Gastbeitrag: Abnehmen ohne Kalorienzählen.

Fettlogik wird gerne in einem Atemzug mit Kalorienzählen genannt – was vermutlich daran liegt, dass das Thema Kalorien recht präsent ist und ich selbst dieses Mittel genutzt habe. Diese Assoziation lässt sich dann nur schwer mit den gelegentlich eingestreuten Hinweisen, dass es auch ohne geht, lösen. Dass Kalorienzählen allerdings keineswegs der einzige Weg ist und für manche Charaktertypen sogar zu gegenteiligen Reaktionen führt, zeigt Lastalda, ihres Zeichens Programmiererin um die 30, mit ihrer Geschichte. Und die beigefügte Abnehmkurve zeigt: Es geht sogar sehr gut:

kurve

Die große, überfordernde Freiheit

In „Fettlogik Überwinden“ wird sehr umfangreich und einleuchtend erklärt, dass man zum Abnehmen einfach weniger Kalorien zu sich nehmen muss, als man verbraucht. Und dass viele Diäten scheitern, weil die Probanden entweder die aufgenommenen Kalorien unterschätzen oder die verbrauchten Kalorien (z. B. durch Sport) überschätzen – oder beides. Um erfolgreich abzunehmen, kann man „einfach“ Kalorien zählen, auf ein Defizit achten, durchhalten, und das wird funktionieren.

Aber geht es auch ohne Zählen? Weder Kalorien noch Punkte?

Vielleicht nicht für jeden – aber für manche schon. Ich habe in den letzten 3 Jahren (davon die Hälfte Diätpause wegen Schwangerschaft und Stillzeit, also eigentlich anderthalb Jahre) von BMI 32 auf BMI 21 abgenommen, ohne Kalorien zu zählen oder an einem Diätprogramm teilzunehmen.

Vorgeschichte

Meine Kindheit und die dicke Identität

Ich war kein dickes Kind, habe mich aber immer als mollig empfunden. Ich weiß noch, dass ich irgendwann in der frühen Grundschulzeit meine Mutter fragte, ob ich dick sei. Sie antwortete mir, ich sei „normal, weder zu dick noch zu dünn“. Was ich interpretierte als „Ich bin dick, Mama hat mich nur zu lieb, um es mir zu sagen“. Ich sah ja, dass andere Kinder in meiner Umgebung deutlich dünner waren als ich. Und meine Mutter hatte es mir ungewollt bestätigt: ich war nicht dünn. Also war ich dick.

Da meine Mutter und meine Oma auch beide deutlich übergewichtig waren, solange ich mich erinnern kann, und schon von klein auf bei uns über die starken mütterlichen Gene gewitzelt wurde (man kann Kinderfotos von Oma, Mama und mir im gleichen Alter nebeneinander halten, und das Gesicht sieht fast identisch aus), habe ich das auch als ziemlich normal empfunden – dann werde ich wohl auch dick. Ist halt so. Kann man nichts machen, also lohnt es sich auch nicht wirklich, sich groß damit zu beschäftigen.

(Heute verstehe ich, was meine Mutter damals eigentlich meinte, wenn ich meine eigene Tochter ansehe. Die ist nämlich normalgewichtig, weder zu dick noch zu dünn… Ich gebe mir große Mühe ihr das, wenn das Thema aufkommt, als was Positives zu spiegeln, in der Hoffnung, dass es ihr eine dicke Identität erspart.)

Somit war der Grundstein für meine Identität als Dicke gelegt. Allerdings hatte ich bis ins mittlere Teenageralter gar keine Gelegenheit, wirklich übergewichtig zu werden. Ich liebte zwar Süßigkeiten, aber die gab es bei uns nur zu Geburtstagen, Ostern und Weihnachten, und Taschengeld gab’s gar nicht. Chips etc. gab es generell nicht, und Kuchen oder Eis nur, wenn mal Besuch da war (was selten vorkam). Standardgetränk war Tee mit Süßstoff, zu essen gab es drei Mahlzeiten täglich und dazwischen bei Bedarf Obst oder Gemüse aus dem Garten.

Als ich mit ca. 15 Jahren ausgewachsen war (1,73 m), wog ich 65 kg – das entspricht BMI 21, also mittlerem Normalgewicht. Dennoch empfand ich mich als mollig – nicht wirklich sehr dick, aber auf keinen Fall schlank. Schlank war ein Großteil der Mädels in der Schule, und die sahen ganz anders aus als ich.
Aber meine Mutter war als Jugendliche, Familienfotos nach zu urteilen, auch nicht dick gewesen… von daher war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis mich dieses Schicksal auch ereilte.

Gelegenheit macht dick, oder: Zunehmen ohne hinzugucken

Als ich mit 18 von zuhause auszog, um zu studieren, wog ich immer noch 65 kg. Ich kannte den Begriff Setpoint nicht, bis ich FLÜ gelesen habe, aber als genau das habe ich dieses Gewicht damals empfunden – eben das Gewicht, bei dem sich mein Körper eingependelt hatte, ohne dass ich je auf meine Ernährung geachtet hätte. Jedenfalls war das die Zahl, die mir die Waage unbeirrt über Jahre hinweg anzeigte, wenn ich all paar Monate mal drauf stieg. Und weil ich den BMI damals durchaus kannte, wusste ich, dass das als mittleres Normalgewicht ja okay sein sollte, womit ich keinen Sinn darin sah, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es gab so viele spannendere Themen!

Was ich mit dem Auszug unter anderem hinter mir ließ, war Süßstoff, denn der hatte mir nie geschmeckt. Aber süß mussten Getränke schon sein – Wasser bekam ich einfach nicht herunter, und ungesüßter Tee war widerlich. Also dann doch lieber richtigen Zucker. Oder richtigen Saft.

Was dazu kam, war zum ersten Mal selbst über Geld zu verfügen. Damit knauserte ich zu Anfang sehr, weil ich große Angst hatte, dass es nicht reichen würde – ich hatte ja nie gelernt, mit Geld umzugehen. Aber ich stellte relativ schnell fest, dass Süßigkeiten (SÜSSIGKEITEN!!!) nicht teuer sind. Und TK-Pommes auch nicht. (Ansonsten kochte ich allerdings gerne viel mit frischem Gemüse – mit ordentlich Beilage, versteht sich.)

Ich weiß nicht genau, wie alt ich war, als ich das nächste Mal auf eine Waage stieg. Vielleicht 20? Da wog ich auf einmal 75 kg. Ups!

