehe,

    Ja, würden sie. Denn wenn’s darum geht, sich öffentlich als Vertreter des einzig Guten und Wahren zu stilisieren, gehen manche Menschen sogar über Leichen. Natürlich immer die der anderen.

    Guter Rant!

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  4. Das leidige Thema mit der Fat Acceptance … schwierige Sache.

    Übergewichtige Leute zu beschimpfen oder zu postulieren, sie sollten lieber nicht schwimmen gehen wegen dieser Greenpeace/Wal-Sache – das ist natürlich falsch. Sieht so ziemlich jeder Mensch mit ein bisschen Empathie ein.

    Es gibt übergewichtige Leute, die trotz(!!) Übergewicht erstaunlich fit und/oder gesund sind. Das will wahrscheinlich auch niemand leugnen, gibt es ja objektive Beweise (Bluttest, Fitnesstest etc.) für.

    Genau so gibt es normalgewichtige Leute, die eine niedrigkalorische, aber katastrophale Diät halten, sich nicht bewegen und womöglich noch regelmäßig rauchen und saufen (oder auch nicht, das andere allein reicht ja schon) und deswegen gesundheitliche Probleme bekommen.

    An dieser Stelle muss man, denke ich, zwei komplett verschiedene Schienen fahren. Wenn ich mich beschwere, dass viele Sportgeschäfte einfach keine Laufsachen für fette Leute haben, will ich ja zum einen als fette Frau trotzdem als Kundin wahrgenommen werden – zum anderen ist aber ja ein offensichtliches Ziel, etwas an meinem Gesundheitszustand zu ändern, ja vielleicht sogar etwas abzunehmen. Das ist auch eine Form von Fat Acceptance.

    Die andere Schiene besteht darin, ungesunde Verhaltensweisen abzulegen – und rein mechanisch betrachtet gehört Übergewicht einfach zu negativen Faktoren für die Gesundheit. In meiner Familie sind so ziemlich alle fett, und alle bezeichnen sich als „gesund“ – bis auf die Herz- und Nierenprobleme, die Gelenk- und Hautprobleme, die Magenprobleme, die psychologischen Probleme (Neigung zu Depression), …

    Ich ja auch. Dann habe ich angefangen, für eines der wohlhabendsten Länder der Erde medizinische Berichte zu übersetzen und mir mal genau anzuschauen, was das Übergewicht und die falsche Ernährung den Leuten alles so antun. Seitdem arbeite ich daran, Verhaltensweisen zu ändern und gesünder zu leben. Ist doch etwas anderes, wenn man das alles schwarz auf weiß sieht.

    Heißt das jetzt, dass ich meine Eltern und Schwestern permanent beschimpfe, weil sie übergewichtig bleiben? Oder dass ich sie für weniger wert halte? Nö. Ich akzeptiere sie als Menschen – aber was ungesund ist, bleibt ungesund. Oder führen wir als nächstes „Smoke Acceptance“ und „Booze Acceptance“ ein? Ich hoffe doch nicht!

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  5. Hotte

    Ich verstehe gar nicht, warum sich Selbstliebe und Gewichtsreduktion ausschließen sollen. Für mich war der erste Schritt, mich in meinem Körper, wie er mit 150kg war, zu akzeptieren und mich so sehr wertzuschätzen, dass es mir die Mühe wert ist, den Arsch hochzukriegen und endlich mal abzuspecken.
    Wenn ich mich nur vor mir selber ekel und jede Bewegung vermeide, weil ich es nicht ertragen kann zu schwitzen oder die Fettmasse wabbeln zu spüren, ist das nicht unbedingt hilfreich in Sachen Gewichtsreduktion.
    Andererseits kommt man natürlich keinen Schritt vorwärts, indem man sich sagt „Jetzt warte ich erstmal ab, bis meine Depressionen weg sind, dann kann ich anfangen mit Abnehmen.“ Das funktioniert nämlich nicht. Zumindest bei mir verschwanden 80% meiner depressiven Verstimmungen, sobald ich mit der Bewegung anfing, ganz von selbst.

