Samstagsspaß

Vor einiger Zeit hatte ich mal im Forum gefragt, was die User dort rückblickend als das blödeste erinnern, das sie je unternommen haben, um abzunehmem. Nachdem inzwischen schon über 100 Beiträge zusammengekommen sind, dachte ich, ich mache mal eine kleine Best-Of-Liste. Und ganz am Ende erzähle ich, was mir neulich eingefallen ist, was ICH als blödestes getan habe. Und ich verspreche euch, es wird jeden einzelnen Beitrag davor toppen und wie den Inbegriff von Vernunft wirken lassen. Also wann immer ihr einen Beitrag lest und denkt „Hihi, das ist echt blöd“, denkt daran, ich war blöder 😀

Na denn … beginnen wir mit dem Klassiker, der mehrfach und in verschiedenen Sprachen aufkam:

  • Kohlsuppe. Ich hab einen riesen Topf davon gekocht und diesen in 2 Tagen aufgegessen, da mir das Süppchen vorzüglich geschmeckt hat. Ergebnis nach 2 Tagen: 2 kg mehr

  • Die Kohlsuppe übrigens ist ja tatsächlich sehr kalorienarm, und ich finde sie sogar lecker. Allerdings war ich der festen Überzeugung, je mehr man davon isst, umso mehr nimmt man ab.

  • In der französischen „Prisma“ habe ich dann mal „la soupe détox“ gefunden, so etwas Ähnliches wie Kohlsuppe. Hat prima geklappt, so lange ich nur diese Suppe gegessen habe. Aber da ich nicht mein ganzes Leben darauf verzichten wollte, auch mal andere Dinge zu essen, hielt der Erfolg nicht lange.

Doch die Kohlsuppe ist natürlich nicht die einzige Wunderdiät…

  • In meiner Jugend wurde „unter der Hand“ die ganz tolle Möglichkeit zum Abnehmen geflüstert. Nur Käsewürfel und ein Glas Sherry für den Kreislauf. Die Käsewürfel waren ok, für Sherry war ich zu jung. Der super Erfolg: Nach zwei bis drei Tagen kippte ich um und konnte den am folgenden Tag stattfindenden Schulausflug nicht mitmachen! SUPER!

  • Ansonsten war das Blödeste, einfach jede doofe Zeitschriftendiät völlig kritiklos zu machen. An besten total widersprüchliche Dinge so nach dem Motto, klar nur Kartoffeln hat nicht funktioniert, daher essen wir jetzt nur noch Ananas

  • Die Gunmibärchen-Diät (nichts essen außer Gummibärchen).

  • Eine Schokoladendiät, ich dachte wenn ich nur Schokolade esse, hängts mir voll aus dem Hals raus und ich hab meine Schokisucht überwunden, nach 3 tagen hab ich wegen starken Kopfschmerzen abgebrochen.

  • Ich kann mich ganz wage an eine super Geheimtipp Diät erinnern. Da war ich ca. 15 Jahre. Es gab Zwieback, Orangen und Joghurt und erst nach einigen Tagen durfte man etwas Tartar gebraten essen.

  • Hab mal zwei Wochen lang nur von Molke gelebt, obwohl ich schon Buttermilch furchtbar finde. Will dieses Zeug nie wieder riechen müssen. Am Ende war ich so neben der Spur, dass ich ein spontanes Fastenbrechen mit einer Großpackung Kinderriegel gemacht habe…

  • Pampelmusen-Eier-Diät … am drittten Tag kamen mir die ungezuckerten Pampelmusen zu den Ohren heraus, und ich wollte kreativ sein … Also Eier nicht gekocht, sondern aufgeschlagen, und dann startete der Versuch, ein Pampelmusen-Omelett zu fabrizieren … Börks … Nach ein paar Bissen wanderte der ungeniesbare Rest in die Mülltonne und die Eier-Pampelmusen-Diät war für immer beendet …

  • Das blödeste war definitiv eine Obstdiät mit 16 die eine übergewichtige Freundin von ihrer Ernährungsberaterin empfohlen bekommen hatte. Man durfte nur Obst und Gemüsesaft zu sich nehmen. Da ich morgens ordentlich Hunger hatte, hab ich auf nüchternen Magen 1 ganze Annanas verdrückt und war dann auch nicht in der Schule weil ich eine Magenschleimhautentzündung hatte seit dem esse ich übrigens auch keine Annanas mehr und die Geschichte wird von meiner Familie immer wieder ausgebuddelt….. wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen würde ich sagen

  • … Ein Buch gekauft, in dem es um das wundersame Abnehmen mit negativen Kalorien ging…

Und es gibt natürlich auch prinzipiell irgendwie wirkungsvolle Konzepte, die trotzdem furchtbar nach hinten losgehen können …

  • Das blödste bei mir war wohl Intermittierendes Fasten – ich hab nur von 12 Uhr Mittags bis 8 Uhr Abends (oder so…) gegessen, aber währenddessen alles was ich wollte \o/Versuch wurde nach einer Woche und 2Kg mehr abgebrochen

  • Almased, Würgereiz inklusive. Weil es ja so einfach ist und so toll sättigt… Dazu gab es dann höchstens noch Brühe. Habe das mit 2 Kindern und 20-30 Stunden Arbeitswoche in einem Restaurant rund 2 Monate durchgezogen. Wie weiß ich immer noch nicht. Nur das ich nie wieder so blöd sein werde.

  • Mensch das Almased! Das hab ich ja komplett vergessen, dass ich das auch mal gemacht hab. Genau zwei Tage lang. Am 2. Tag bin ich dann mittags beim Kunden umgekippt und musste dort mit Zuckerwasser wiederbelebt werden und saß anschließend über eine Stunde in nem Kaffee und hab mich mit Espresso gedopt, damit ich die 250km wieder nach Hause fahren konnte. Termine für den restlichen Tag konnte ich natürlich knicken. Ach ja, ich hab das Experiment danach abgebrochen und das Zeug weggeschmissen, aber das habt ihr euch sicher schon gedacht.

  • Ich habe als Teenager FDH gemacht, weil alle meinten, einfach weniger Essen bringt ja schon was. Ich dann also extra viel essen auf den Teller geschaufelt, um dann die Hälfte wieder runter nehmen und am Ende mit einer normalen Portion da zu stehen.

  • Außerdem habe ich als Teenie noch eine zeitlang mit einer Freundin LowFat30 gemacht, da darf man nur Lebensmittel mit wenig Fett essen, Fett hat dann irgendwie rote Punkte und man bekommt 3 Fettpunkte und die darf man nicht überschreiten oder so ähnlich. Grüne Lebensmittel waren fettfrei und damit fast grenzenlos okay, also haben wir dann eben ständig Nudeln ohne Soße oder Brezeln gegessen und haben dann auch mehr als 1, 2 Kilo nicht verloren und natürlich total oft Heißhunger, weil blanke Nudeln nun mal maximal 3 Stunden satt machen.

Dann wären da noch die Wundergeräte …

  • Tiefenwärme. Man bekommt so Manschetten umgeschnallt, liegt 20 Minuten mehr oder weniger entspannt auf einer Liege und schwitzt Fett aus, nicht Wasser. „Die Fettpölsterchen schmelzen wie Butter in der Sonne!“ Dolle Sache.

  • Auch als Teenie hatte ich so eine Art Magnet, das sollte man sich ans Ohr klemmen um so einen mysteriösen Akkupunkturpunkt zu stimulieren, der für Abnahme / Stoffwechsel / Hunger / whatever verantwortlich ist.Ich war leider zu blöd um genau diesen Punkt zu treffen, oder mein Ohr war zu komisch gebaut (wahrscheinlich zu fett), so dass das Ding nicht richtig klemmte ODER ich habe es verloren , bevor die Wirkung eintreten konnte.

  • Ich hatte so Dauer-Akupunkturnadeln / -knöpfe im Ohr, von einer Ärztin gesetzt, die gleichzeitig als Ernährungsberaterin arbeitete. Tat saumässig weh, so dass ich die Dinger irgendwann aus dem Ohr gepfriemelt habe. War natürlich meine Schuld, dass ich kein Gewicht abgenommen habe, da ich die Knöpfe ja aus dem Ohr gefummelt hatte.