Ach so, das war die Pille! Da lagert man ganz gemein viel Wasser ein! Auf die Idee, dass es auch mit meinem Zuckerkonsum zu tun haben könnte, kam ich gar nicht.

Misstrauisch beobachtete ich die nächsten Monate meine Waage (nicht täglich, aber so ungefähr alle 1-2 Wochen). Und es blieb bei 75 kg. Ging es doch mal drüber, aß ich abends ein paar Tage lang nen kleinen Obstsalat statt belegte Brote, und ließ eventuell mal die Süßigkeiten weg (die billigen hatten inzwischen ihren Neuigkeitsreiz verloren und die leckeren waren zu teuer für Dauereinsatz, daher war der Süßkonsum ohnehin zurück gegangen), und dann hatte ich meine 75 wieder. Offenbar war das mein neuer Setpoint. Etwas höher, als ich eigentlich angenehm gefunden hätte, aber ich konnte damit leben (und mein damals-Freund-jetzt-Mann auch).

Während und nach meiner ersten Schwangerschaft wog ich mich regelmäßig – ich nahm ziemlich genau die empfohlenen Kilos zu und hatte sie nach der Stillzeit problemlos wieder runter. Yay, Setpoint gehalten!

Irgendwann in der Folgezeit wurde ich zu faul zum Wiegen. Mein Körper hatte sich ja jetzt offenbar die 75 kg gemerkt. Ich wog mich nur noch sporadisch, dann gar nicht mehr.

1-2 Jahre später wog ich auf einmal 85 kg. Mist, so war das nicht geplant gewesen! Wo die herkamen, konnte ich mir nicht recht erklären. Oder doch – das war Glücksspeck. Wenn man zusammen glücklich ist, dann nimmt man halt zu, das ist normal. Hatte ich mal irgendwo gelesen. Darauf, dass das vielleicht an den vielen gemeinsamen Abenden auf der Couch mit leckeren Knabbereien liegen könnte, kam ich nicht, zumindest nicht ernsthaft.

Diäten funktionieren nicht!

Glücklich war ich mit meinem Leben schon, nur mit dem Gewicht nicht so wirklich. Von einer guten Freundin (die quasi gegen ihr Übergewicht kämpft, seit ich sie kenne, und damals meine 75 kg als Traumgewicht bezeichnet hat) hörte ich von WeightWatchers. Sie benutzte allerdings nur die Tabellen, machte aber kein bezahltes Programm mit. Ich ließ mir die Tabellen geben und probierte das auch mal, da mir das Konzept recht einleuchtend mit vertretbarem Aufwand erschien – und stellte den Versuch nach drei Tagen bereits ein, weil mich das Punkte zählen total kirre machte. Auf einmal dachte ich den ganzen Tag nur noch an essen – daran, wie viele Punkte das jetzt waren, und wie viele ich noch übrig hatte, und was ich für diese Punkte noch essen konnte… Ich hatte nie Probleme mit Heißhunger gehabt, aber in diesen Tagen lernte ich ihn kennen. (Dankenswerterweise verschwand er nach Beendigung des Diätversuchs auch gleich wieder.)

Das konnte nicht gesund sein! Wenn man die ganze Zeit ans Essen denkt, kann man doch nicht abnehmen!
Kurze Zeit später stieß ich in einem Blog auf die Aussage „Nach 95% der Diäten sind die Betroffenen hinterher schwerer als vorher!“. Das hat mich tief erschüttert, und passte zu meinen seit Ewigkeiten vergeblich gegen ihr Übergewicht kämpfenden Freunden. Bloß gut, dass ich dem grade noch so entkommen war! Da fand ich mich doch lieber mit meinem Gewicht ab und lenkte meine Energie auf wichtigere und spannendere Themenfelder. Mein Studium und meine Familie und die Verbesserung der Welt durch das Internet zum Beispiel.

Berufseinstieg, oder: Das dicke Ende kommt erst noch

Mit 26 schloss ich mein Studium ab, heiratete meinen Freund und begann im Jahr darauf mein Berufsleben. Toller Job, klasse Firma. Schreibtisch. Und nachdem ich all die Jahre immer zu wenig getrunken hatte, nun endlich die Gelegenheit mir jeden Tag eine große Kanne Tee auf den Tisch zu stellen und die über den Tag auch zu trinken. Mit Zucker, versteht sich. Und hinter mir im Schrank ein stets gut gefülltes Fach mit den wirklich leckeren Süßigkeiten, die ich mir jetzt bedenkenlos leisten konnte – als Nervennahrung. Schließlich arbeitete ich mit dem Kopf, und das Gehirn braucht Glucose als Nährstoff. Hatte ich in der Biochemie-Vorlesung gelernt!

Bewegung hatte ich dafür quasi gar nicht mehr. War ich während des Studiums ständig von Vorlesung zu Vorlesung über den Campus gelaufen, und später während der Diplomphase viel Rad gefahren bin, um Töchterchen zur KiTa zu bringen, saß ich jetzt den ganzen Tag am Schreibtisch und benutzte für den Arbeitsweg das Auto. Mein tägliches Maß an Bewegung bestand noch aus Treppen steigen (vierter Stock ohne Fahrstuhl), ein- bis zweimal am Tag kurz den Flur runter und ein bisschen Haushalt. Dass das nicht gesund sein konnte, war mir dabei durchaus bewusst – aber ich war immer ein Bewegungsmuffel gewesen und Bewegung nur um der Bewegung willen erschien mir so… sinnlos. Verschwendete Energie. Dennoch begann Sport langsam nach etwas zu klingen, was mir wahrscheinlich gut tun würde, wenn ich denn mal den Hintern hoch bekäme.

Etwa ein halbes Jahr später suchte eine Kollegin jemanden, der ihren Vertrag im Fitnessstudio (im Erdgeschoss des gleichen Gebäudes, wo ich arbeite) übernehmen wollte, da sie nicht mehr hinging. Ich beschloss, das als Wink des Schicksals aufzufassen und übernahm. Die Eingangsmessung brachte Furchtbares zutage: 97,6 kg bei 43,4% Körperfettanteil! Viszerales Fett war wohl noch im Normalbereich und der Skelettmuskelanteil mit 25% für meinen nicht vorhandenen Fitnesszustand auch recht okay. Aber fast 98 Kilo! Katastrophe!

Naja, mit mehr Bewegung würde das sicher besser werden!

The long way down

Sport

In der Folgezeit schaffte ich es immerhin ca. 1-3 mal pro Woche ins Studio. Ich machte Krafttraining an verschiedenen Geräten und anschließend 15-20 Minuten Crosstrainer. Beides machte nicht wirklich Spaß, aber war erträglicher als ich es mir vorgestellt hatte. Mit Hörbuch war das ganz gut auszuhalten, und hinterher fühlte ich mich jedes Mal merklich besser als vorher. Ich merkte also: das tat mir gut.