    Inhaltlich ist es natürlich richtig, dass auch ein extrem übergewichtiges Kind Liebe braucht. Doch denke ich, dass man auch einfach selbst mit gutem Beispiel vorangehen und angemessene Nahrungsaufnahme vorleben kann. Dazu ist es nicht notwendig, dem Kind einzuimpfen, es sei nicht in Ordnung, so wie es jetzt ist. Es entwickelt sich mit der Zeit von selbst in die gewünschte Richtung.
    Bei mir selbst – und aus der Elternsicht kann ich nicht mitreden – war es so, dass jedes „Kind, Du musst dringend abnehmen!“ im Wechsel mit dem Angebot von Süßigkeiten im Übermaß und „Iss Deinen Teller leer“ bei mir den gegenteiligen Effekt hatte und Trotzreaktionen hervorgerufen hat.
    Die einzige merkliche Änderung an meinem Essverhalten war eine vegetarische Phase, die ich mit 14 hatte und stolze drei Wochen durchgehalten habe. Dieses Experiment hat mir damals gezeigt, dass mir die Kraft fehlte, meine eigenen Bedürfnisse durchzusetzen.

    Ich bin allerdings ganz bei Dir, Nadja, dass es scheisse ist, wenn die Dünnen den Dicken – warum auch immer – sagen, sie sollen mal ruhig dick bleiben.

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    1. Mona

      Sehe ich auch so mit dem zuerst akzeptieren, wie man ist und dann in die Richtung verändern, wie man gern in der Zukunft sein möchte.

      Bei der Behandlung meiner Depris ist Sport auch wichtig, aber allein würde Sport bei mir keine so große Verbesserung bringen. Vielleicht 30%? Aber durch die Fitness fallen mir andere Dinge, die ich zur Behandlung der Depression machen möchte natürlich leichter und ich kann mich besser entspannen, wenn ich mich vorher angestrengt habe. Es ist auf jeden Fall ein wichtiger Faktor.

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  6. Ich kann verstehen, warum „deine“ Abnehmmethode als nicht allerbeste angesehen wird, Multivitamin-Tabletten und hohes Defizit sind im Volksmund (im Sinne von: „Bild der Frau“-Leser :D) keine „gesunde“ Methode Gewicht zu verlieren. Ich persönlich sehe dein Abnehmvorgang als eine Art Projekt/Epxeriment.

    Faktisch hast du bewiesen: Solange alle Nährstoffe vorhanden sind, ist nur noch die Kalorienzufuhr relevant. Dafür möchte ich mich kurz bedanken, denn diese Sichtweise erlaubt es mir das Essen eher „technisch“ zu betrachten. Ich muss mir nicht den Salat reinzwängen, wenn ich stattdessen auch ein Schnitzel essen kann. (Oder Kinderringel…)

    Aber zum Artikel:

    Die erste Hälfte des Fatshamings finde ich gut: Dicke Menschen sollten nicht wegen des Gewichts diskriminiert werden. Vielleicht ist es ihre eigene Entscheidung so dick zu sein (z.B. weil es Ihnen egal ist, wie eine Zeit lang bei dir; wie du im Buch beschriebst) Vielleicht können sie nichts dafür. (Ich war schon immer dick und mit sechs (6) isst man halt alles) Auch für Leute, die dick sind und nicht dick sein wollen, gilt das.

    Die zweite Hälfte, das erklären das „dick sein“ gesund ist, kann ich absolut nicht verstehen. Klar kann man der Meinung sein: „Mir ist egal wie viel ich wiege und ich fühle mich wohl“ – aber das hat nichts mit der körperlichen Gesundheit zu tun. Daher würde es mich mal interessieren, wie diese Linda Bacon (btw erkenne nur ich die Ironie in dem Namen?) Gesundheit definiert

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    1. Wobei man nicht vergessen sollte, daß ein Salat eine ausgezeichnete Methode ist kalorienarm den Magen zu füllen.
      Meine liebsten Essenstage sehen so aus, daß ich möglichst lange nichts esse, dann soviel mageres Fleisch daß mein Proteinbedarf gedeckt ist zusammen mit genug wässrigem Gemüse daß ich satt werde und den Rest des Budgets verballere ich dann mit Schokolade oder sonstigem Junk.