  • Vor ca. 4 Jahren hab ich mir ein Zungenpiercing stechen lassen.Ok, das wollte ich zwar schon immer haben, und es gefällt mir total gut, aber die Idee dahinter war unter anderem, dass ich dann ja immer was im Mund habe zum „spielen“, damit ich nicht so viel unnützes Zeug in mich rein stopfe.Hat natürlich nicht geklappt

  • Einen „Bauchmuskel“-Roller, mit den Händen die Griffe greifen, auf die Knie und schön weit nach vorne rollen. Mehr als Rückenschmerzen und Frust kam natürlich nicht bei rum, etwaige sichtbare Effekte wurden ja… nun… VERDECKT -_-

  • so ein komisches Wackelgerät. Man legt sich den Gurt um den Bauch, dann wird abwechselnd gewackelt und gestromt. Soll angeblich ein tolles Sixpack machen….naja…wohl eher mehrere Sixpacks übereinander. 😄 Reden wir nicht drüber dass es nicht geklappt hat.

Oder die Wundermittelchen zum Stoffwechsel-Boosten …

  • Das nutzloseste war wohl, morgens mit Würgereiz Apfelessig zu trinken um dann dank meines angekurbelten Stoffwechsels essen zu können, was ich will. Warum es nicht geklappt hat? Ich habe einfach nie lange genug durchgehalten, damit die Magie wirken konnte. Aber alle paar Monate wieder gab es einen neuen Versuch. Irgendwann muss das doch funktionieren, oder? ODER?

  • Ich glaub, meine blödeste Diät waren mit 15 diese widerlichen Apfelessigdrinks zur Stoffwechselankurbelung. Ich fand den Geschmack schon beim ersten Glas ekelerregend, hab das aber wochenlang durchgezogen (zusätzlich zu FDH). Abgenommen hab ich dann wirklich die paar Kilo, die ich loswerden wollte, und war auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Hab den Erfolg dann aber leider dem Apfelessig zugesprochen.

  • Ich hatte in irgendeiner Frauenzeitschrift was von einem Stoffwechselbooster gelesen: Tomatensaft mit einem Bund Petersilie und einigen Spritzern Tabasco püriert auf nüchternen Magen trinken. Sollte den Stoffwechsel ankurbeln. War eklig. Habe ich einige Wochen durchgezogen. Gebracht hat es außer einigen Ekelanfällen genau nichts. Das ganze ist mehr als 20 Jahre her. Heute wäre das als Green Smoothie vielleicht wieder in und up to Date… Wundert es jemanden, dass ich bei dem Green-Smoothie-Trend nicht mitgemacht habe?

  • Und das teuerste, unnötigste war wohl dann tatsächlich die Akkupunktur inkl Appetitzüglertropfen für teuer Geld

  • ich biete Zitronensaft mit Ahornsirup …das muss in den 80ern gewesen sein und völlig erfolglos.

  • Ich hab mal mit 13 oder so chinesische Tee-Tropfen bestellt. Was genau da drin war, weiß ich nicht mehr, angeblich irgendwelche pflanzlichen Extrakte. Die sollte man morgens und abends in ein Glas Wasser tröpfeln und trinken. Angepriesener Effekt: Weniger Hunger bei gleichzeitig angekurbeltem Stoffwechsel… Wirklicher Effekt: Ekel und weniger Geld in meinem Sparschwein (Hab letztens tatsächlich beim Aufräumen noch so ein Fläschchen gefunden. Lange hab ichs ja nicht durchgezogen, war also immer noch was übrig^^)

  • Pu-Errh-Tee gerunken bis zum Abwinken, bis ich gelesen habe, wie schafstoffbelastet das Zeug ist. Natürlich auch nicht abgenommen, weil ich ja nebenbei weiter gegessen habe wie zuvor.

  • Ich habe mal versucht mit Schüssler Salzen abzunehmen (hat bei einer Freundin von meiner Mutter gaaaaanz toll geholfen…..). Man musste erst so fragen beantworten, dann kam raus welche Salze man braucht, bei mir musste übrigens der Stoffwechsel angekurbelt werden

  • 80er-Jahre Kräutertropfen, durch die man angeblich unbegrenzt essen können soll, wenn man die vor dem Essen einnimmt.

Oder Dinge, die schon in die deutlich gesundheitsgefährdende Richtung gehen…

  • Das Dämlichste, das ich je gemacht habe, war im Studium, als ich mir dann doch mal Appetitzügler geholt habe. Ergebnis: Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Herzklopfen, extremes allgemeines Unwohlsein, nervöse Unruhe, nicht-schlafen-können, Panikattacken. Suuuuuuper. Abnahme: gleich Null. Heißhunger auf Antistressfutter: schnellte in die Höhe.

  • Das Blödeste, was ich gemacht habe war, destilliertes Wasser zu trinken, um mal schnell gaaaanz viel abzunehmen vor einer Feier… hat gar nicht geklappt, obwohl eine Freundin darauf schwörte und angeblich. .. aber nicht augenscheinlich! … Erfolg hatte.

  • Oh, ich war echt blöd. Ich habe u.a. echt gefährlichen Scheiß geschluckt. Darunter:ECA Stacks – damals erlaubt, mittlerweile verboten. Nebenwirkungen: Herzrasen, Übelkeit, Bluthochdruck (sehr schlau, wenn man den eh schon hat). Keine merkliche Abnahme (habe sie allerdings auch sehr schnell abgesetzt). Sibutramin – damals erlaubt, mittlerweile verboten. Nebenwirkungen: Kopfschmerzen des Todes. Keine merkliche Abnahme (habe es allerdings auch sehr schnell abgesetzt). Orlistat (Alli) – gibt es noch. Nebenwirkungen: zu widerlich zum Schildern. Und dann noch:

  • Achja kurz darauf habe ich dann mit dem Rauchen angefangen weil man kann dann immer rauchen statt essen und das ist nämlich voll klug Hat voll super geklappt

Okay, beim Durchsehen fand ich dann eine Geschichte, die verdächtig ähnlich zu meiner ist, die ich euch fürs Ende versprochen habe …