Das Gewicht ging allerdings nicht runter. Bei meiner zweiten Messung nach einem guten halben Jahr war ich sogar auf 99,7 kg angekommen, also fast 100! Aber das waren doch bestimmt Muskeln, oder…? Nein, leider nicht. Der KFA war sogar auf 44,4 gestiegen. Der Muskelanteil war gleich geblieben, also hatte ich tatsächlich geringfügig Muskelmasse aufgebaut, aber hauptsächlich war das mehr Fett! (Im Nachhinein betrachtet habe ich mir da wohl mehr gegönnt „weil ich mir das ja verdient habe“.)

Ich war nahe am Verzweifeln. Der Trainer gab deutliche Hinweise, dass ich vermutlich an meiner Ernährung was ändern müsste, wenn ich abnehmen wollte. In dieser Zeit las ich unter anderem einen Artikel von jemandem, der die Quintessenz seiner erfolgreichen Abnahme mit der schönen Formel „Eat less, excercise more!“ zusammengefasst hatte, und letztendlich leuchtete mir das nach langem Nachdenken doch mehr ein als „Diäten scheitern automatisch“. Nachdem mehr Bewegung allein offenbar nicht reichte, wurde es also Zeit, den „weniger Essen“-Teil anzugehen.

Eine neue Routine

In dieser Zeit erzählte mir meine Mutter, dass sie jetzt seit einer ganzen Weile abends keine Kohlehydrate mehr aß, und damit richtig gut abnahm. Da ich ja, wie ich wusste, Mutters dominante Gene hatte, schloss ich daraus, dass das bei mir vielleicht auch funktionieren könnte. Also sprang ich über meinen Schatten und begann zum ersten Mal in meinem Leben eine echte Diät (nannte und empfand es aber nicht so).

Ich war schon immer ein extremer Routinemensch. Solange ich denken kann, hab ich unnötige Entscheidungen gehasst und vermieden – dann lieber immer die gleichen Schokos mit Milch zum Frühstück, immer den gleichen Kochschinken auf die Schulstulle, im Alltag immer das gleiche Outfit. Hauptsache nichts entscheiden müssen, was sich vermeiden lässt! Da ich von meiner alten Routine dick geworden war, musste ich mir also irgendwie eine neue Routine bauen, mit der ich weniger aß.

Generell komme ich auch mit allgemeingültigen Regeln besser klar als damit, mich jeden Tag neu zu irgendwas zu motivieren. Zum Beispiel funktioniert die Regel „ich gehe an jedem zweiten Werktag ins Fitness-Studio, es sei denn, ich habe einen Termin, der das verhindert und den ich nicht verschieben kann“ (Meetings auf Arbeit, Termine der Kinder etc.) sehr viel besser, als mich an einzelnen Tagen zu fragen, ob ich heute zum Sport gehe. Eine große Entscheidung ist für mich einfacher als viele kleine.

Also legte ich Regeln fest. Die fürs Fitness-Studio stand ja schon seit einem halben Jahr und wurde beibehalten. Dazu kam „getrunken wird nur noch Wasser“, „keine Zwischenmahlzeiten oder abendlichen Snacks“, „3 Mahlzeiten am Tag, kein Nachholen, dabei abends LowCarb und LowFat“. Zusätzlich gab es die eine erleichternde Regel dass ich, wenn ich wirklich starkes Verlangen nach etwas ganz Spezifischem habe, das dann auch (in überschaubaren Maßen) essen darf, um Heißhunger vorzubeugen.

Von Kalorien hatte ich damals keine wirkliche Vorstellung, bzw. glaubte nicht daran. Ich ging fest davon aus, dass ich eben ein „guter Futterverwerter“ mit einem „langsamen Stoffwechsel“ war (das erklärte mir auch gut meine Trägheit im Vergleich zu schlanken Mitmenschen). Aber dann musste ich halt weniger essen als Leute, die „schlechtere Futterverwerter“ waren. Und ich hatte die Hoffnung, dass meine neuen Regeln dazu reichen würden.

Und weil ich nun endlich endlich verstanden hatte, dass nicht auf die Waage steigen eine ganz schlechte Idee für mich ist (und ich den erwarteten Erfolg protokollieren wollte), begann ich, mich regelmäßig jeden Freitagmorgen zu wiegen und das Ergebnis in eine Excel-Datei auf meinem Smartphone einzutragen.

Und siehe da – die Kilos schmolzen dahin. Von Juli bis Oktober schaffte ich es von 99,6 kg auf 86,4 kg runter, worauf ich sehr stolz war. Es irritierte mich fast ein wenig, dass das so gut lief. Ich hatte keinen Plan gehabt, keine Vorstellung was zu erwarten war – solange das Gewicht jeweils unter dem der Vorwoche lag, oder wenigstens nicht drüber, war ich zufrieden. Dass zyklische Wassereinlagerungen, gerade bei Frauen, zu Gewichtsschwankungen führen, war mir bewusst, daher verfiel ich auch nicht in Panik, wenn es mal ne Woche nicht runter oder sogar ein bisschen rauf gegangen war. Ich aß dann in der folgenden Woche noch ein bisschen weniger, und wurde dann mit einem umso größeren Gewichtssprung belohnt.

Babypause

Mein erstes Ziel war, bis zur demnächst geplanten zweiten Schwangerschaft möglichst genug Kilos runter haben, dass ich während der Schwangerschaft nicht über die 100 kg-Marke kam. Diese Schwangerschaft begann im Oktober, und damit hatte die Diät vorerst Pause, da mir die Gefahr zu groß war, das Baby einem Nährstoffmangel auszusetzen. Also gab es abends wieder öfter mal Brot, zwischendrin reichlich Obst, und Süßigkeiten in Maßen waren auch wieder erlaubt. Aber immer mit der Waage im Blick, damit es nicht ausartete.

Und siehe da – zwei Tage vor der Geburt meines Sohnes wog ich 97,8 kg, und damit weniger als mein Höchstgewicht. Hurra!

