Ärzte.

Eine interessante Studie mit Ärzten und Medizinstudenten, die normalgewichtige, leicht übergewichtige und adipöse Männer einschätzen sollten, ergab, dass diese stark dazu neigten, Übergewicht zu unterschätzen.

4 von 5 Normalgewichtigen wurden korrekt eingeschätzt.

2,4 von 5 leicht Übergewichtigen wurde korrekt als Übergewichtig gesehen, also über die Hälfte wurde fälschlich nicht als übergewichtig wahrgenommen.

Bei den Adipösen waren es nur noch 1,7 von 5, die als adipös gesehen wurden, was bedeutet, dass etwa 2/3 der krankhaft Fettleibigen von Medizinern nicht als solche gesehen werden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ärzte über Gewichtsmanagement sprachen, hing jedoch stark damit zusammen, wie sie das Gewicht des Patienten einschätzten. Fazit der Studie:

This sample of predominantly trainee GPs perceived overweight and obese weights as being of lower BMI and weight status than they actually are, and this was associated with a lower intention of discussing weight management with a potential patient. (Die Ärzte schätzten die übergewichtigen und adipösen Patienten schlanker ein, als sie tatsächlich sind und das war begleitet von einer geringeren Absicht, mit diesen über das Übergewicht zu sprechen.)

Edit: Interessantes Ergebnis war auch, dass der geringste tatsächliche BMI bei 19,38 lag, und von den Ärzten niedriger geschätzt wurde (19,19). Wenn die Studie BMI 20 als Cutoff verwendet haben sollte, dann würde das bedeuten, dass einige der Normalgewichtigen eher als Untergewichtig verortet wurden.

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18 Gedanken zu “Ärzte.

  1. Nur erwarte ich von einem Arzt nicht, dass er schätzt, sondern dass er wiegt und misst und dann feststellt wo der BMI liegt. Dass allerdings die subjektive Wahrnehmung von ‚der is ja gar nicht so fett‘, die Reaktionen beeinflussen kann, ist natürlich logisch. Was ich jetzt noch interessant fände, wären die BMIs der Mediziner selbst. Denn ich könnte mir vorstellen, dass das auch eine nicht unerhebliche Rolle in der Beurteilung spielt.

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  2. Bei mir fand es der Hausarzt auch nicht schlimm als ich wegen „vermeindlicher Magenschleimhautentzündung“ auf 57 Kilo abnahm (bei 1.73 Grösse) und ca 45 Alter. 15 Jahre früher, gings bei der gleichen Problematik auf 50 Kilo runter bis ich zum Spezialisten kam. Die waren dann immer ziemlich empört, mich erst so spät überwiesen bekommen zu haben und seither vertraue ich den Hausärzten nicht mehr wirklich.

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  3. Kati

    Meine Hausärzte habe mich noch nie gewogen. Früher hatte ich mal einen Gyn, der das gemacht hat. Aber heute wiegt mich kein Arzt. Normalerweise fragen sie auch nicht nach dem Gewicht.
    Nur in meiner richtig dicken Phase hat mal einer gefragt, als ich schlimme Wassereinlagerungen an den Knöcheln hatte (damals Ü 100) und mir dann auch in Gewissen geredet.

    LG

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  4. Freak

    Hm, ich denke, dass Ärzte da denselben Einflüssen unterliegen, wie andere Menschen. Dass es auch übergewichtige Ärzte gibt und dass generell die Tendenz besteht, ÜB, also BMI unter 30, als „normal“ zu erachten. Und vermutlich ist ein solcher BMI für die meisten Ärzte medizinisch nicht derart signifikant, dass sie direkt zu einer Abnahme raten.