Die Hexendiät
Ist eher eine Trotzreaktion gewesen, auf das ständige „Genörgel“ vom Arzt wegen der überschüssigen Kilos. Ich war damals noch weit entfernt von einem festen Willen zur Gewichtsreduzierung, sondern wollte einfach akzeptiert werden. Ich erklärte mir selbst, dass ich nun mal so bin und ein recht darauf habe zu sein, wie ich sein wollte. Ich bin dick und das ist gut so !
Aber…. ich komme den Wünschen meines Umfelds gern nach, ich bin extremst harmoniebedürftig. So suchte ich nach einer Diätform, die irgendwie die Selbstsabotage schon beinhaltete.
Bei Amazon fand ich ein Buch mit dem Titel „Die Hexendiät“.
Ich las es an und es war einfach fantastisch, ein Projekt, das schon in der Beschaffungsphase der Hilfsmittel aufwendig war und während der Zelebration noch einmal zulegen würde.
Es gab gleich zu Beginn eine Rieseneinkaufsliste: Verschiedene Arten von Halbedelsteinen, Bergkristalle, Jaspis, und einige mehr… Anzahl der Steine, entweder je einer oder eine durch drei zu teilende.
Kerzen in verschiedenen Farben, Anzahl durch drei teilbar. Ein gelber Schal, ein Kleidungsstück (Oberteil), ein Foto in der Totale von mir.
Dann Kräuter für verschiedene Tees, die meisten mußte ich aufwendig in der Apotheke bestellen. Auf Seegurkenpulver habe ich verzichtet, als die PTA mir erklärte, die Seegurke sei keine Pflanze, sondern ein Lebewesen.
Ein Flasche Rotwein und zwei verschiedene Blätter aus Fotokarton, eines schwarz und eines weiß. Einen neuen Stift, etwas Musik zum entspannen. Dann Holunderbaumwurzeln, bei Vollmond ausgegraben.
Aus den Kräutern waren verschiedene Tees zu bereiten, die vor jeder Mahlzeit zu trinken waren. Aus dem Rotwein und den Wurzeln mußte ich nach einem aufwendigen Rezept und nach der Uhr in einem mehrstündigen Einkochverfahren einen Sud bereiten. Dieser wurde dann in die Flasche zurück gefüllt und diese wurde schliesslich neu etikettiert. Es sollte ein eigener Entwurf sein, mit eigens erfundenen Namen: CoDüSa…für Corinas Dünnsaft.
Während der Vollmond abnahm, meditierte ich abendlich im Kreise aufgestellter brennender Kerzen und daniedergelegter Steine. Jeden Morgen trank ich einen Schluck vom CoDüSa und tagsüber die Tees. Ein Glas Wasser wurde allabendlich ins Fensterbrett gestellt, genau nach Vorschrift mal auf den schwarzen, mal auf den weißen Fotokarton. Morgens , gleich nach dem Aufstehen, wurde das getrunken. Beim Zähneputzen fand ich dann mein Foto, welches hinter dem Spiegel klemmte, nach dem Abendritual wurde dieses ringsrum mit der Schere verkleinert, genauso geschah es mit dem Kleidungsstück, dass dann mit dem gelben Schal tailliert wurde. Parallel dazu tailierte sich auch der Mond.
Zwischendurch mußte ich die Schnipsel verbrennen. Da zog ich bis zum Neumond durch.
Am Ende mußte alles was ich benutzt hatte, um zu hexen verbrannt werden, auch der gelbe Schal. Das geschah im Ofen meiner Schwester (überzeugte Esoterikerin) , ihre Kinder, sie der Hund und ich standen davor und zuckten zusammen wenn es knackte.
Erfolg drei Kilo in vier Wochen, kein Wunder bei dem Stress!

… also, kommen wir zu mir, und dem Highlight, das mir wieder eingefallen ist. Ich hatte als Jugendliche mal eine totale Eso-Phase und mir mehrere Bücher über schwarze Magie und Co. besorgt. Da es schon ewig her ist, weiß ich nicht mehr genau, wie das Ritual ging, (es wurden jedenfalls keine Tieropfer gebracht, allerdings musste ich ewig suchen um schwarze Kerzen zu finden), aber am Ende hatte ich mein Übergewicht in eine Geldmünze übertragen, die ich irgendwo auslegen musste, um einem armen Opfer, das die Münze aufhebt, mein Übergewicht anzuhängen. Total arschig von mir, ich weiß! Aber ich war damals so verzweifelt, dass ich meine moralischen Bedenken vollständig über Bord warf, um mit der vollen Macht Satans endlich schlank zu werden.

Ich hatte vor 2 Jahren schonmal eine Liste all meiner idiotischen Diätversuche hier im Blog veröffentlicht (ein großer Teil davon wurde oben genannt *hüstel*) aber diese unrühmliche Episode wirklich komplett verdrängt … hätte mir damals jemand gesagt, was ich heute weiß. Oder … möglicherweise hat auch nur endlich jemand die verdammte Münze aufgehoben?!

Was war das blödeste, was ihr unternommen habt, um abzunehmen?

Medizinischer Ra(n)t

Eigentlich habe ich gerade ganz viele spannende Gastbeiträge auf der zu-posten-Liste, aber gestern kam eine Mail, die mich so beschäftigt hat, dass ich sie gerne teilen wollte – daher habe ich den Schreiber gefragt, ob ich sie anonymisiert posten darf.

bmi

80 kg auf 155 cm verteilt ergibt einen BMI von 33,3, was wiederum im adipösen Bereich liegt. Da wird also eine ansonsten gesunde junge Frau vom Arzt mit einem „kannste nix machen“, mit Adipositas nach Hause geschickt.

In Fettlogik hatte ich ja die gesundheitlichen Konsequenzen recht ausführlich behandelt, aber ich musste dabei besonders an diese Studie denken.

lost

Im Schnitt verliert eine Frau, die in diesem Alter bereits adipös ist, also 5,6 Lebensjahre und 14,6 gesunde Jahre.

Und wir reden hier nicht von jemandem, der die Entscheidung für sich trifft, glücklich und zufrieden adipös zu sein und das Risiko von vorzeitiger Krankheit und Tod bewusst einzugehen, sondern von jemandem, der sich mit seinem Gewicht unwohl fühlt und sich hilfesuchend an einen Mediziner gewandt hat, um von diesem dann einen solchen Rat zu erhalten.

Was zu Hölle?!

(Die Mail hat mich gestern so geschockt, dass ich spontan von meiner „Fettlogik nicht mehr verschenken“ -Regel eine Ausnahme gemacht, und die pdf angehängt habe. Ich drücke einfach mal Daumen, dass es in ein paar Monaten einen Gastbeitrag mit positiver Fortsetzung gibt 🙂 )

Gastbeitrag: Abnehmen & Feminismus

Ich verfolge schon länger FrauMajas Blog und wusste, dass sie Fettlogik gelesen hat. Bereits bei ihrem Blogartikel „Stop commenting on my body„, in dem sie sich gegen gut-feministisch-gemeinte Kommentare zu ihrer Abnahme ausspricht, ploppte schon leise das Wort „Gastbeitrag“ bei mir auf.

Diese Tweetkette schließlich brachte mich dazu, laut zu ploppen:

gast

Letztlich griff der Text von Frau Maja allerdings so viele spannende Themen auf, dass ich sie fragte, ob wir ihn nicht in zwei Bereiche aufteilen wollen. Heute wird es also um Majas feministische Sichtweise gehen und demnächst erscheint ein Artikel zum Thema ADHS und Übergewicht, bzw. Abnehmen. Dieser wird dann im Rahmen einer Art „Themenwoche AD(H)S“ erscheinen (Beiträge von Betroffenen und/oder Experten gerne an erzaehlmiralles@gmx.de):

Guten Tag, ich bin FrauMaja und ich bin ein wahnsinnig kompliziertes Exemplar Mensch, denn ich bin eine Feministin auf Diät.

Dieser Zustand ist von Fallstricken gepflastert, denn wieso ist man gleichzeitig gegen Fatshaming und will trotzdem abnehmen?

Zunächst mal: Dass ich anfing abzunehmen und das auch seit über 4 Monaten und dabei gut 25 verlorenen Kilos durchziehe, hatte vor allem etwas mit meiner Gesundheit zu tun, denn die lag bei 102 Kilo auf 1,67 m im Herbst 2016 ziemlich am Boden.

Von einer Erkältung wurde ich von den Beinen geholt und saß dann mit einem Puls von 120 beim Arzt.

Danach habe ich mich eigentlich bis Weihnachten durchgängig krank oder zumindest nicht gesund gefühlt.

Ich muss aber auch -ganz unfeministisch- zugeben, dass ich mich mittlerweile auch sehr viel lieber im Spiegel angucke. Ich finde meine schlankere und auch muskulösere und fittere Figur schon ziemlich gut, auch wenn ich bis zum Idealgewicht nach BMI noch ein paar Kilos vor mir habe.

fraumaja

Als ich das erste mal ein ‚Vorher/Nachher‘-Foto vom Zwischenstand meiner Abnahme gepostet habe, fragte mich jemand warum man denn für das ‚Vorher Bild‘ (Das erste in der Kollage) immer ein Unvorteilhaftes nimmt. Aber wenn ich ehrlich bin, gibt mein Gesichtsausdruck ziemlich gut meinen damaligen Gemütszustand wieder. Ich war mit meiner Figur unglücklich. Und zwar nicht nur, weil ich so dick war (Man nimmt das selbst gar nicht so krass wahr in dem Moment) sondern auch weil ich zwei Monate Krankheit und schlecht fühlen hinter mir hatte, die auch auf mein Gewicht zurück zu führen waren. Wohlbefinden, Gesundheit und Körpergefühl gehen natürlich miteinander her und keiner kann mir verübeln, dass ich mich in der Situation nicht sehr wohl in meinem Körper gefühlt habe.