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    2. Mona

      Ich empfinde jedes Abnehmen als Projekt/Experiment. Auch wenn man vor 10 Jahren das so und so gemacht hat, heißt es ja nicht, dass man das dann nochmal genauso machen kann oder will. Es kommt ja auch viel darauf an, wie der Alltag ist, wie man sich fühlt, welche speziellen Bedürfnisse man hat.
      Das eine Mal hat man Lust auf LowCarb, das andere Mal will man lieber mit täglichem Schokoeis abnehmen. Genauso hat man mal Lust wirklich viel Sport zu machen und Muskeln aufzubauen und es gibt Zeiten, wo man lieber nichts zusätzlich in seinen Alltag einbauen will.

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  7. „Diese Menschen HABEN das “Schlankheitsprivileg”“
    Meine Theorie ist ja: die wollen unter sich bleiben und fürchten Konkurrenz. Das Schlimmste wär doch, wenn du schlank bliebst und die langsam zunähmen, bis sie irgendwann dicker sind als du. 🙂

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    1. Mona

      Ich find, die anderen Plakate sind gegen so allgemein Dinge, die alle schlecht finden, wie bullying.
      Die Frau Bacon ist gleich gegen „fighting childhood obesity“, obwohl gar nicht allgemein zu sagen ist, dass das etwas Schlechtes ist. Die Leute denen das Kind am Herzen liegt, die denken langfristiger und wollen natürlich, dass sich das Übergewicht verwächst und es ein ganz gesunder Erwachsener wird. Sie will die Kinder einfach so dick lassen, wie sie sind.

      Den Abschnitt find ich gut:
      „Wenn Alkoholiker sich gegenseitig darin bestärken, dass das Feierabendbierchen auf keinen Fall ein Problem darstellt ist das verständlich. Aber wer seinem Freund mit den hohen Leberwerten eine Flasche Schnaps in die Hand drückt und ihn ermutigt, ruhig weiter zu saufen, während er selbst an einem Wässerchen nippt, ist ein echtes Arschloch.“

      Von solchen Leuten gibt es bestimmt genug auf der Welt, die wollen, dass die Alkis weiter trinken, weil sie dann lustiger/ruhiger/weniger nervig sind oder einem Dicken einen Kuchen backen, damit sie daneben als toller Freund darstehen. Jemanden zu akzeptieren und ihn nett zu behandeln ist ja was ganz anders als ihn dann auch noch krank zu machen und sich selbst zu verschonen.

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  8. Semikolon

    „Ich kann nicht mehr zählen, wie oft mir explizit von Normalgewichtigen oder leicht Übergewichtigen gedankt wurde, die im Prinzip alle sagten: “Ich habe mich immer unwohl gefühlt, aber meine Umwelt hat mich unter Druck gesetzt, dass meine Wahrnehmung falsch/gestört sei und ich mich akzeptieren muss, wie ich bin. Jetzt habe ich mit Sport angefangen, ein paar Kilo abgenommen und fühle mich endlich wohl in meinem Körper.”“

    Und ich bin gerad voll geflasht, weil ich mich gestern erst (endlich) dazu hinreißen ließ, mich bei fddb zu registrieren.
    Ungeahnte Möglichkeiten!
    Ein derartiges Kontroll-Gefühl bezüglich dessen, was ich zu mir nehme, hatte ich noch nie auch nur ansatzweise.

