Gastbeitrag: Everything is bigger in Texas

Diesen Spruch findet man auf vielen Souvenirs wie zum Beispiel Magneten, Schlüsselanhängern oder T-Shirts. Und ja, Texas ist an sich schon ziemlich groß, von der Fläche her nicht ganz doppelt so groß wie die Bundesrepublik. Die Autos sind größer, und damit auch die Straßen und Parkhäuser etc. Die Häuser sind insgesamt größer und dafür nicht so hoch. Davon abgesehen sind aber auch viele der Menschen, die dort leben, „bigger“, und damit meine ich nicht Körpergröße, sondern –gewicht. Ich vermute, es gibt keine Erhebung, wie viele Kilos ein Durchschnittstexaner auf die Waage bringt, aber die Zahl dürfte größer sein als in Deutschland. Ein bisschen Recherche im Internet bestätigt diesen subjektiven Eindruck:
Nach der Gesundheitsberichterstattung des Bundes wiegen deutsche Männer im Schnitt je nach Alter zwischen 80 und 85 kg, für deutsche Frauen werden Werte zwischen 60 und 70 kg angegeben.
In Dallas County (dafür habe ich eine Statistik gefunden) wiegt der Durchschnittsmann umgerechnet 88,5 kg. Die Durchschnittsfrau wiegt umgerechnet 79 kg. Besonders Frauen sind also im Schnitt deutlich schwerer als in Deutschland (die Kleidergrößen sind daran schon angepasst, was man besonders bei T-Shirts gut merkt). The Health Status of Texas benennt zwar keine durchschnittlichen Angaben, berichtet aber, dass 32,3% der Erwachsenen und 15,6% der Jugendlichen „obese“ sind, d.h. einen BMI über 30 haben. Insgesamt sind 62% der Erwachsenen übergewichtig (ab BMI 25).
Meiner Erfahrung nach (3 Wochen Urlaub in der Nähe von Houston bei einer Freundin) beruht das auf zwei Faktoren: Bewegungsunfreudigkeit (auf Englisch klingt das netter: sedentary lifestyle) und Ernährung.
Ich fange mal mit der Bewegung an. Mein Mann und ich sind durchschnittlich bewegungsfreudig. Wir gehen sehr viel spazieren (vor allem beim Geocachen) und ich mache zu Hause noch Krafttraining. Mit unserer Vorliebe dafür, Wege zu Fuß zurückzulegen, wurden wir in Texas schon einigermaßen schräg angesehen. Zumindest in Tomball geht man nicht zu Fuß, dort wird alles mit dem Auto erledigt. Allenfalls fährt man in einen der vielen Parks, um dann dort etwas spazieren zu gehen. Wann immer wir da waren (mitten in den amerikanischen Schulferien) war dort aber gar nichts los. Ich muss aber auch zugeben, dass es nicht besonders viel Spaß macht, zu Fuß unterwegs zu sein, weil es so gut wie keine Gehwege gibt, nur um die Schulen herum und neben einigen Straßen im Zentrum. Eine rühmliche Ausnahme war da nur San Antonio. Außerdem ist es im Sommer sehr sehr warm, und Schatten gibt es kaum. (Dass ich im Park dann von der lokalen Moskitopopulation quasi leergesaugt wurde lag am „all natural“ Insektenspray, das null Wirkung zeigte. Oder Europäer sind eben besonders lecker.)

Beim Einkaufen zeigen sich ebenfalls die texanischen Besonderheiten:

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Besonders dick geschnitten und mit Butter und Milch angereichert.
Oder das hier:

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Was für die Party, im Texas-Umriss-Design.
Überhaupt sind die Portionsgrößen irre. Getränke werden in der Regel in Gallonen verkauft (3,78 Liter), Frischkäse kommt als Pfund, sogar deutsche Gummibärchen werden dem amerikanischen Appetit angepasst:

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Essen gehen ist dann auch eine eher kalorienreiche Angelegenheit. Ich nehme mal das Frühstück zuerst. In Motels sehr beliebt: waffles in the shape of Texas (hier leider spiegelverkehrt): tellergroß, normaler Frühstücksteller, ca. 2 cm dick.

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Auch gerne genommen: Appetizer. Sollen ja den Appetit anregen. Tun sie nicht, zumindest nicht in Texas. Im ersten Bild sieht man frittierte Champignons. Richtig lecker, und mehr als genug, um drei Leute satt und zufrieden zu machen.