Dann kam die Stillzeit, und wie nach meiner ersten Schwangerschaft gingen die Kilos rapide runter, obwohl ich aß so viel und worauf ich Lust hatte. Der zusätzliche Energieverbrauch durchs Stillen ist grandios! Gegen Ende der Stillzeit musste ich, ebenfalls wie beim ersten Mal, aufpassen, nicht unters Ausgangsgewicht zu kommen. Meine Hebamme und Gynäkologin waren sich einig, dass es nicht gut ist, Vorschwangerschaftsfettdepots während der Stillzeit abzubauen, da in Fettgewebe ja immer auch Giftstoffe und Schwermetalle gespeichert werden und diese dann in die Muttermilch gelangen. Das erscheint mir auch heute noch plausibel genug, es nicht zu riskieren. Allerdings setzte ich mir nicht das Vorschwangerschaftsgewicht sondern das niedrigste Gewicht während der Schwangerschaft als Limit, und das waren 83 kg.

Gemein wird das Ganze dann nur, wenn man irgendwann nicht mehr stillt und sich aber an die erhöhte Nahrungszufuhr gewöhnt hat. Das war mir allerdings zum Glück bewusst, also drosselte ich wieder. Aber es war sauschwer, zu meiner Erfolgsroutine zurückzukehren. Süßigkeiten wieder komplett zu streichen, erschien mir furchtbar. Also setzte ich stattdessen die Regel ein, dass eine kleine Süßigkeit pro Tag erlaubt ist. Da es inzwischen wieder Herbst wurde, beschloss ich, in der kalten Jahreszeit statt einem kleinen Salat lieber einen Teller Suppe zum Abendbrot zu essen, was meine Familie sehr gern mitmachte. Nach einiger Recherche kaufte ich einen Slow Cooker und kochte nun ca. alle 3 Tage einen großen Topf LowCarb-Suppe, der dann aufgebraucht wurde. Mann und Kinder bekamen separat Nudeln oder Reis dazu, die jeweils gekocht im Kühlschrank aufbewahrt wurden (das brachte gleich den Vorteil mit, dass die kalte Beilage die heiße Suppe innerhalb von Sekunden auf für Kinder angenehme Verzehrtemperatur runter brachte). Ich aß also z.B. Tomatencremesuppe, mein Mann Tomatencremesuppe mit Nudeln, und die Kinder Nudeln mit Tomatensauce.

Mit der Rückkehr zur Arbeit klappte es dann auch wieder ganz gut, die Nascherei zwischendrin sein zu lassen, und so ging das Gewicht auch weiter runter. Es ging aber nicht mehr so schnell wie vor der Schwangerschaft, was mich schon etwas frustrierte – aber immerhin, es ging runter, und ich hatte ja Zeit.

Fettlogik überwinden

In diesem Winter stieß ich, von blog.fefe.de kommend, das erste Mal auf das erzählmirnix-Blog, das ich großartig fand, und von da aus auch auf das Fettlogik-Blog. Ich überlegte eine ganze Weile, ob ich mir das Buch wirklich antun wollte – immerhin lief es ja (wenn auch nicht ganz so schnell, wie ich es mir gewünscht hätte), und ich hatte ein bisschen Angst, mich allzu sehr mit den Details zu befassen und dann vielleicht wieder, wie damals bei meinem WeightWatchers-Versuch, nur ans Essen denken zu müssen.

Aber letztendlich hatte ich trotzdem das Gefühl, einen Motivationsschub gebrauchen zu können, und so kaufte ich das ebook und las und staunte. Offenbar waren Kalorien doch nicht so willkürlich, wie ich immer gedacht hatte – und die Unterschiede zwischen guten und schlechten Futterverwertern bzw. die Einflüsse der Darmflora waren scheinbar erheblich geringer, als ich gedacht hatte. Am meisten erschütterte mich die Erkenntnis, dass geringes Übergewicht nicht gesünder ist als Normalgewicht. Auch viele der Comics legten gemein den Finger in die Wunde – besonders der zum Thema BMI (Stichwort „Und… bist Du sehr muskulös?“), und auch die zum Thema „jetzt ist der Tag eh schon versaut“. Das war alles sehr einleuchtend und unbequem und brachte mich sehr zum Nachdenken. Ich hatte trotzdem keine Lust, Kalorien zu zählen, da es ohne ja gut genug funktionierte. Im Buch wird ja auch klar gesagt, dass Kalorien zählen nur ein Weg von vielen ist.

Dennoch wurde ich neugierig, wie hoch denn mein Defizit eigentlich war. Also suchte ich eine Weile, bis ich eine Kalorien-App fand, die ihre Daten lokal auf dem Handy speichert statt in der Cloud. Und damit zeichnete ich dann mal eine Woche lang meine komplette Ernährung auf. Beim täglichen Mittagessen in der Mensa musste ich aber schätzen.

Dabei stellte ich fest, dass meine Nahrungsaufnahme bei ca. 1300 – 1500 kcal pro Tag lag, und mein Verbrauch bei rund 1800 kcal ohne Sport. Und dass mein eines allabendliches Stückchen Nougatschokolade mit gerade mal 43 kcal zu Buche schlug, mir also keineswegs die Diät versaute. Vielmehr war halt mein Grundumsatz seit Diätbeginn deutlich gesunken, weil ich ja viel leichter war (das steht sogar auf meinen Messungen vom Fitness-Studio drauf, hatte ich nur nie beachtet, weil ich ja nicht an Kalorien glaubte – inzwischen über 200 kcal pro Tag weniger Grundumsatz!).

Nach ein paar Tagen stellte ich aber auch fest, dass ich begann, die 1400 kcal „voll zu machen“, also wenn ich tagsüber kalorienarm gegessen hatte, dann aß ich abends noch was Leckeres, weil es ja im Budget war – auch ohne dass ich überhaupt so wirklich großen Appetit darauf gehabt hätte, einfach nur weil ich noch Platz hatte. Das war aber natürlich dämlich – sonst hatte ich alles, was ich nicht gegessen hatte, als kleinen Sieg betrachtet. Das machte mir nochmal eindringlich bewusst, dass Kalorien zählen langfristig wirklich nichts für mich ist, und nach der Woche ließ ich es dann auch wieder.

Was ich aus dieser Woche mitnahm, war endlich zumindest eine vage Vorstellung der Kaloriendichte von verschiedenen Lebensmitteln, und das Bewusstsein, dass ich ohne allzu große Schwierigkeiten ein Defizit von ungefähr 500 kcal pro Tag halten konnte, also etwa 1 Pfund Fettabbau pro Woche – genug um auf der Waage sichtbar zu sein. An Zahlen behielt ich eigentlich nur die 43 kcal für das Stückchen Nougat im Kopf, was mir ein Referenzwert für Snacks geblieben ist. Außerdem habe ich seit dem immer mal Rezepte durchgerechnet, um zu schauen, wie es sich auswirkt, gewisse Nahrungsmittel zu ersetzen, oder auch immer mal einzelne Nahrungsmittel nachgeschaut. Beim Einkaufen schaue ich auch oft auf die Nährwerttabellen, sowohl nach kcal wie auch nach Eiweißgehalt, um zwischen Alternativen zu entscheiden. Z.B. bei Eis am Stiel lohnt sich das sehr.