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  5. MiSa

    Ich kann mir auch vorstellen, dass manche Ärzte da schlechte Erfahrungen gemacht haben. Manche Übergewichtige reagieren doch recht allergisch darauf, wenn man Gesundhetsprobpleme auf ihr Gewicht schiebt. Und das erspart man sich dann vielleicht lieber, außer das Übergewicht ist doch zu arg und nicht mehr zu beschönigen. Und
    Natürlich sollten Ärzte auch unangenehme Wahrheiten aussprechen (wenn sie sie denn sehen), aber: Es sind eben auch nur Menschen.

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  6. Mean(th)ing

    Anekdote zum Thema Ärzte: Ich war letzte Woche bei meiner Hausärztin, da ich nach 3 Wochen Kalorienreduktion von 1800-2000kcal/Tag auf 1200-1300kcal/Tag bei gleichbleibendem sportlichem Verhalten kein einziges Gramm abgenommen habe (aber auch nicht zugenommen).
    Ich schilderte ihr diesen Sachverhalt, sie: „Naja, Ihr BMI ist im oberen gesunden Bereich. Sie können abnehmen, wenn sie wollen, müssen sie ja aber nicht.“ (Das mein KFA im leicht übergewichtigen Bereich liegt hat sie nicht interessiert.)
    Ich: „Ich versuche ja abzunehmen, nur klappt das nicht. Ich frage mich, ob wohl etwas mit meiner Schilddrüse nicht stimmt…“
    Sie: „Nein, das ist ganz normal am Beginn einer Diät. Ihr Stoffwechsel merkt, dass es weniger zu Essen gibt und versucht das mit vermehrten Einlagerungen auszugleichen. Sie sollten ihr Kaloriendefizit reduzieren.“
    Ich: „Ähm… aber das mit dem Hungerstoffwechsel ist doch ein Mythos. Studien belegen…“
    Sie: „Hach, ich kann das nicht leiden wenn Patienten zwei Seiten im Internet lesen und dann meinen, sie wüssten es besser!“ (Da hab ich erstmal gar nix gesagt und innerlich bis 10 gezählt.)
    Ich: „Naja, mich wundert es eben. Könnten Sie denn eine Schilddrüsenuntersuchung machen?“
    Sie: „Ohne Indikation wird das für Kassenpatienten aber teuer.“
    Ich: „Aha. Es liegt also keine Indikation vor. Schade. Ich melde mich dann.“
    Morgen such ich mir nen neuen Hausarzt.

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    1. Also rechnerisch müsstest du 1,5kg Fett abgenommen haben(?)… liegt natürlich noch voll im Wassereinlagerungs-Bereich, aber bei 3 Wochen deutet das schon darauf hin, dass irgendwas nicht ganz stimmt. Schilddrüse, Nährstoffmangel, Hormone… ich wundere mich doch sehr, dass die Ärztin da keine Indikation sieht. Krass. Meie hat bei sowas immer direkt den Bluttest gemacht (zugegeben, meistes war alles OK, und die Wassereinlagerungen gingen von alleine weg^^)

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    2. Mona

      Du hattest in den 3 Wochen auch keine Schwankungen? Finde ich wirklich interessant.

      Ich weiß nicht, ob du weiblich bist, aber bei 3 Wochen musste ich an den weiblichen Zyklus denken und dass da bei mir auch eher mit mehr Gewicht zu rechnen ist, je nachdem wann die 3 Wochen starten und enden.

      Ich hab leider auch solche Ärzte erlebt.
      Ich nehme Medikamente und muss immer mein Gewicht sagen, das wird auch fleißig aufgeschrieben und ich sage dann auch immer „Hab schon wieder zugenommen, weil ich einfach immer Hunger habe und ich kann es einfach nicht lassen zu essen, weil der Hunger so stark drängt und durchs Essen nicht weggeht.“ Erst als ich extra vorgerechnet habe, dass ich in einem Jahr 18 kg zugenommen habe und wirklich Übergewicht habe, wurde ich über einen Medikamentenwechsel beraten. Sie schauen einen einfach an und wenn man halbwegs durchschnittlich noch ausschaut, dann sagen die immer „Ist doch aber nicht viel und nicht schlimm.“ Natürlich ist es schlimm, wenn ich nichts mehr zum anziehen habe, mich nicht mehr erkenne und mir die Gelenke ständig wehtun.