Als feministische Frau, die sich schon sehr genau überlegt hat, wer ihren Körper kommentieren darf und wer nicht, ist abnehmen schon deshalb auch ein nervenaufreibender Prozess, weil einem ständig Leute erklären wollen ob, wie viel und wie schnell man abnehmen ‚darf‘.

„Aber wieso willst du abnehmen, genieß doch lieber das Leben!“ (Ich bin krank geworden, weil ich zu viel genossen habe!)

„Ach du bist doch auch so eine hübsche Frau!“ (Aber keine gesunde. Kruzifixnochmal.)

„Also ich finde dünne Frauen gar nicht sexy, ich will im Bett was zum anfassen haben…“ (Warum teilen einem eigentlich Leute ungefragt ihre optischen Präferenzen bei der Wahl ihrer (Sexual-)Partner mit, wenn es um ein völlig unkinky Thema wie Abnehmen geht?)

„Aber du musst langsam abnehmen!“ (Gibt’s da eigentlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung wie in der Innenstadt?)

Natürlich bekomme ich auch viel Lob und positive Rückmeldung, aber ich will trotzdem nicht, dass man mir in das reinredet, was ich mit meinem Körper mache!

Richtig unangenehm wird es für mich allerdings auch, wenn mir andere feministische Menschen versuchen einzureden ich würde offensichtlich falschen Körperidealen anhängen, wenn ich unbedingt abnehmen möchte.

Wie gesagt, ich möchte selbst entscheiden, was ich mit meinem Körper anstelle. Und wenn ich dünner werde, weil ich mich dann besser fühle, dann ist das kein Statement für die Allgemeinheit. Geht völlig klar für mich, wenn jemand dick ist und sich gesund fühlt und so bleiben will. Ich muss das nicht immer dabei setzen und meine Abnahme rechtfertigen.

Ich finde es bedenklich, wenn einem in Sachen Bodyacceptance eine Figur oder ein Körperbild aufgezwungen wird, und eine Abnahme quasi als Verrat an der Sache gesehen wird.

Bodycommenting, als das ungefragte Kommentieren der Figur anderer Menschen, finde ich schlimm, wenn es als Fatshaming daher kommt. Aber es hat eben auch niemand das Recht darauf, das ganze umzudrehen und mir das Recht auf meine körperliche Selbstbestimmung abzusprechen, wenn ich abnehmen möchte. Das ist nicht in Ordnung.

Und ja, ich bin ein einigermaßen reflektierter Mensch und nein ich habe keine Essstörung. Im Gegenteil, bevor ich angefangen habe meine Nahrung zu dokumentieren und Kalorien zu zählen, hatte ich einige sehr ungesunde Essmuster, die auch zur Gewichtszunahme geführt haben.

Natürlich könnte ich über all die Leute, die mein Gewicht und meinen Körper kommentieren, sagen „Lasse reden!“.

Aber es macht mir auch bewusst, wie groß die ‚Fremdbestimmung‘ in Sachen Körperlichkeit immer noch ist.
Natürlich ist es sehr bedenklich, wenn bspw. dünne Frauen noch dünner werden wollen, weil sie ‚Germany‘s Next Topmodel‘ oder einen H&M Katalog angesehen haben und sich nun im Vergleich dick fühlen, weil dort ein sehr, seeeehr dünnes Körperideal verkauft wird. Und dann finde ich es gut, wenn sich Menschen Sorgen machen.

Aber ich wünsche mir auch sehr, dass Menschen, die Übergewicht loswerden möchten, weniger „Ja, aber…“ sondern mehr „Yay, ich wünsche die, dass du deine Ziele erreichst!“ hören. Das wäre ein wichtiger Schritt in Richtung der Akzeptanz aller Körperbilder und auch viel motivierender 🙂

Gastbeitrag: Lars VLOGGT über Fettlogik und was es bedeutet, dick zu sein

Vor einigen Wochen schrieb mich Lars an, um zu fragen, ob es für mich okay sei, wenn er einen VLOG (VLOG = Video Tagebuch) über sein Leben mit ~200 kg, seine Abnahme und Fettlogik(en) auf youtube macht – was an sich schon supernett ist, denn natürlich ist es sein gutes Recht, dort über alles zu reden, was er möchte, selbst wenn ich das doof fände (was ich nicht tue. Ich freue mich natürlich.)

Und nachdem ich seine bisherigen Videos schon ziemlich toll fand, konnte ich ihn dafür gewinnen, einen Gast-VLOG für Fettlogik zu drehen. Erstmals gibt es also einen Gastbeitrag in Videoform 🙂

Auf die Frage, was man vor dem Sehen des Videos über Lars wissen sollte, antwortete er wie folgt:

Lars, 38 Jahre alt aus Duisburg/NRW (lebe nun aber nach der Schweiz, England, Irland in Bayern -.-), Bürohocker in der Spielebranche der schon ca 100 Diäten hinter sich hatte und am Ende mit 200 Kilo da stand.

Hab FLÜ gekauft weil so viele Leute es empfohlen haben und bin seitdem voll auf Kurs.

Die Videos mache ich vor allem um mich selbst zu motivieren bzw zu zwingen 🙂

Viel Spaß 🙂

Gastbeitrag: Extremes Übergewicht, der berufliche (Nicht)einstieg… ja und ich!

Im Oktober 2016 schrieb mir Lia zum ersten Mal eine Mail darüber, wie sie in einem Forum auf Fettlogik stieß und beim Anblick meiner Bilder dachte „Verdammt, DAS könntst DU sein!“ – auf dem Weg dorthin haben wir uns seither immer mal wieder geschrieben.

In Fettlogik schreibe ich auch über die Diskriminierung Übergewichtiger, und wie sich zwar einerseits die Wahrnehmung was „dick“ ist, stark verschoben hat, andererseits aber Menschen, die tatsächlich als „dick“ identifiziert werden, eine Menge negativer Stereotype begleiten. In ihrem Gastbeitrag berichtet Lia aus dieser, ebenfalls wichtigen, Perspektive:

Hallo 🙂 Mein Name ist Lia und ich bin 25 Jahre alt. Lia ist nicht mein richtiger Name, da mein echter Name aber sehr selten ist bleibe ich erstmal bei Lia, denn dies ist ein für mich sehr sensibles Thema.

Ich war stark übergewichtig, mein Höchstgewicht lag bei ungefähr 180-185 Kilo verteilt auf 1,67 Meter. Das ist viel zu viel und wahrlich nicht schön, aber was dieses Gewicht – gerade auf beruflicher Ebene – ausmacht möchte ich ein wenig aus meiner Perspektive schildern.

Wir schreiben das Jahr 2012, ich beendete mit ungefähr 130 Kilo meine schulische Laufbahn an einem beruflichen Gymnasium. Die Schulzeit war nicht immer schön und mir wurden ein paar Steine in den Weg gelegt, aber ich meisterte das halbwegs und dachte jetzt wird alles schöner. Leider falsch gedacht, es begann eine Odysee, die meine Sicht auf andere Menschen veränderte. Ich begann mich nach meiner Schulzeit zu bewerben, eine solide Ausbildung im kaufmännischen Bereich, denn ich bin ein „Zahlenmensch“ und mag präzises arbeiten. Und zack sitzt man also bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur.

Die hibbelige Dame war euphorisch und begeistert, gab mir ein paar Tipps auf den Weg und meinte noch „Also Frau Lia Sie haben ein berufliches Gymnasium in der Richtung Wirtschaft besucht und wirken sehr motiviert, da schreiben Sie keine 100 Bewerbungen. Das verspreche ich Ihnen!“. Ich begann sofort, voll motiviert. Okay die Bewerbungsfotos waren etwas kritisch, denn ich bin kein Freund davon aber ich habe das Glück gehabt, dass man mir mein Gewicht nicht wirklich darauf ansah.