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Oder diese „Chuck Wagon Cheese Fries“, die es zum Mittagessen gab. Mit zwei Sorten Käse überbacken, dazu Speck und Sour Cream. Die haben meinen Mann für den Rest des Tages gesättigt.

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Auch bei den Hauptgerichten staunt man oft angesichts der Mengen. Mich hat besonders genervt, dass man einen Burger quasi kaum ohne Käse bekam und bei Bestellung mehrfach nachgefragt wurde, ob man Käse dazu will. Nein, will ich nicht, sonst hätte ich einen Cheeseburger bestellt. Der grundsätzlich sowieso von Pommes begleitet wurde. Auf Nachfrage gab es allerdings Salat dazu, oder eine Ofenkartoffel. Oder Kartoffelpüree. Aber da auch JEDES MAL die Frage: „loaded?“ (mit Speck und Käse überbacken). Oder mit Sauce?

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Nachtisch darf natürlich auch nicht fehlen, ich habe aber nie welchen bestellt. Mein Mann hatte je einmal „bread pudding“ und Käsekuchen (im Grunde eine Hauptmahlzeit), war aber meistens auch zu satt. In New Orleans (das ist nicht in Texas, sondern in Louisiana, steht dem aber in Sachen Ernährung in nichts nach) waren Beignets DIE Spezialität. In Fett gebacken. Eins hätte auch gereicht. Aber die Standardportion waren halt 5.

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Zu den Getränken nur kurz die Anmerkung, dass die Angewohnheit, jedes Mal, wenn das Glas auch nur annähernd leer ist, kostenlos wieder aufzufüllen (außer bei alkoholischen Getränken), dazu führt, dass man mehr trinkt als in Deutschland. Einerseits finde ich prima, dass ich einmal Kaffee oder ungesüßten Eistee bestelle und so viel trinken kann, wie ich will. Wasser gibt es grundsätzlich kostenlos. Andererseits sind die Gläser in der Regel groß, und so ein Liter Limonade oder Cola haut schon ordentlich rein.

Ich habe es geschafft, nicht zuzunehmen, weil es in den meisten Restaurants schon auch leichtere Optionen gibt und weil ich an einigen Tagen so satt vom Lunch war, dass ich völlig aufs Abendessen verzichtet habe. Der Trend in Texas geht jedenfalls eindeutig in Richtung Übergewicht, das kann man aber, denke ich, nicht verallgemeinern. Ich war auch schon in Florida, da waren die Menschen insgesamt deutlich schlanker.

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23 Gedanken zu “Gastbeitrag: Everything is bigger in Texas

  1. Abartig.
    Das ist immer das erste Wort, das mir einfällt, wenn ich die typisch amerikanischen Portionsgrößen, egal ob Restaurant oder im Supermarkt, sehe. Auch dass Milch in fast 4 L Kanistern kommt, ist irgendwie pervers. Freunde von mir (beide Vegetarier, auf ausgewogene und gesunde Ernährung mit viel Gemüse / Obst bedacht) waren einen Monat quer durch die USA unterwegs und die erzählten auch, dass sie sich schwer taten mit der Ernährung da, weil eben alles zu viel, zu fettig, zu groß und zu ungesund.

    Kein Land für mich 😀

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  2. Sabrina

    Meiner Erfahrung nach ist es mit den Portionsgrößen in deutschen Restaurants aber nicht anders. Eventuell wird nicht alles mit Käse und Speck überbacken, aber die Zeiten, in denen ich eine komplette Portion im Restaurant aufessen konnte, sind seit gut zehn Jahren vorbei. Mittlerweile muss ich mir immer die Hälfte einpacken lassen.

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    1. EinFan

      Ich (Kerl, 1,80 cm, 90kg) bestelle mir regelmäßig nur die „Seniorenportionen“ in Restaurants. Die sind meist auch schon zu viel. Bei normalen Portionen muss ich „gegen den Schmerz“ essen um sie zu schaffen. An eine Vorsuppe oder Nachtisch ist gar nicht zu denken. Ein sehr merkwürdiger Trend.