Auf Eiweiß zu achten war ein weiterer Hinweis, den ich aus FLÜ mitnahm und seit dem in meine Routine eingebaut habe– zwar nur grob überschlagen, aber immerhin nehme ich bewusst mehr Eiweiß zu mir. Das mag einer der Gründe sein, warum bei der letzten Messung im Fitness-Studio (bei 75 kg, also an der Obergrenze zum Normalgewicht) zum ersten Mal mein Muskelanteil nach oben gegangen ist, ich also endlich nicht mehr im gleichen Maß Muskeln wie Fett abbaute. Und mit 32% war auch der Körperfettanteil endlich an der Obergrenze zu „okay“.

Neue Ziele

Die tollste Erkenntnis aus FLÜ für mich aber war, dass ich mein Zielgewicht frei wählen kann. Zuvor hatte ich zurück auf 75 kg gewollt, also zu meinem Erwachsenen-Setpoint, mit der ganz zaghaften Hoffnung, dass 70 ja vielleicht auch klappen könnten. Aber ich war fest überzeugt, dass es weiter runter nicht gehen würde. Ich war ja nun mal kein schlanker Typ, nie einer gewesen, und auch niemand in meiner unmittelbaren Familie ist schlank.

Dass ich das sehr wohl sein kann, war dann tatsächlich eine Art Befreiungsschlag. Ich konnte wieder 65 kg (BMI 21) wiegen! Das war das neue Ziel, auf das ich mit geballter Motivation zusteuerte. (Siehe Fettlogik-Knick ab März 2016 in meiner Gewichtskurve.)

Inzwischen bin ich bei 64 kg, aber noch nicht ganz. Da ist überall noch deutlich Fett (und mit einem KFA von 26% bilde ich mir das nicht nur ein), vermutlich weil ich halt immer noch wenig Muskulatur habe. Daher, und weil ich ja grad so entspannt abnehme, habe ich das Zielgewicht auf 62 kg runter korrigiert (Idealgewicht laut Broca-Formel), und werde dann nochmal schauen. Eventuell geh ich noch ein bisschen weiter runter, um etwas Puffer zu haben. Spätestens bei 60 kg ist Schluss – und ich freu mich drauf, endlich anzukommen und wieder passende Klamotten kaufen zu können (die 42er Sachen, die mit 100 kg unangenehm eng saßen, sind jetzt halt sehr weit, aber es sieht noch nicht so schlimm aus, dass ich Zwischengrößen hätte kaufen müssen – ein immer enger werdender Gürtel tut’s noch). Ob der Bauch dann halbwegs flach wird, muss sich zeigen. Vielleicht ist das Gewebe nach zwei Schwangerschaften zu ausgeleiert, um sich ohne die Rückbildungshormone vom Stillen vollständig zurückzubilden. Wenn es so ist, kann ich damit leben. Ich will ja nicht Model oder Schauspieler werden, nur im Strandurlaub mit halbwegs gutem Gefühl einen Bikini tragen können, weil’s einfach praktischer ist. Normale kurze Sachen gehen schon jetzt.

Ob ich dann, wenn ich gewichtsmäßig angekommen bin, den Ehrgeiz entwickle, signifikant Muskulatur aufzubauen, muss sich noch zeigen. Aber zumindest bin ich viel, viel schlanker, als ich für möglich gehalten hätte, und habe schon eine ganze Weile viel mehr Energie im Alltag, was einfach großartig ist. Ich kann mit meinen Kindern toben statt träge auf der Couch zu sitzen, kann mal eben locker flockig die Koffer ins Auto tragen ohne aus der Puste zu kommen, oder recht problemlos meinen zweijährigen Sohn kilometerweit auf den Armen tragen. Ich bin immer noch ein Sportmuffel, das Training ist nach wie vor etwas, was ich aus Vernunft mache, nicht aus Spaß. Aber Bewegung im Alltag erschreckt mich zumindest nicht mehr, und die ständige Lethargie ist weg – als ob ich die ganze Zeit über 30 Kilo weniger mit mir rumschleppe…😉 Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Abnehmen ohne Kalorien zählen – Ein paar grundlegende Gedanken zum Schluss

Beim Zurückblicken auf meine Geschichte ist mir eines stark aufgefallen – intuitives Essen funktioniert bei mir gut, solange ich mich regelmäßig wiege. Einmal pro Woche reicht dabei völlig aus, um rechtzeitig zu bemerken, wenn es nach oben geht. Dann esse ich in der nächsten Woche einfach ein bisschen weniger und es pendelt sich wieder ein (und wenn’s nur Wasser war, dann bin ich hinterher halt ein bisschen leichter, ist ja auch kein Weltuntergang). Ich habe immer nur dann zugenommen, wenn dieses Korrektiv fehlte. Nachdem ich das nun endlich verstanden habe, werde ich nicht mehr aufhören mit dem wöchentlichen Wiegen. Irgendwann werd ich’s vermutlich nicht mehr aufschreiben, aber definitiv wiegen!

Ich denke, auch ohne langfristig Kalorien zu zählen, kann das Wissen aus FLÜ beim Gewicht halten einen großen Beitrag leisten, wenn man sich die richtigen Botschaften anguckt. Dass man 7000 kcal zusätzlich aufnehmen muss, um 1 kg Körperfett zu bilden, kann einen in der Haltephase ja eigentlich nur entspannen. Das bedeutet doch, dass Schwankungen von mehreren Kilos innerhalb einer Woche definitiv Wassereinlagerungen sind und einen also nicht allzu sehr beunruhigen müssen. Und dass das Magnum, das man heute Abend genießt, morgen nicht 1 kg mehr Fett auf die Hüften bringen kann, weil es ja „nur“ etwa 350 kcal hat, was grade mal 50 g Fett entspricht. Also auch keine Panik wert. Einfach die nächsten Tage bissl weniger essen, die Waage im Blick behalten, und gut.