Die ersten Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und Tests flatterten ins Haus. Ich war super optimistisch und hab mich immer gut vorbereitet dank Bewerbungscoach, denn wenn ich etwas mache, dann richtig! Ich könnte jetzt ausführlich weitermachen, das Ende vom Lied bleibt gleich: Ich habe keinen Ausbildungsplatz erhalten. Im ersten Jahr redete ich mir nur was von „Ach komm nächstes Jahr bestimmt (…) einfach nur Pech gehabt (…)du findest schon noch was!“ ein. Was mir aber anfangs gar nicht in den Sinn kam war, dass es an meiner Figur liegen könnte.

In einem Vorstellungsgespräch als Industriekauffrau wurde ich gefragt, ob ich denn keine Rückenprobleme hätte, obwohl nein es wurde – nachdem ich von oben bis unten mit abfälligen Blicken gemustert wurde – ungefähr so ausgedrückt: „Waaaas? Und Ihr Rücken? WARUM haben Sie denn noch keine Rückenprobleme? Und Sie sind sich sicher, dass die Ausbildung für Sie das Richtige ist?“. Ja den Wink mit dem Zaunpfahl habe ich damals nicht verstanden, bzw. redete es mir schön.

Ein Steuerberater war der Erste, der es auf den Punkt brachte. Ich rief ihn an, denn ich hatte keine Rückmeldung wie vereinbart erhalten. Erst redete der gute Mann um den heißen Brei herum, erst als er merkte dass es mir sehr ernst ist kam folgender brutal sensibler Satz in einem nicht so netten Tonfall: „Ich will es kurz machen Frau Lia, Ihre Proportionen passen einfach nicht zu uns als etablierten Dienstleister!“ Das hat gesessen, auch wenn er ehrlich war.

Wie bereits erwähnt sah man auf dem Bewerbungsfoto nicht unbedingt mein stolzes Gewicht von ungefähr 130 Kilo an. Ich sah so oft förmlich enttäuschte oder Abneigung signalisierende Blicke, teilweise wirklich verachtend. Sie hatten etwas anderes erwartet. Dieser „Oh mein Gott, die ist fett!“- Blick wird immer in meinem Gedächtnis bleiben

Ich schaffte es öfters auch mal zu einem Probearbeiten, eine Stelle in einer Zeitarbeitsfirma machte mir sogar richtig Spaß. Das Team, aus ca. 12 Leuten bestehend, war freundlich, die Lage gut und ich fand es dort sehr angenehm. Bis ich zu einem Gespräch gebeten wurde und ich wurde über meine Ernährung verhört. „Wie bitte? SIE essen also Schwarzbrot?!?“ Ohja liebend gerne und ich atme sogar Sauerstoff! Ich bin immerhin ein Mensch, wenn auch ein dicker. Nach dem Verhör hörte ich noch aus dem Nebenzimmer ein „Naaaaa, ist DIE FETTE schon weg?“ und daraufhin folgte drei Tage später der Anruf des Geschäftsstellenleiters „Nein Frau Lia, es tut mir ja leid, aber bitte denken Sie nicht es sei nur wegen Ihrer Figur!“ – Nur? Na danke.

Ich könnte Stunden fortführen, was so für skurrile Momente zustande kommen, den Vogel abgeschossen hat aber definitiv die Dame der Berufsberatung. Wohlgemerkt eine neue Dame, die Erste war irgendwie verschwunden. Sie bat mich zum Gespräch und hörte sich gar nicht richtig an, was meine Erfahrung ist, was ich eigentlich möchte und was nicht. Sie unterbrach mich und erzählte mir gleich ich sei ein hoffnungsloser Fall, ich solle mir überlegen ob ich nicht lieber eine etwas andere Ausbildung machen möchte. Diese sog. „Ausbildung“ wäre für Menschen gewesen, die besondere Unterstützung brauchen, im Sinne von extremen Lernschwierigkeiten/einer verminderten Intelligenz. Ich habe nicht zwei solide Schulabschlüsse gemacht und mich durch drei Leistungskurse gekämpft um dann so eingestuft zu werden. Ich war fassungslos, Kompetenz pur! Natürlich kann die Dame auch nicht zaubern, aber alleine auf die Idee zu kommen macht mich sprachlos. Nur weil ich (extrem) dick war wurde ich in eine gewissen Ecke geschoben.

Und auch andere Menschen schoben mich gerne in diese Ecke. Richtig aufgefallen ist mir dies total, als die Nachbarin meiner Eltern aufgeregt sturmklingelte und mir erzählte, ich müsse unbedingt sofort einen Nebenjob in der Spülküche der örtlichen Seniorenresidenz annehmen. Ich fragte sie wie sie darauf käme und es kam nur „Ja nun ich hab gehört du findest ja eh keine Ausbildung, du scheinst überfordert zu sein, einfache Arbeiten liegen dir wohl eher“ – ich kochte innerlich, denn a) hat diese Nachbarin nie mehr als ein „Hallo“ mit mir geredet und b) kann sie meine Lage null einschätzen oder habe ich nach Ihrer Unterstützung gefragt. Ich blieb äußerlich gerade noch so gefasst und sagte ihr höflich, dass das nicht infrage käme. Kaum die Tür geschlossen fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

Sie denkt in Schubladen. Das ist menschlich und wir tun es irgendwie alle wenn wir ehrlich sind. Übergewicht wird oft suggeriert mit mangelnder Leistungsbereitschaft, einem schwachen Willen, Faulheit, man habe sein Leben nicht im Griff, es sei einem alles egal. Und genauso denken auch die zahlreichen Betriebe. Da nimmt man lieber die schlanke junge Dame, statt der Übergewichtigen. Und genau das wurde mir mit zum Verhängnis.

Leider habe ich diese Tatsache erst vor einem Jahr begriffen, vier Jahre nachdem mein Bewerbungsmarathon startete. Nur ich kann mir helfen meinen Körper wieder gewichtstechnisch in den Normalbereich zu manövrieren und mir die beschriebenen Momente zu ersparen. Ich habe übrigens aufgehört genau zu zählen wie oft ich mich beworben habe, letzter Stand waren alleine 400 schriftliche Bewerbungen, da kommen aber noch deutlich mehr hinzu.

Daran sieht man wie sehr das Gewicht das Leben beeinflussen kann, wie sehr man sich selber Steine in den Weg legt. Und ich ärgere mich tierisch, dass ich nicht früher angefangen habe endlich abzunehmen, aus dem Frust heraus wurden aus den 2012 noch 130 Kilo, Mitte 2013 150 Kilo bis zu 185 Kilo im März 2016. Ein Großteil von meinem Übergewicht habe ich mittlerweile verloren, einen Ausbildungsplatz habe ich bis dato leider nicht. Ich sitze in einer Zwickmühle fest und dieses Gefühl aus Existenzangst, dem Druck anderer Menschen und einfach auch einem totalen Schamgefühl weil man mit Mitte 20 feststeckt, ist nicht schön, es ist fast schon demütigend. Und mir rennt die Zeit davon mit 25. Kein noch so tolles Essen ist es wert sowas zu erleben.

Dennoch stößt mir die Art wie mit mir umgegangen wurde auf, wie sehr Menschen sich blenden lassen und vorverurteilen. Mein Kopf ist immernoch der gleiche Kopf wie vor 4-5 Jahren und ich bin auch noch genauso motiviert. Da ist es eigentlich völlig egal ob ich 60 Kilo wiege oder 160 Kilo. Oder auch: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (Antoine de Saint-Exupéry in „Der kleine Prinz“) – was wirklich stimmt.

Aufgeben ist aber nicht, ich schaffe es noch irgendwie, a) ins Normalgewicht und b) in einen sinnvollen Beruf 🙂

Man muss dazu sagen, dass ich natürlich nicht nur abnehme um eine wesentlich bessere bzw. überhaupt eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Ich genieße jetzt schon jeden Tag ein völlig neues Körpergefühl, man wird auch nicht mehr so angestarrt oder kann entspannt ein paar Schritte laufen ohne gleich keine Luft mehr zu bekommen. Kleidung von früher – Größe 52/54 – wird gefühlt langsam zum Zelt, man schläft besser, ist wirklich körperlich leistungsfähiger, man hat irgendwie mehr Lust etwas zu unternehmen. Je mehr der – ich nenne es so, für mich war/ist es wie ein Gefängnis – Panzer sich auflöst, desto freier fühlt man sich. Für mich bedeutet meine Abnahme ein neues, gesünderes Leben mit mehr Freiheiten, ohne bremsendes Gewicht.