    Tageserfolg: nach einem Matjesbrötchen, einer Fruchtbuttermilch, Tomate mit Mozzarella und einem Liter Cola hat genau diese Seite mich davon abgehalten, die nächste Flasche Cola zu öffnen, weil ich mit deren Verköstigung wohl über mein Soll gerutscht wäre, dann lieber ne (Frust-)Möhre und den zweiten Liter Wasser anbrechen.
    Phantastisch! Sowas hab ich gebraucht.

    Über kurz oder lang hab ich vielleicht gar die Chance, meinen nüchtern betrachtet wirklich krassen Nährstoffmangel anders als mit Nahrungsergänzungsmitteln auszugleichen – mit denen ich auch erst seit ein paar Wochen rumhantiere. Aber ich glaub, das wird schon ein bisserl tricky werden.
    Immerhin habe ich jetzt Ansatzpunkte (so ahne ich nun bereits, dass ich nicht wirklich Eisen-, sondern Kuper- und Zinkmangel habe, was dann dazu führt, dass… usw.)

    @emn Ich habs Buch nicht gelesen bisher (jaja, deshalb magste mich nich^^), erklärst Du da auch detailliert, wie Du die ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralien sichergestellt hast während der Abnehmphase (trotz Schleichwerbungsgefahr^^)?

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  9. Alena Kane

    Das wundert mich jetzt, dass es vor Allem die Normalgewichtigen sind, die auf Fatacceptance machen.
    Ich bin jetzt mal ganz böse und streue die Behauptung in die Runde, dass es durchaus einige gibt, die möchten, dass sie mit ihrem Normalgewicht als „ungewöhnlich schlank“ aus der Reihe der Dicken herausfallen und positiv auffallen. An dem Spruch: „Meine Diät? Ich backe Kuchen für alle meine Freunde. Je dicker die werden, desto dünner sehe ich neben ihnen aus“ ist irgendwie etwas Wahres dran…
    Wäre „schlank“ der Normalfall, dann müsste man ja am Ende schlank UND sportlich sein, um positiv aufzufallen und das würde wieder Anstrengungen bedeuten… Mag besonders für die unsportlich-schlanken oder an-der-Grenze-zu-leicht-übergewichtig-schlanken Leute durchaus ein Argument sein.

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  10. Ich glaube fest daran, dass niemand einem anderen überhaupt sagen sollte, wie derjenige zu leben hat, weder die Dünnen den Dicken noch andersherum.
    Ich möchte aber kurz als Nebenstrang anführen, dass es manchmal durchaus Sinn macht, sich für Themen einzusetzen, von denen man u.U. nicht selbst betroffen ist. Zum Beispiel Männliche Feministen oder weiße Anti-Rassisten kann zumindest nicht vorgeworfen werden, sie wären „zu nah dran“ und „nicht objektiv“, und gerade deshalb ist ihre Mitarbeit so wichtig. Wenn jede Gruppe nur für sich selbst kämpfen oder reden dürfte, wäre es beispielsweise um körperbehinderte oder chronisch kranke Menschen schlecht bestellt. Allerdings sollten solche Allies dann nicht die betroffenen Menschen entmündigen, da bin ich ganz bei dir.

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    1. In Sache Fatacceptance geht es halt um den dysfunktionalen Anteil, der nicht gegen Beleidigung und Diskriminierung ist sondern gegen Aufklärung. Das Klippenbeipiel ist insofern passend, finde ich.

      Es ist immer scheiße, Leuten zu sagen „Nönö, da ist kein Abgrund, da kannste ganz unbesorgt tanzen und springen.“ wenn man an einer Klippe steht. Aber wenn man selbst darüber hinaus auch noch schön in sicherer Entfernung steht, ist es halt besonders mies.

      Ich halte im übrigen auch so gar nichts davon, Leuten Vorschriften zu machen und ihnen z.B. zu verbieten an Klippen zu tanzen. Aber das heißt eben nicht, dass man dann gleich alle Warnschilder niederreißt und so tut, als gebe es gar keine Klippe.