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  3. Hui, da muss man ja fast schon sagen: Respekt an die Menschen in Texas, die es trotzdem irgendwie schaffen, schlank zu bleiben. Scheint nämlich eine ziemlich schwere Aufgabe zu sein, wenn der Mensch ja grundsätzlich dazu gepolt ist, möglicher Nahrungszufuhr schnell mal nachzugeben.
    Da bin ich ja froh, dass ich hier lebe, es gibt zwar trotzdem genügend Versuchungen, aber wenn man will, wird einem das Abnehmen nicht noch unnötiger schwer gemacht … 😀

    LG

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  4. USAlogik

    Also wenn ich das lese, kann ich nur sagen: USAlogik.
    Man kann in der USA genauso wie hier gut und wirklich gesund essen. Es gibt tolle Bioläden und in guten Supermärkten auch gute Bioabteilungen. Wer nur in die Billigketten geht, findet dort eben ein entsprechendes Angebot. Ist hier aber auch nicht anders. Warum soll ich meine Milch nicht als Gallone kaufen, ist bei einer Großfamilie praktisch bedingt nicht gleich das die Menschen dort eine Gallone pro Tag trinken. Hinzu kommt, dass der Weg zum nächsten Supermarkt auch mal eben 50-70 Kilometer lang sein kann. Und bis jetzt habe ich immer auch kleine Gebinde gesehen, die kosten natürlich unterm Schnitt mehr ist hier aber auch nicht anders. Durch die vielen unterschiedlichen Kulturen hat die USA eine interessante Küche, sehr abwechslungsreich und gesund. Geht mal in einen Supermarkt in den Gewürzgang, dort findet man Gewürze die man hier sucht oder evtl. nur in einen speziellen Geschäft findet. Da ich nie Fotos von meinen Essen mache, kann ich leider keine Gegenbeweise anführen. Es gibt ein großes Angebot für Menschen mit Gluten- und Lactoseproblemen und auch als Vegetarier kommt man da gut zurecht. Den besten Veggie Burger habe ich in ein Bar in Montana gegessen.
    Wenn Du nicht mehr nachgeschenkt haben willst, langt ein „Nein Danke“ aber in sehr vielen Restaurants, Bars, Barns etc. bekommt man sehr oft auch einen großen Krug Wasser dazu.

    Ich war schon oft drüben, habe viele Bundesstaaten bereist und es ist einfach nicht wahr das man nur das bekommt, was hier auf den Bildern abgebildet wurde (fettig, groß und kalorienhaltig).
    Es gibt in den USA eine große Anzahl von Übergewichtigen, wie bei uns in Europa ja auch.

    Hier gibt es Menschen die viel zu viel futtern und die gibt es dort auch.

    Ich bin durch Staaten wie Montana, North Dakota etc. gereist und dort habe ich nicht annähernd so viel dicke Menschen gesehen wie in Deutschland. Dabei sieht man in Georgia viel mehr übergewichtige Menschen, was in Virgina schon wieder anders aussieht.

    In den Hotels in denen ich war, gab es immer ein Gym und dort war immer jemand am Sport machen. Die Fitnissräume in europäischen Hotels sind oft verweist.

    Die gesamte westliche Welt hat ein Gewichtsproblem und man bekommt bei uns in den Supermärkten mittlerweile genau so viel ungesunde Lebensmittel.

    Liebe Grüsse

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    1. Also den Amifraß kenn ich sehr gut (hier gibts teilweise mehr Amis als Deutsche) und kenne den auch nur als fettig und kalorienhaltig, weit jenseit deutscher Maßstäbe.

      Amerika ist natürlich riesig und sehr unterschiedlich, das kann man nicht verallgemeinern. Ich würde aus dem Bauch heraus sagen, dass in New York schon anders gegessen wird als in Texas. Dass die USA aber schon eine Fast-Food-Schling-Fress-Kultur in der Tendenz haben, kann man schon so sehen. Finde ich aber Jammi!

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      1. USAlogik

        Ja, es gibt viel mehr Fastfoodketten wie bei uns und ja, diese haben auch Kunden. Mich nervt einfach immer nur diese einseitige Sichtweise und wer dort essen geht, kann nichts anderes erwarten. Wenn ich hier in eine Pommesbude gehe, erwarte ich ja auch nicht gesundes Essen.
        Aber in den Beitrag ging es ja auch um die oben gezeigten Einkäufe und ehrlich, das konnte ich so nicht stehen lassen.

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  5. So richtig geschockt haben mich diese Bilder jetzt nicht, da hab ich aus den USA schon übleres gesehen, besonders was Desserts angeht… Und in einem standardmäßigen deutschen Restaurant bekommt man ja auch ganz schön viel aufgetischt. Ich lese ja auch immer wieder Blogs über Ernährung usw. von amerikanischen Bloggern und wie es aussieht, gibt es dort natürlich sehr viel mehr Möglichkeiten, Junkfood zu konsumieren… Andererseits auch ein viel größeres Angebot an gesunden und ‚alternativen‘ Lebensmitteln. Darauf bin ich manchmal schon neidisch… Ärgerlich ist aber, dass wenn man ein amerikanisches Rezept nachkocht, man gleich mal Butter und Zucker um die Hälfte reduzieren kann, weil man sonst förmlich spürt, wie die Arterien verstopfen xD