Zum Abnehmen reicht es natürlich, einfach sicherzugehen, dass man überhaupt ein Defizit hat. Dafür mal für 1-2 Wochen sein Essen zu tracken, um ein Gefühl für Mengen, Kalorien und Nährstoffe zu bekommen, ist ganz sicher sinnvoll, auch wenn man danach nicht Kalorien zählen will. (Vor Beginn der Abnahme ist es wahrscheinlich noch sinnvoller, weil man dann sieht, wo die persönlichen extra-Kalorien herkommen und wo man am besten sparen kann.) Ob man das Defizit dann auch halten kann, ohne weiter zu zählen, ist sicher individuell verschieden. Aber grad im Hinblick auf die langfristige Zukunft ist es vermutlich sinnvoll, irgendwann die Entscheidung „ess ich das jetzt oder nicht?“ nicht mehr daran zu knüpfen, ob das heute noch ins Budget passt, sondern daran, ob ich das jetzt wirklich brauche, ob mir das jetzt wirklich gut tut – oder eben ob ich‘s in letzter Zeit vielleicht etwas übertrieben hab und grad ein bisschen kürzer treten sollte. Ich bin einigermaßen zuversichtlich, dass Gewicht halten mit Genuss auch über gesunden Menschenverstand geht, nicht nur an der kurzen Leine.

Und auch abnehmen kann ohne Kalorien zählen gehen. Ob man der Typ dafür ist, muss wohl jeder selbst herausfinden. Möglicherweise hängt es stark davon ab, ob man gern sehr abwechslungsreich isst oder, wie ich, starke Routinen bevorzugt (gibt’s ja sicher auch weniger extrem als bei mir). Mich haben schon damals bei meinem WeightWatchers-Versuch die vielen Entscheidungen, Möglichkeiten und Abwägungen überfordert. („Das waren jetzt X Punkte, bleiben noch Y. Davon könnte ich Z essen… oder was Größeres, aber dann hab ich morgen weniger Punkte…“) Für mich war das ganz viel Konjunktiv und Mikroentscheidungen, aber zu wenig Richtschnur und Routine –einfach zu viel nachdenken über Essen.

Kalorien zählen gibt einem letztendlich die Flexibilität und Freiheit, jeden Tag anders und neu zu essen und auch kaloriendichte Speisen einzuplanen, und trotzdem weiß man immer, wo man steht. Der Preis dafür ist eben, dass man sich mit jeder einzelnen Mahlzeit auseinandersetzen muss (mindestens indem man sein Essen irgendwo eintippt und aufhört zu essen, wenn das Budget alle ist).

Meine Routine lässt deutlich weniger Freiräume, dafür muss ich quasi keine Entscheidungen treffen und über nix groß nachdenken. Abnehmen ist weitgehend ein no-brainer für mich, und das finde ich total bequem und entspannend. „Schokolade?“ – „Nein, danke!“ und fertig. Kein Überlegen, ob das heute noch ins Budget passt, kein ein- oder drum herum planen. Nachdenken muss ich nur über Lebensmittel, die ich „außer der Reihe“ gegessen habe (z.B. das Stück Kuchen heute auf Arbeit, weil Kollegen was ausgegeben hatten). Das passiert aber so selten, dass ich das problemlos im Kopf behalten kann, und damit weiß ich halt auch immer, wo ich stehe.

Ob man nun die große Freiheit des Kalorienzählens entspannend oder überfordernd findet – da hilft letzten Endes nur ausprobieren. Wie man zu seiner gesunden Energiebilanz kommt, ist ja zum Glück jedem selbst überlassen. Und das ist ja auch eine Form von Freiheit. Eine, die sogar ich genieße, und zwar sehr.:-)

Übergewichtig beim Arzt

Ich hatte es heute schon auf erzaehlmirnix als Comic gepostet: Ich hatte einen Radunfall:

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Im Alltag bemerke ich ja schon lange nicht mehr so viele Unterschiede zwischen 150 kg und jetzt, da sich das nach fast 2 Jahren doch irgendwie alles normalisiert hat. Im Krankenhaus dagegen, wenn man von oben bis unten durchuntersucht wird (die Kopfverletzung veranlasste meinen Hausarzt dazu, sofort den Rettungsdienst zu rufen, trotz meines zaghaften Einspruchs, dass ich mich eigentlich ganz okay fühle und nur gerne eine Tetanusspritze und eine Wundversorgung wollte)…

Nachdem ich mein Leben lang beim Arzt mit meinem Übergewicht (mit BMI ~50 lag ich ja irgendwann schon bei <1% der Bevölkerung) als Extrem auffiel, war es ein ungewohntes Gefühl, nicht die ganzen Gedanken im Hinterkopf zu haben, die mich sonst beim Arzt begleiteten:

  • oh Gott, die Blutdruckmanschette ist viel zu klein, sie müssen die extralange suchen („Haben wir noch irgendwo die Extralangen Manschetten?“ „Die XL? Die sind hier.“ „Nein, nicht XL … die extralangen in der Übergröße.“)
  • trägt mich die Liege?
  • können mich die Anwesenden heben oder muss noch von irgendwo ein extra starker Mann geholt werden, weil die 50-kg-Sanitäterin meine 150 kg nicht packt?
  • kann man beim Röntgen und beim Ultraschall überhaupt etwas sehen? Beim Ultraschall war das nämlich mit 120 kg schon äußerst schwierig
  • würde ich überhaupt ins CT passen? (die Antwort lautet: Nein, die meisten Standardgeräte gehen bis 120 kg und/oder sind sehr eng)

Das alles ist wahnsinnig stressig und auch ein Stückweit demütigend, denn auch wenn das Personal sich das nicht anmerken lässt ist es ein schlechtes Gefühl wenn man merkt, dass man nicht ein Problem HAT sondern ein Problem IST, wegen der Körperfülle. Dann liegt man aufgeregt und mit Schmerzen da und macht sich gleichzeitig über zig mögliche Problemszenarien wegen des Gewichts Gedanken. So doof es sich anhören mag, aber es war gewissermaßen „entspannend“, im Krankenhaus zu sein und sich nur auf mich konzentrieren zu können. Nur darüber nachzudenken, ob das Reinigen der Wunde weh tun würde (Ja, tat es. Wie Hölle) und nicht ständig zu überlegen, welche Probleme mein Gewicht bereiten könnte. Mich einfach aus der schlammigen Hose zu schälen und eine Einweghose anzuziehen, in die ich hineinpasse, statt mich notdürftig mit einem Laken zu verhüllen. Problemlos von den zwei Frauen auf die Röntgenliege gehoben zu werden. Beim Ultraschall ein klares Bild und damit auch klare Entwarnung („keine Blutungen“) zu bekommen.