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      1. Wir sind da schon einer Meinung, denke ich. Ich bin nur genervt vom häufigen Vorwurf, man sei bigott oder „Gutmensch“, der in deinem Text nicht, aber in einigen Kommentaren durchaus auch auftaucht.

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      2. Mona

        Der guardian-Artikel bezieht sich ja nur auf Arbeitslose. Ist doch schön, dass nach den Leuten geschaut wird und man versucht ihnen zu helfen. Es hilft ihnen doch, wenn sie wieder arbeitsfähig gemacht werden, ob sie dann arbeiten gehen, ist eine andere Sache. Ich stelle mir auch vor, dass sehr viele arbeitslose Alkoholiker, Drogenabhängige und adipöse Menschen eventuell psychisch auch leiden. Sie würden von sich aus wahrscheinlich nicht mal auf die Idee kommen, dass für sie eine Therapie in frage kommt und man denen helfen kann. Vielleicht haben die sich aufgegeben oder wissen einfach nichts über unterschiedliche Therapien oder stellen sich solche Dinge einfach falsch vor.

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      3. Semikolon

        der zentrale Satz:

        „But it also questions whether such people should continue to receive benefits if they refuse government-provided treatment.“

        Die Regierung will entscheiden, ob und welche Therapie Du als ihr Untertan machen sollst, und will Dir ansonsten die für Dich überlebenswichtigen Sozialleistungen streichen.

        Günstigenfalls ist bis dahin bereits die Beihilfe zum Suizid abgedeckt durch Menschenrecht, was wir da sparen könnten…^^

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      4. Ich hatte ja damals den Shitstorm mitbekommen und besonders bezeichnend fand ich eine Teilnehmerin, die ihre dünnen (!) Beine postete und in etwa schrieb „BMI 25, ein Punkt mehr und ich bin fett, tihi tihi“ (oder so).

        Man möchte sie schlagen. Einerseits für ihre komplette Verkennung der tatsächlichen Probleme (stark) übergewichtiger Menschen, andererseits für ihr dämliches „Guck mal wie feeeeeeeettt ich bin, mir passt nicht mal mehr die Hotpants in 36 (bitte sag mir dass ich heiß bin, bitte bitte bitte)“- Getue.

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  11. IULIUS

    Es gibt nicht wenige Menschen, denen es nur gut geht, wenn andere am Boden liegen und leiden. Grundsätzlich dürften die wenige Freunde in ihrem Umfeld haben. Das Internet ist da ein Ort, wo die irgendwie noch Aufmerksamkeit erlangen.
    Sich über solche Menschen privat aufzuregen bringt nicht wirklich was, – außer schlechte Laune.

    Problem ist nur, wenn man mit denen in Berührung kommt, weil sie in irgendeiner Behörde sitzen und dort ihre „gottgleiche Weisheit“ bestätigt wissen wollen.

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  12. Dann sehen wir es doch so. Wir bemitleiden die Dicken Leute, weil denen Solo viel vom Leben abgeht. Sie können keine schönen Wanderungen machen, sehen meist nicht schön aus, sind schnell ausser Atem, haben Probleme bei der Partnersuche, gehen grosse gesundheitliche Risiken ein und haben sicher Schmerzen in Gelenken etc.
    Also, grinsen und sagen, ARME, aber selber schuld!

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    1. Mona

      So würde ich das nicht sagen.
      Dicke Leute sind ja nicht automatisch besser oder schlechter dran als jeder andere Mensch. Wir sind doch noch recht individuell.
      Viele können bestimmt schöne Wanderungen machen, sehen super aus, kommen nicht so schnell außer Atem, haben kein Problem bei der Partnersuche und haben keine Schmerzen. Trotzdem gehen Übergewichtige halt ein größeres Risiko ein, dass bei denen schneller Krankheiten ausbrechen oder dass die Gelenke schneller durch sind als bei schlankeren älteren Leuten. Nur weil man schlank ist, heißt es ja auch nicht, dass man nie krank wird. Man braucht niemanden bemitleiden. Ein wenig Mitgefühl reicht schon.