An der Stelle starte ich einfach mal einen Aufruf: Falls jemand eine Ausbildungsstelle im kaufmännischen Bereich zu vergeben hat, oder jemanden in dem Bereich kennt, und Lia kennenlernen möchte, schreibt mir gerne eine Mail und ich leite sie an sie weiter! Vielleicht findet sich ja auf diesem Wege eine Möglichkeit! Das wäre großartig.

Montagssammlung

Ich hatte kurz überlegt, den Welt-Artikel „Vorurteile: Die Wahrheit über die Gesundheit dicker Menschen“ als extra Beitrag einzureihen in die lange Liste schlechter Welt-Artikel zu diesem Thema, wie etwa „„Auch sehr dicke Menschen können kerngesund sein“, „Ein genetischer Schalter macht Menschen dick“ oder „Kampf den Kilos: Warum Diäten uns immer dicker und dicker machen„. Bevor ich allerdings dazu kam, war er hinter einer Paywall verschwunden. Ein Ökonom hat eine Reihe von Selbstauskünften untersucht um „um herauszufinden, ob Dicke tatsächlich immer auch ungesünder sind als ihre schlankeren Zeitgenossen“ und „der Befund des – schlanken – Professors aus Hannover: Nein, sind sie nicht. Grundsätzlich seien Übergewichtige weniger gesund als schlankere Zeitgenossen, daran gebe es keine Zweifel, schreibt Hüberl in einem aktuellen Aufsatz in der renommierten Fachzeitschrift „Economics and Human Biology“. Zwingend sei das allerdings nicht.“ weil laut Studie „introvertierte Stubenhocker mit geringem Selbstbewusstsein, die verhuscht auf der heimischen Couch sitzen und Pralinen knabbern“ mehr unter den Folgen leiden als Etravertierte. – Gratuliere, liebe Welt, ihr habt damit das Konzept eines Risikofaktors erfasst. Euren nächsten Artikel mit der spannenden Info, dass nicht jeder Raucher Krebs hat und es Raucher gibt, die gesünder sind als Nichtraucher, erwarte ich mit Spannung.

Der Wissenschaftler selbst liefert auch bereits die Kritik: Hübler sagt zwar selbst, dass es besser wäre, wenn neben dieser Selbsteinschätzung auch messbare objektive Kriterien für den Gesundheitszustand der Betroffenen vorlägen. Schließlich sei es gut möglich, dass extrovertierte soziale Menschen ihre eigene Gesundheit besser beurteilen als eine ängstliche Person, die objektiv genauso gesund oder krank ist. Entsprechende objektive Gesundheitsdaten liefert das SOEP allerdings trotz der Datenfülle nicht.

Dazu wurde beispielsweise dieser Effekt „So fand er beispielsweise heraus, dass Übergewicht besonders dann gefährlich wird, wenn das Körpergewicht häufig und stark schwankt“ bereits vor Jahren als reine Korrelation entlarvt. Dazu aus Fettlogik: „Studien, die ein erhöhtes Sterberisiko fanden, unterschieden nicht zwischen gezieltem Abnehmen und unfreiwilligem Gewichtsverlust. In Folge vieler lebensgefährlicher Erkrankungen wie Krebs, Schlaganfall oder Diabetes nehmen Menschen oft massiv an Gewicht ab, sodass Studien, die diesen Faktor nicht kontrollieren, zu dem Ergebnis kommen, dass Gewichtsschwankungen mit Sterberisiko zusammenhängen. Tatsächlich verursacht jedoch die Erkrankung sowohl die Gewichtsschwankung als auch den Tod. Das ist keinesfalls vergleichbar mit gesunden Personen, die sich bewusst entscheiden, ihr Gewicht zu reduzieren.“ dennoch wird einfach mal aufgund dessen spekuliert und geraten: „„Starke Schwankungen des Körpergewichts belasten die Gesundheit sehr; das gilt besonders, wenn der BMI ohnehin hoch ist. Wenn eine Person versucht, dagegen anzugehen, es aber nicht so richtig schafft, wieder zunimmt und das Körpergewicht immer wieder hoch- und runtergeht; das ist ausgesprochen ungünstig“, sagt Hübler. „Ein Mediziner würde das vermutlich damit erklären, dass grundsätzlich ein steter Lebenswandel ohne starke Schwankungen für den Körper günstiger ist.“

Solche Artikel, die sogar Angst vor Gewichtsreduktion schüren, sind besonders ärgerlich, wenn man sie mit den Ergebnissen dieser neuen Studie vergleicht, die herausgefunden hat, dass Adipositas in den USA die Hauptursache für (vermeidbar) verlorene Lebensjahre ist. Laut den Autoren sei dies vor 15 Jahren noch das Rauchen gewesen, aber zwischenzeitlich habe es so gute Fortschritte in der Raucherprävention gegeben, dass nun Übergewicht an die erste Stelle gerückt ist.

Auf Twitter wurde ich darüber hinaus auf diese Studie hingewiesen, in der untersucht wurde, ob Gewichtsverlust die Verschlimmerung von Knieproblemen verlangsamen kann – und ja, kann es, sogar in eindrucksvoller Weise.

Gleichzeitig gibt es (neben anderen Unis) in der University of Maryland inzwischen einen Kurs in „Fat Studies“, in dem Diäten nicht wirklich gut wegkommen und wir haben gestern den internationalen Anti-Diättag gefeiert. Initiiert wurde er von Mary Evan Young, die an Magersucht erkrankt war. Nun ist natürlich verständlich, dass aus der Perspektive einer ehemals Magersüchtigen Diäten schwierig sein können. Angesichts der Tatsache, dass inzwischen die Mehrheit der Deutschen übergewichtig ist, stellt sich dennoch die Frage, ob ein Anti-Diättag so eine sinnvolle Sache ist. Die Kritik fällt nämlich leider selten differenziert aus, im Sinne dass klargemacht wird, dass es ungesunde oder sinnlose Arten on Diäten oder Diätprodukten gibt, sondern richtet sich meist gegen Abnehmen und Diäten generell. Heute.de etwa schreibt in ihrem „Sieben-Gründe-Menü, warum Diäten höchstens im Bundestag eine Daseinsberechtigung haben, aber nicht in unserem Leben„:  „Wie langweilig wäre es, wenn wir alle den gleichen Geschmack hätten und in Größe 36 im Einheitslook rumlaufen würden? Keine Ecken, keine Kanten und keine eigene Persönlichkeit. Diäten ersticken im Keim, was jeden von uns besonders macht. Während wir sonst leidenschaftlich unsere eigene Meinung vertreten, unterwerfen wir uns kommentarlos ihrem Diktat an Regeln. Immer und immer wieder. Und vergessen dabei, Leben zu lieben.“ und RP online verbreitet etwas Stoffwechselpanik: „Auch moderne Ernährungswissenschaft lehnt Diäten als Quälprogramme ab. Schon beim Wort Diät geht es nicht um kurzfristige Effekte; es kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie Lebensführung. „Dabei steht es für das gesunde Leben im Allgemeinen, inklusive Sport, Ernährung, Stress und Livestyle“, sagt die Krefelder Diätassistentin Doris Steinkamp. Warum sind die sogenannten „Crash-Diäten“ so uneffizient und führen meistens sogar dazu, dass der Abnehmende nach der Diät wieder Gewicht dazugewinnt? „Wenn man öfter weniger als den normalen Kaloriengrundumsatz zu sich nimmt, denkt der Körper, es handele sich um eine Notsituation. Er lernt, die gegebene Energie besser zu nutzen. Wenn man nun wieder anfängt, wieder normal zu essen, möchte der Körper sich auf kommende Hungerphasen vorbereiten und setzt so viel Speck wie möglich an“, so Steinkamp.“ Aus meiner Sicht ist das etwa so, als würde angesichts der Tatsache, dass es ein riesen Problem mit Krankenhauskeimen gibt, einen „Anti-Hygienetag“ in medizinischen Einrichtungen einführen, weil es Menschen gibt, die an Waschzwang leiden.