Die medizinische Versorgung ab einem gewissen Gewicht ist wirklich ein Problem. Viele Dinge gehen trotz gutem Willen nicht, so blockiert Fettgewebe den Ultraschall ab einer gewissen Dicke, und es wird unmöglich, noch klare Bilder zu sehen. Andere Dinge sind wohl eher finanzieller Natur, und dann fallen die extrem Adipösen eben hintenüber, wenn es um die Anschaffung teurer Spezialgeräte geht – möglicherweise ändert sich das in den nächsten Jahren, wenn der anhaltende Trend so weitergeht und Adipositas immer häufiger wird. Viele Untersuchungen oder auch Operationen werden für die Ärzte schwieriger, weil das Fettgewebe sich nicht immer gleich verteilt und wo ein schlanker Körper relativ gut einzuschätzen ist, kann Fettgewebe sich unerwartet lagern und z.B. beim Abtasten dann nicht eindeutig sein ob etwas verhärtet ist oder nicht, oder beim Schnitt ist unklar, wie tief er gehen muss. Mit 150 kg war das Gefühl beim Arzt grundsätzlich für mich weniger sicher und vertrauensvoll, weil ich oft gespürt habe, dass die Ärzte sich unsicher waren. Ich konnte mich nicht gut „fallenlassen“, weil ich merkte, dass die Ärzte mich wortwörtlich und im übertragegen Sinne nicht auffangen konnten. Den Unterschied habe ich diesmal deutlich gespürt, denn ich merkte, wie auch die Ärzte im Umgang mit mir einfach sicherer wirkten. Die Handgriffe saßen, alles ging routiniert und professionell, kein Zögern und kein Grübeln oder Rätseln, ob dies oder jenes normal ist (bei dem Gewicht) oder ein Symptom.

Die Erfahrung war auch isofern interessant, als dass ich mir vorstellen kann, dass diese Mechanismen auch unbewusst auf beiden Seiten wirken. Also dass man als (sehr) dicker Patient irgendwie spürt, dass der Arzt unsicherer ist und selbst daraufhin nicht ganz so vertrauensvoll ist. Dazu dann evtl. noch eigene Unsicherheiten wegen des Körpers, zusätzlich zu den Ängsten und Schmerzen, die jeder Patient hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass Ärzte dann wiederum auch eher das Gefühl haben, hier einen „schwierigen Patienten“ zu haben und negativer rangehen. Ein Teufelskreis also, der sich gegenseitig verstärken kann. Zur Diskriminierung Übergewichtiger im Gesundheitswesen gibt es ja recht umfassende Untersuchungen und es ist tatsächlich so, das viele Ärzte zu ihren übergewichtigen Patienten ein schlechteres Verhältnis haben und sich übergewichtige Patienten oft stigmatisiert oder diskriminiert fühlen.

In Fettlogik spreche ich ja eher die andere Seite an, also dass Ärzte oft das Gewicht zu wenig direkt ansprechen, aber ich denke, beides hängt miteinander zusammen. Wünschenswert wäre ja eine positiv-unterstützende Interaktion, die motivierend wirkt und dem Patienten das Gefühl gibt, der Arzt traut einem eine Abnahme zu und sachlich ohne das Gefühl von Schuldzuweisung vermittelt, warum diese sinnvoll ist. Die negative Seite ist dagegen das Gefühl von Ablehnung, auch ohne dass der Arzt direkt einen Kommentar zum Gewicht macht. Man merkt aber, dass der Arzt eine negativere Meinung hat und einen schnell loswerden will.

Bei mir persönlich hatte sicher auch mein eigenes schlechtes Körpergefühl einen Einfluss. Ich hatte das immer so gut es geht weggeschoben und mir selbst gesagt, dass mich das nicht betrifft, aber gerade wenn ich dann doch in einer Situation war, in der ich mich (Fremden) zeigen musste, wurde mir durchaus bewusst, dass ich mich für mein Gewicht ein Stückweit schäme. Fand und finde ich auch selbst blöd, denn ich bin vom Verstand her nicht der Meinung, dass man sich vor irgendwem für seinen Körper rechtfertigen muss, aber Gefühle sind eben Gefühle. So empfand ich gewisse Fragen vielleicht auch eher als Angriff, selbst wenn sie neutral gemeint waren. Wenn ein Arzt fragte „Ist das normal, dass das bei Ihnen soundso ist?“ hörte sich das für mich an wie „Meine Güte, dein Körper ist so unnormal, dass ich nichtmal als Experte weiß, was ich damit anfangen soll.“

Gestern hatte ich dann auch die Situation, dass der Arzt mich beim Abtasten fragte, ob das bei mir normal sei, dass die Wirbelsäule so stark herausteht und ich fand das gar nicht unangenehm oder beschämend, lediglich etwas verwirrend. Daher auch meine perplexe „Äh … tut sie das?“- Reaktion, woraufhin er abwiegelte und meinte, das sei dann offenbar schon okay. Aber es hatte nicht diesen negativen Beigeschmack, den ich früher bei der Frage nach einer Unnormalität an meinem Körper wohl empfunden hätte.

Das nun als das Ende meiner etwas unstrukturierten (t’schuldigung: Kopfverletzung😉 ) Überlegungen zum gestrigen Tag. Vielleicht werde ich die Tage mal grübeln und möglicherweise kommt auch in den Kommentaren etwas Input, und ich mache einen etwas objektiveren Beitrag mit Studien und Fakten dazu. Die Frage nach der Wirbelsäule interessiert mich allerdings sehr. Ist das möglicherweise etwas, das durch das Übergewicht und die Abnahme verursacht wurde, oder liegt das einfach in meinem Körperbau? Hier haben ja nun schon einige sehr stark abgenommen, wie ist das bei euch? Ich habe mal versucht, das fotografisch festzuhalten, wie meine Wirbelsäule aussieht, wenn ich mich vorbeuge. Mir war nicht klar, dass das ungewöhnlich ist? Wie sind eure Erfahrungen damit? Und generell eure Arzterfahrungen?

wirbel

Gastbeitrag: Die letzten Kilos sind die schwersten? Oder: Gedanken zum Endspurt.

Ich wurde schon einige Male gefragt, ob es eine Fettlogik ist, wenn gesagt wird, dass die letzten Kilos die schwersten sind. Meine Antwort war immer … jeeeeiiiiin. Dankenswerterweise hat Katrin mir einen etwas längeren Text zu dieser Frage geschickt, in dem sie detailliert aufdröselt, warum die letzten Kilos neeeeerven. Ich musste beim Lesen mehrfach energisch nicken😀

Eigentlich wollte ich um diese Zeit schon fertig sein mit meiner Abnahme. Also – eigentlich-eigentlich schon vor gut einem Monat. Denn ich, da war ich mir sicher, würde nicht in die Fallen tappen, die da gegen Ende der Abnahme lauern… das immer kleiner werdende Defizit wegen schwindender Motivation. Die mehr oder weniger geplanten Diätpausen. Das Umdefinieren des Endgewichts. Ich war wild entschlossen, mich gegen all diese bösen Zielzeitpunktsverzögerer zu wehren und knallhart das hohe Defizit durchzuziehen, bis zum Zielgewicht. Jawoll. Denn bestimmt ist „die letzten Kilos sind die schwersten“ einfach nur ein fettlogikgeprägter Gedanke.