      So eine Verhandlung muss ich auch führen, wenn ich dort wegen der Medikamente mein Blut untersuchen lassen will, wenn es ewig nicht mehr gemacht wurde. Da waren einige Werte nicht normal. Die wollten mir kein Eisen verschreiben, ich musste mir den Blutwerten zum Frauenarzt, die das ernster nimmt, wenn Werte nicht stimmen. Dann waren da Leberwerte gemarkert und ich fragte, wieso das so ist und sie meinten, dass alles ok sei. Ich glaub ja schon, dass ich keine Leberkrankheit hab und es nicht schlimm ist, aber man kann mir doch mal erklären wie die Werte sich geändert haben, also nicht mehr im Normalbereich sind, und nicht so tun als wäre alles supi-dupi.
      Ich mag es nicht, wenn mir Infos verschwiegen werden. Es sind ja meine Blutwerte, diese Zahlen gehören den Ärzten ja nicht und es ist nichts, was sie vor mir geheim halten sollten.

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      1. Mean(th)ing

        Ich fand es halt klasse, dass sie der Fettlogik schlechthin aufgesessen ist und MIR vorwirft, ich hätte „2 Seiten im Internet gelesen“. Halleluja. Dabei war mir die Frau sonst echt sympathisch.
        @Mona: Ich wiege mich nicht jeden Tag, sondern nur einmal die Woche im Fittnesstudio (habe keine Waage zuhause). Daher kann ich nicht sagen, wie die Tagesschwankungen aussehen. Aber beim normalen Zyklus habe ich eher 0,5 kg Schwankung, und die lag bei Woche 2 in der Mitte. Also das sollten nicht die von mir eig. errechneten 1,5 kg sein. Weil mich das verunsichert hätte ich es gerne abgeklärt.

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      2. Cage

        Hast du neben der Kalorienreduktion irgendwas verändert? Nahrungsmittelwahl? Salzgehalt? Trinkmenge?
        Wie reagierte deine Verdauung auf die Umstellung? Stuhlgang noch ebenso regelmäßig wie vorher?
        Ich hänge teilweise auch 2-3 Wochen auf einem Gewichtsniveau rum, dann gehts schlagartig ein gutes Stück runter. Aber entweder ich kann Wasser dafür verantwortlich machen (Zyklus + Trinkverhalten) oder mit der Verdauung ist nicht alles astrein. Heute bin ich z.B. deutlich schwerer als erwartet, ich konnte aber auch schon 2 Tage nicht vernünftig was absetzen auf dem Klo und habe vorgestern zu wenig getrunken.

        Ich würde mir an deiner Stelle wirklich eine Waage anschaffen (eine günstige reicht ja um die einfachen Gewichtsschwankungen anzusehen) und meinen Körper noch genauer beobachten. 1,5kg können über Wasser und Darminhalt leicht untergehen, gelegentlich zeigen sie sich auf der Waage aber doch mal.
        Auch den eigenen besten Wiegezeitpunkt zu finden kann spannend sein. Ich bin mittags z.B. oft leichter als morgens.

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      3. Mona

        Wie kommt das, dass du mittags leichter bist?
        Ich stehe morgens auf, geh pinkeln und danach hab ich mein leichtestes Gewicht für den Tag. Wenn ich danach nachsehe, wiege ich immer mehr, auch wenn ich nur zwei Schluck Wasser hatte und danach wieder pinkeln war.

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      4. Cage

        Keine Ahnung. Meine Theorie ist, dass meine Nieren tagsüber aktiver sind und ich morgens noch „Restwasser“ vom Vortag rumschleppe. Morgens nach dem ersten Pinkeln bin ich immernoch 200-400 Gramm schwerer als mittags, wenn ich nach 2 Pötten Kaffee, 1-2 Litern Tee und ein bißchen Bewegung noch mehrmals auf Toilette war.
        Hat mich auch erstmal verwundert, aber der Effekt ist wiederholbar.