Allerdings gibt es auch gute Neuigkeiten. Johannes, der Gründer von Fitess-Experts bat mich, auf seine Studie hinzuweisen, mit der er herausfinden möchte, welche Strategien langfristiges Gewichthalten unterstützen – hier sein Aufruf:

Um was geht es?

Der Jojo-Effekt scheint für viele unausweichlich. Manche denken sogar, niemand könne langfristig erfolgreich sein Fett loswerden. Aber das stimmt nicht! Ca. 20% halten ihr neues Gewicht langfrsitig. Was machen diese „Erfolgreichen“ besser als die nicht erfolgreichen?

Offensichtlich haben sie Strategien entwickelt, mit denen sie ihr Gewicht dauerhaft (oder in einem gewissen Korridor) halten. Natürlich eine Form von „Weniger essen und mehr bewegen“. ABER das sagt noch nichts darüber aus, mit welchen Strategien das Gewicht wirklich gehalten wird.

In dieser Studie wollen wir die effektivsten Strategien ausfindig machen, mit denen du am leichtesten und erfolgreichsten dein Gewicht nach einer Diät hältst. Sie machen den Unterschied zwischen erfolgreicher dauerhafter Gewichtsabnahme und Jojo-Effekt.

Bist du geeignet?

Hast du mehr als 5-10% deines Körpergewichts abgenommen und dieses neue Gewicht für mindestens 1 Jahr (oder viel länger) in einem gewissen Bereich gehalten und bist du 18 Jahre oder älter? Dann bist du ideal geeignet mitzumachen.

Was bekommst du für die Teilnahme?
 

Als erfolgreicher Teilnehmer, …

  • … bekommst du am Ende eine Auswertung der Ergebnisse und erfährst, wie du dein Gewicht noch besser/einfacher oder überhaupt halten könntest. Du bekommst neue Ideen und Impulse, was du noch tun kannst (und was du dir sparen kannst).
  • … bekommst du die nächsten 2 auf FE neu erscheinenden Programme deiner Wahl kostenlos!
  • … bist du Teil der weltweit ersten Untersuchung dieser Art & Größe und lieferst einen enorm wichtigen Beitrag die Wissenschaft in dieser Frage voranzubringen. Für die Studie bekommen wir Unterstützung der renommierten Oxford Universität und der TU in München. Damit ist es möglich in Zukunft wissenschaftlich fundierte Programme zu entwickeln und die Modediäten & Hypes als das zu entlarven, was sie sind: nicht hilfreich.
Wie lange dauert das und sind meine Daten anonym?
 

Insgesamt benötigst du für die Teilnahme ca. 30-45 Minuten. Das ist jedoch gut angelegte Zeit. Die komplette Studie wird online und anonymisiert durchgeführt (kein Name erforderlich, nur eine E-Mail-Adresse). Deine Daten werden nach Studienende wieder gelöscht.

 
Hast du Lust an der Studie mitzumachen und dir die Vorteile zu sichern? Dann trage bitte in diesem Artikel unten deine E-Mail Adresse ein und es geht sofort los!
Zu guter Letzt noch der Hinweis auf einen neuen VLOG von Lars, mit dem Titel „Was es bedeutet, dick zu sein„, in dem er über sein Leben mit ~ 190 kg, seine Abnahme und Fettlogik spricht. Ich konnte ihn überreden, in einigen Wochen ein Gastvideo als Beitrag für diesen zu machen – also schaut gerne schonmal rein und hinterlasst ihm vielleicht Kommentare oder Fragen, was euch in seinem Gastbeitrag interessieren würde!
Und wenn ich etwas vergessen habe oder ihr spannende Beiträge über Übergewicht, Abnehmen oder Fettlogik gesehen oder geschrieben habt, schreibt sie gerne in die Kommentare!

Update: Ausgezählt!

In letzter Zeit fiel es mir schwer, persönliche Beiträge zu schreiben – das war wesentlich leichter, als Fettlogik noch ein selbst publiziertes Ebook war und der Blog tagebuchiger war. Inzwischen mache ich mir vor einem „privaten“ Beitrag zig Gedanken und meist verwerfe ich ihn dann.

So hat es nun einige Monate gedauert, aber ich wollte dennoch endlich ein Update geben, wie es aktuell bei mir läuft. Was das Gewicht angeht, wie man anhand der Fotos von meinem Vortrag in Bern sehen kann: Stabil bei ~65 kg.

Wobei … na jaaa. Direkt im Anschluss habe ich einige Tage Urlaub bei meinen Eltern gemacht, und dieser Abschnitt aus Fettlogik zum Thema „Urlaub bei meinen Eltern“ passt nach wie vor:

Insbesondere die Zeit bei meinen Eltern war eine Kombination aus allem, was es mir besonders schwermachte: Das ganze Haus war voll von Dingen, die ich besonders mochte, speziellen Süßigkeiten oder Gebäck von meiner Großmutter. Es gab sehr viele Familienfeiern mit Restaurantbesuchen, meine Mutter verwöhnte uns mit üppigen Frühstücken, und es gab ständig irgendwo Kaffee und Kuchen. Viele Tage schrieb ich komplett ab, und nach einer halben Woche war mir klar, dass ich mehrere Kilo schwerer aus diesem Urlaub zurückkommen würde.

*hüstel*

Allerdings hat sich tatsächlich etwas verändert: Ich zähle seit Monaten keine Kalorien mehr. Wer hätte das (so schnell) erwartet? Okay, ganz so ist es nicht. In meiner Definition ist „Kalorien zählen“ das korrekte zählen und nicht das „zählen“, das ich früher praktiziert habe.

Der Prozess war eigentlich ziemlich schleichend. Ich wog nicht mehr alles, sondern schätzte gerade bei Gemüse und co. dann doch nur noch. Ich begann, einzelne Mahlzeiten mit Bewegung zu verrechnen, ohne das einzutragen. Ich hörte irgendwann nach der Hälfte des Tages auf, die kcal einzutragen, weil ich dachte, dass es schon ungefähr passen wird. Irgendwann landete ich bei „grob im Kopf überschlagen“.

Und: Ich halte mein Gewicht.

Klappt also? Na jaaaa. Seit ich das mache, also ungefähr seit Januar, bin ich dabei, die ~2 Extra-Feiertagskilos von Weihnachten loszuwerden. Und der Plan lautet eigentlich, das in 2 Wochen runterzureißen, mit einem täglichen Defizit von 1000 kcal. Mit meinem Sportpensum liegt mein Bedarf aktuell bei 3000+ kcal, also bedeutet das, wenn ich „normal“ esse läuft das Ding.

Tatsächlich war es allerdings so, dass ich weniger als 1 kg pro Monat abnahm, obwohl ich mit meiner Kalorienschätzung immer bei ca. 1000 kcal Defizit pro Tag rauskam. Es stellt sich raus, dass ich weiterhin nicht schätzen kann. Zwischendurch habe ich natürlich das Phänomen untersucht und einzelne Tage nachgeprüft. Mir wurde recht schnell klar, wo es hakte. Ich liebe z.B. selbstgemachtes Popcorn und esse davon oft mehrere Portionen á 50 g. Blöderweise waren das irgendwann aber keine 50 g mehr sondern eher 75+ g. Und ich merke das nicht. Echt nicht.

Wenn ich also das Gefühl habe „normal“ zu essen, lande ich nicht bei den ca. 2000 kcal, die eine Frau meiner Größe und meines Gewichts in etwa braucht, sondern deutlich darüber. Eigentlich nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass ich durch „normal essen“ irgendwann bei 150 kg gelandet bin. Andererseits sollte man meinen, dass ich das inzwischen gelernt hätte. Relativ neiderfüllt blicke ich da auf die ganzen Fettlogikleser, die rückgemeldet haben, dass sie kcal-zählen nur kurz zur Justierung gemacht haben, um anschließend problemlos ohne weiterzumachen. Ich bin da ein deutlich (haha Wortspiel) schwererer Fall.