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  13. Luc

    SJWs sind eben Leute mit einem großen Bedürfnis, sich selbst als gut zu erleben bei gleichzeitiger Überforderung, Sachverhalte tatsächlich zu durchdringen. Mit Nächstenliebe hat das Ergebnis nichts zu tun, das ist verklärter Egoismus (ich will gut sein!) gepaart mit dem Bedürfnis nach klaren Fronten.

    Dafür sind einfache Gedankenmuster wie

    Dicke Menschen erleben gesellschaftliche Nachteile —> man muss Dicksein als normal und gesund darstellen!

    eben genauso gut geeignet wie „Frauen werden überall unterdrückt“. Mit Grautönen und Zwischenstufen wie „Dicke anpöbeln geht gar nicht, aber Dicksein birgt Gesundheitsgefahren. Akzeptanz des konkreten Menschen ja, aber Ermuntern zum Dicksein bis hin zu Shaming für Abnehmen nein“ sind diese Leute hoffnungslos überfordert.

    Außer jemand nimmt sie an die Hand, erklärt ihnen die Welt und zeigt ihnen, wie sie trotz plötzlich komplexer Sachverhalte zu den Guten gehören können. Also nicht aufgeben Nadja 🙂

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  14. Ich bin selber skinny fat und höre ständig, ich „dürfe aber auf keinen Fall weiter abnehmen“ – und zwar völlig egal, ob ich zu-, abgenommen oder mein Gewicht gehalten habe.

    Das Problem, das man als Mensch im Normalgewichtsbereich oft hat, ist die Verständigung. Für den Satz „man kann nicht mehr zunehmen, als man zu sich nimmt“ habe ich von einer Freundin im Teeniealter (sie hatte leichtes Übergewicht) einen erstaunten Blick geerntet und dann ging die Glühbirne über ihrem Kopf auf.
    Gleicher Satz, fünfzehn Jahre später, Kaffeetafel bei der Familie einer Freundin. Ich wie immer skinnyfat Normalgewicht, meine Freundin hatte damals gerade erfolgreich von etwa 80 auf 58kg abgenommen, der Rest ihrer Familie war übergewichtig. Ich wurde nie wieder eingeladen, weil ich mit dem Satz ja die Mutter beleidigt und ihr unterstellt hätte, sie würde „maßlos fressen“.

    Wenn ich mit dicken Freunden zusammen sitze, ist mir deren Gewicht völlig wumpe. Ich weiß, dass sie gesundheitliche Probleme haben, sie wissen es auch, wir reden nicht drüber. Weil mir nämlich im Falle von „solange Du Dich wohlfühlst …“ Fettacceptance unterstellt wird und im Falle von „Du solltest mal darüber nachdenken, Dein Gewicht zu reduzieren“ Diskriminierung.
    Sobald aber ich äußere, dass ich ein paar Kilo abnehmen und fitter werden will, kommt ein höhnisches „Wo willst Du denn noch abnehmen, am Ohrläppchen?“

    Tatsächlich ist es sehr, sehr schwer, über dieses Thema zu reden, da Übergewichtige oft glauben, sie könnten gar nicht abnehmen und Selbstakzeptanz oft mit Fettakzeptanz verwechseln, schlanke Menschen wiederum zum Thema Gewicht und Abnahme einfach nicht ernst genommen werden, da sie das Problem ja gar nicht kennen.

    Ich habe nach wie vor kein Patentrezept für den Umgang miteinander, ohne den großen rosa Elefanten nicht weitestgehend zu ignorieren. Sicher ist aber, dass ich Menschen nicht nach ihrem Gewicht beurteile, sondern nach ihrer Persönlichkeit. Ein dicker Hintern fällt mir auf, aber ich käme nie auf die Idee, die Person deshalb zu beleidigen.

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  15. Pingback: 92,4kg und neue Ausdrücke – abspeckblog

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