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      5. Mona

        Das mit den Nieren kann echt sein. Ich hab auch ab und zu Tage, wo ich aufwache und meine Beine noch von abends angeschwollen sind oder mein Gesicht angeschwollen ist, wenn ich dann was trinke und mich bewege, geht das Wasser aus dem Gewebe auch besser raus als nachts. Zum Glück ist es normalerweise bei mir so, dass ich abends mit ganz dicken Beinen schlafen gehe und morgens mit halbwegs normalen Beinen aufwachse und erstmal dringend aufs Klo muss, um das Wasser wegzubringen.

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  7. arielle

    Zu dem Thema muss ich was beitragen. Ich habe Hashimoto-Thyreoditis und eine Unterfunktion bemerke ich an raschen Gewichtszunahmen, unter anderen, recht einschränkenden Symptomen. Leider ist der TSH-Wert dauerhaft supprimiert, lange wusste ich nicht, dass dies der Grund war, weshalb Ärzte mich zu niedrig einstellten.

    Bei einer dieser Gespräche meinte die junge Nuklearmedizinerin, es sei doch völlig normal ab 40 ein Kilo pro Jahr zuzunehmen. Bei mir waren es fünf und im Alter von 70 würde man dann 30 Kilo zugenommen haben sollen?
    Und ich hatte immer gedacht Mediziner seien im wissenschaftlichen Denken geschult…

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  8. Judith

    Ich habe immer schon viel Sport gemacht und wurde regelmäßig leichter geschätzt als ich war. Das sollte mir noch oft zum Nachteil gereichen und ich habe irgendwann aufgehört mcih darüber zu wundern, warum andere mir unterstellen dabei zu lügen und teils sehr böse reagiert haben, wenn ich darauf hingewiesen habe, dass ich z.B. 5 kg mehr wiege als sie mich geschätzt haben.

    Gerade bei manchen Ärzten hat das aber zu Problemen geführt. Für die war ich dann nämlich nicht
    „Judith, die normalgewichtig ist“, sondern „Judith, die untergewichtig ist, sich schwerer empfindet als sie ist/falsche Gewichtsangaben macht und vermutlich eine Essstörung hat“.

    Das ließ sich zwar auflösen, indem ich mich dann eben vor dem Arzt gewogen habe und mitunter haben meine Blutwerte das auch bestätigt, dass mit mir alles ok ist/ich gesund bin, aber trotzdem … Zumal ein Arzt trotz Wiegen auf meinem Erscheinungsbild nachfolgend herumgeritten ist. Er selbst war eher mollig/korpulenter gebaut und manchmal habe ich mich gefragt, ob er mich deshalb dünner (und damit dann zu dünn) wahrnimmt als ich bin. Egal was die Waage dazu sagt.

    Dabei hatte ich nichtmal Untergewicht. Ich habe das nie verstanden. .. Das Einzige, woran es teils liegen könnte ist, dass cih einen schmalen Oberkörper und wenig Oberweite habe und auf meiner geringen Oberweite eben auch oft herumgeritten worden ist (von meinem privaten Umfeld, also Eltern, Geschwister etc.)und die bei denen dafür herhalten müsste, dass ich „zu dünn“ wäre (trotz Normalgewicht laut BMI).

    Später in einer anderen Stadt (wegen des Studiums) habe ich solche Erlebnisse und Reaktionen anderer zum Glück nicht mehr gehabt. Auch nicht bei Ärzten. Es ist das erste Mal gewesen, dass meine Erscheinung von anderen nicht negativ (eben als zu dünn etc.) kommentiert worden ist. Es gab dort noch mehr schlanke Frauen, auch dünner als ich, und damit war ich dann zum Glück endlich diesen blöden Exotensstatus los und lag in der „gefühlten Norm“ der anderen.

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