An sich kein Wunder, denn wer nur 10 oder 20 kg abnehmen will, muss ja insgesamt nicht extrem viel an der Ernährung ändern, sondern langfristig nur ein paar kcal pro Tag einsparen oder zusätzlich verbrauchen. Bei meinen 85 kg weniger (und ich bezweifle sehr, dass 150 kg mein „Endgewicht“ gewesen wären, bei der bisherigen Enwicklung) ist der Unterschied natürlich deutlicher.

Das ist übrigens auch ein Grund, warum ich mich manchmal ärgere, wenn Leute das bei mir so abtun. Ich lese öfter mal sowas wie „die tut so, als sei das total einfach!“ oder „die versteht gar nicht, wie schwer es für manche ist, weniger zu essen!“ oder „schön wenn das bei ihr klappt, aber andere haben halt einen höheren Appetit, da ist das nicht so leicht!“

Äh. Ja. Das ist für mich auch nicht leicht. Ich habe da in mehrfacher Hinsicht die schlechtesten Startbedingungen. Meine Schilddrüsenunterfunktion rechne ich da mal raus, aber genetisch bin ich auf jeden Fall mit maximaler Vorbelastung ausgestattet, was Appetit angeht. Meine Mutter nahm in der Schwangerschaft auf über 130 kg zu, also gibt’s noch den Extrabonus (interessanter Artikel dazu: „Der Organismus des Kindes wird auf mehr Kalorien gepolt, also regelrecht auf Überernährung programmiert. Dadurch steigt das Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einen hohen Blutdruck oder einen Diabetes zu entwickeln. Und das gilt nicht nur für die ersten Lebensjahre des Kindes, sondern auf Jahrzehnte hinaus.„). Auch (mein) AD(H)S steht in starkem Zusammenhang zu (schwerer) Adipositas.

Mein natürlicher Bewegungsdrang ist quasi nicht vorhanden. Inzwischen kann ich sagen, dass das keine Folge meines Gewichts oder der Mobilitätseinschränkungen war/ist, sondern bei mir eben so ist. Bewegung kommt bei mir nicht unbewusst oder von selbst, ich muss das aktiv tun. In meinem Naturzustand bin ich im absoluten Ruhemodus. Ich hatte vor einiger Zeit mal das hier irgendwo gepostet:

neat

Das trifft zu 100 % auf mich zu. Es ist so auffallend, dass mich regelmäßig Leute darauf ansprechen, dass ich so ruhig wirke oder eine besonders ruhige Ausstrahlung hätte. Jo, das liegt daran, dass ich mich so gut wie nicht bewege. Selbst jetzt, wo ich Muskeln habe und problemlos mehrere Stunden am Stück intensiven Ausdauersport machen kann, bin ich im Ruhezustand eben völlig ruhig.

Das soll jetzt kein Mimimi sein, denn es wäre natürlich schön, wenn ich entweder einen geringen Appetit hätte, der an mein inaktives Wesen angepasst ist, oder andererseits ein total aktiver Bewegungsfan wäre, der wie ein Gummiball locker nebenbei die Extraenergie loswird. Dann müste ich mir nicht bewusst Gedanken um sowas machen. Andererseits denke ich, dass jeder so seine Baustellen hat und ich dafür in anderen Bereichen wie Rauchen, Trinken oder Geldausgeben das Glück habe, keine Probleme zu haben.

Ich werde wohl mein Leben lang darauf achten müssen, meine Balance zu halten. Für mich persönlich kann ich sagen, dass es das absolut wert ist. Bei manchen mag das anders sein, aber für mich bedeutet Normalgewicht einen unglaublichen Gewinn an Lebensqualität, der hauptsächlich über die gesundheitlichen Faktoren kommt.

Lustigerweise hat sich mein Leben an sich kaum geändert, im Vergleich zu der Zeit mit 150 kg. Abgesehen davon, dass ich meine Seriensucht jetzt mit Sport kombiniere und Netflix auf dem Heimtrainer und nicht auf der Couch suchte, ist nichts so wirklich anders geworden. Früher war ich mir manchmal nicht sicher, ob ich tatsächlich so introvertiert und zurückgezogen bin, oder ob ich mich irgendwie unbewusst wegen meines Gewichts verstecke. Ich dachte zwar, dass ich zu meinem Gewicht stehe, habe aber dennoch ab und zu an mir gezweifelt, ob meine Lebensentscheidungen nicht doch durch mein Gewicht bestimmt waren.

Diese Frage hat sich jetzt für mich geklärt und es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich auch mit 150 kg das Leben geführt habe, das ich wollte. Ich war tatsächlich zufrieden und glücklich, und es war nicht so, dass ich nun mit Normalgewicht plötzlich alles anders mache, weil ich in Wirklichkeit doch total eingeschränkt war.

Falls sich das irgendwie paradox anhört, weil ich einerseits sage, dass sich meine Lebensqualität unglaublich erhöht hat und andererseits feststelle, dass sich mein Leben nicht sehr verändert hat: Für mich ist der große Unterschied, wie sich mein Körper anfühlt. Mir war zuvor nicht bewusst, wie sehr mich mein schwerer Körper buchstäblich heruntergezogen hat. Auch schon vor den Knieprobemen und den andauernden Schmerzen, war das Übergewicht eine ständige Last, die mich insgesamt ermüdet hat. Auch wenn das Beispiel abgegriffen ist: Es ist tatsächlich damit vergleichbar, ständig einen schweren, mit Steinen befüllten Rucksack herumzuschleppen. Alles ist irgendwie anstrengender und unbequemer, kostet mehr Kraft oder ist umständlicher.

Das schlimme ist, dass ich das so bewusst nicht wahrgenommen habe, weil ich den Unterschied einfach nicht kannte. Ich sah nur die großen Dinge und fühlte mich insgesamt in meinem Leben nicht beeinträchtigt. Ich hatte einen guten Beruf, einen tollen Mann, war zufrieden mit meinen Interessen und es gab keinen Bereich, wo ich gesagt hätte: „Das kann ich nicht machen, weil ich dick bin.“ – mir war nicht klar, dass der Unterschied im kleinen liegt, im Alltag, und dass sich einfach jeder Schritt leichter anfühlt. Das würde ich nie wieder missen wollen, und wenn es dafür nötig wäre, mein Leben lang jedes Essiggürkchen vor dem essen auf die Waage zu werfen, wäre das kein zu hoher Preis.

Soweit also das Update, wie sich mein Leben in den nunmehr fast 3 Jahren nicht-mehr-adipös-sein entwickelt hat. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Auch wenn ich immer gesagt habe, dass mein Ziel darin besteht, langfristig keine kcal mehr zu zählen, bin ich zur Zeit gar nicht so sicher, was das angeht. Die letzten Monate war ich einfach irgendwie zu unmotiviert dafür, und natürlich ist es minimal weniger aufwendig, das Eingetrage in die App einfach seinzulassen. Andererseits hat das Eintragen für mich einen gewissen Erinnerungsvorteil: Wenn ich schwarz auf weiß sehe, wie viel ich tatsächlich gegessen habe, bin ich irgendwie zufriedener damit und habe auch tatsächlich das Gefühl, dass ich mir doch ganz schön was gönne. Wenn ich das nicht tue, fühlt es sich trotz objektiv anderer Realität für mich schnell wieder an wie „So viel esse ich doch gar nicht … menno.“ – ich bin daher ernsthaft am überlegen, ob Instagram eine Lösung sein könnte, und ich in Zukunft regelmäßig meine Mahlzeiten fotografiere. Klingt doof, aber das fühlt sich total befriedigend an, auch wenn ich dann gezwungen bin, mich über mich selbst deswegen lustig zu machen (sowas hipstermäßig-albernes, Essen zu fotografieren…) 🙂