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  6. Litschi

    Schweizerin hier mit Freund in Deutschland:
    Ich hatte einige Monate lang echt Sorge um meinen Freund. Er war dank der Arbeit oftmals so im Stress, dass er zum Mittagessen „nur Zeit für ein Teilchen“ hatte. Da er nicht Frühstückt und auch Abends eher ein spärlicher Esser ist, hatte ich da schon ein wenig Sorge. Einen Monat später besuchte ich ihn mal in Deutschland. Wir gingen Einkaufen. Und an der Theke des Bäckers vorbei. Deutet mein Freund auf die Auslage an Gebäck und fragt: „Möchtest du noch ein Teilchen zum Dessert?“
    Ich schaue mir die Auslage an: „Sind das solche Teilchen, wie du sie öfters mal zu Mittag isst?“ – „Ja.“ – „Das sind keine TeilCHEN, das sind TEILE!“

    Nicht nur in den USA scheinen gewisse Sachen grösser zu sein als anderswo. 😉

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  7. Ich habe von einem gelesen der angefangen hat sein eigenes Brot zu backen, nach dem er in die USA gezogen ist. Die Auswahl war da eher einseitig und er meinte es wäre auch wegen der Menge an Zucker fast schon mehr wie Kuchen.

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  8. Sabrina

    Zu dem Weißbrot: das kenn ich in genau der gleichen Dicke aus Japan… da sind die Leute aber eher selten übergewichtig… (gibt es auch, aber deutlich seltener als hier).

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  9. Mir fallen beim auswärts Essen die Portionen in der Schweiz und vor allem auch in Deutschland auch immer zu gross für meinen Hunger auf. Aber ich esse sie dann einfach auch nicht auf. Bestelle auch keine Vorspeise oder Dessert.

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  10. dubidu

    Ich denke auch, wenn man in D unterwegs wäre und einiges knippsen würde, gäbe es ähnliche Beispiele. Die Frage ist halt, ob es auch Alternativen gibt. Ich kenne einen Bäcker, bei dem gibt es „pain au chocolat“, Blätterteig mit zwei Stangen Schokolade innen. Dazu ist das Ding in Kouvertüre gebadet, nein, damit ummantelt. Ich schätze, es hat den Nährwert von 1-2 HauptMZs. Oder Streuselschnecken: eine kommt schon mal auf 1000 kalorien.
    Und Buttertoast auf dem extra steht: „mit viel guter Butter“ gibts hier auch. Da fällt mir ein: Bei Aldi gabs mal Leibnitz im Angebot, da lagen die normalen Butterkekse und die, auf denen groß stand: mit 30 Prozent weniger Zucker! interessehalber guckte ich auf den Nährwert…die zuckerreduzierten hatten sogar mehr! Strange world.
    Ich glaube tatsächlich, dass in den USA der Bewegungsmangel ein enormes Problem ist. Wenn für jede zehn Meter das Auto benutzt wird….

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      1. Und an dieser Stelle würde ich gerne einschieben, dass sich Geschmack in Essen wundervoll statt mit Fett auch mit Glutamat hinbekommen lässt (einfach statt Salz), weswegen Asiaten ja auch tendenziell eher schlank sind. Im Westen ist Glutamat halt „böse“, da nimmt man dann ein Pfund Butter. Wobei ich persönlich Pfund Butter/Sahne+Salz dem Glutamat geschmacklich vorziehe, aber wenn man abnehmen will _und_ selbst kocht _und_ es fad findet – alle Wissenschaft zu Glutamat (MSG) sagt, dass es gesundheitlich besser ist als Salz.

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  11. Und dann gibt es da noch die Schüsseln an der Nudeltheke meiner Uni… Ein bisschen erschreckend, dass ich die früher so weggeknallt hab… als ich letztens einen Trog dieser Käsespätzle verzehrte und mein Esstempo an eine schlanke Freundin anpasste, hab ich’s nicht geschafft…

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  12. Es gibt einen weiteren Aspekt, warum die Portionen so groß sind: Umsatz generieren, die Wirtschaft „füttern“. Für schlanke Amerikaner ist das Zurückgehenlassen des halb leer gegessenen Tellers völlig normal (die Großeltern-Generation hatte aber auch keinen Krieg und damit einhergehende Hungerzeiten erlebt). Und „Doggy-Pack“ wird immer angeboten.

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