Tja.

Jetzt fehlen mir noch exakt 2 Kilo bis zum anvisierten Zielgewicht, und ich bin meinem Zeitplan ungefähr anderthalb bis zwei Monate hinterher. Und warum? Sind die letzten paar Kilos also doch die schwersten? Darüber habe ich in den letzten Wochen ganz schön gegrübelt. Mittlerweile bin ich zu dem Schluß gekommen, daß es gleich ein paar Punkte gibt, warum das so erscheinen mag.

Punkt 1. Schwindendes Defizit. Nicht nur aus Motivationsgründen.
Darüber hatte ich am Anfang, als ich meinen Zielzeitpunkt anvisiert habe, gar nicht nachgedacht. Aber klar – mit sinkendem Gewicht sinkt auch der Gesamtumsatz, und selbst bei steigendem Sportpensum ist irgendwann die Grenze erreicht, wo sich die Senkung noch ausgleichen läßt. Gerade bei größeren Abnahmen ist der Unterschied schon sehr deutlich, und konnte ich anfangs noch problemlos Defizite von um die 1600 kcal am Tag schaffen, müßte ich mich heute dafür auf eine Kalorienaufnahme von um die 100-300 kcal beschränken. Das ist schon arg sparsam – zumal bei mir mittlerweile auch noch dazukommt:

Punkt 2. Mehr Hungergefühl.
Am Anfang standen am Ende des Tages ganz gern mal nur 5-600 kcal Tagesaufnahme auf meinem Logbuch, und das war zwar öfter eine Bastelei (wie krieg ich das nötige Eiweiß unter, und was eß ich dazu?), aber nicht wirklich schwierig. Das Frühstück durch stramme Haltung und eine großzügige Portion Kräutertee ersetzt, und nach der Hälfte der 500 kcal schweren Fisch-Gemüse-Pfanne oder Hähnchen-Gemüse-Pfanne war ich mittags dann oft schon so satt, daß die zweite Hälfte das Abendessen ergab. Tadaaa, sogar noch Platz für ein Stück Schoki im Budget!
Mittlerweile ist mein Hungergefühl wieder größer geworden. Zumindest gefühlt. Was eigentlich auch nachvollziehbar ist – und nicht nur das, sondern auch sinnvoll und begrüßenswert, denn eigentlich sollte der Hunger so stark sein beziehungsweise so lange andauern, bis der aktuelle, tatsächliche Bedarf an Futter gedeckt ist.
Mehr Hungergefühl wäre also ein gutes Zeichen dafür, daß es in Zukunft mal klappen könnte mit dem (weitgehend oder vollständig) intuitiven Essen. Vorausgesetzt, irgendwelche Freßorgien oder fettlogischen Hirnfürze machen das sinnvolle Hungergefühl nicht wieder mit der Zeit kaputt… aber für diesen Fall lassen sich immerhin, kenne deinen Feind, auch Gegenmaßnahmen ergreifen.
Mehr Hunger also, der sich auch nicht mehr so leicht wegignorieren läßt, denn mittlerweile kommen dann auch mal Bauchschmerzen, und das muß schließlich nicht sein. Bei leichterem Hunger habe ich allerdings auch festgestellt, daß ich möglicherweise einfach nicht mehr so gewillt bin, das auszuhalten und das Essen rauszuschieben. Und damit sind wir bei

Punkt 3. Schwindender Leidensdruck.
Was das eine mehr wird, wird das andere weniger… weniger Fett. Weniger gesundheitliche Probleme. Weniger Leidensdruck. Weniger (oder weniger schnell) sichtbare Effekte.
Am Anfang, gerade bei einer großen Abnahme, macht sich jedes Kilo weniger am Körper ganz deutlich bemerkbar. Mit einem Gefühl der Leichtigkeit. Mit der wachsenden Überzeugung, daß es klappt mit dem Weg zum Normalgewicht. Den Sprung von Adipositas Grad 2 zu Grad 1 konnte ich richtig deutlich merken, quasi schlagartig, mit ziemlich krassen Verbesserungen in meiner Fitness und meinem Wohlgefühl. Ähnlich war es nochmal beim Übergang von Grad 1 zu „normalem“ Übergewicht. Der Schritt zum Normalgewicht war dann schon nicht mehr so auffällig, und das, was jetzt noch runtersoll, ist eigentlich nur noch für die Eitelkeit.
Der Leidensdruck ist also weg. Komplett weg. Bei einem (größenangepaßten) BMI von 22.5 und einem Körperfettanteil von um die 22% könnte ich jetzt auch einfach sagen, ich bin fertig. Das einzige, was mich noch dazu bringt, im Defizit zu bleiben, ist meine Sturköpfigkeit. Ich hatte mir ein bestimmtes Zielgewicht gesetzt, das ist durchaus realistisch, ein bißchen eitel bin ich mit dem viel besseren Aussehen ohne die Zusatzpfunde auch geworden, und ich will das gesetzte Gewicht jetzt zumindest einmal auf der Waage sehen. Basta.
Allerdings schleicht sich dann doch immer wieder der Gedanke ein: Ob das jetzt ein paar Tage länger dauert oder nicht, ist das wichtig? Meist sage ich mir dann selbst: Jaha. Ist es. Weil: Ich will endlich fertig sein. Den Schlußstrich ziehen und meinen Triumph verkünden können.
Nur dauert das gefühlt gerade ewig und drei Tage. Ein Grund dafür ist auch:

Punkt 4: (Subjektiv) größerer Einfluß von Plateaus und Wasserschwankungen.
Stehe ich am Anfang meiner Abnahme auf der Waage und sie zeigt drölfernolzigeinhalb Kilo an, ist ganz klar: Ein Kilo Wasserschwankung rauf, ja, nervig, aber die Abnahme dauert eh noch lange, das Kilo ist schnell wieder weg. Jetzt allerdings – jetzt, wo nur noch zwei Kilo fehlen? Aaaaargh. Hundert Gramm weniger sind ein Grund zum Jubeln. Ein Pfund mehr wegen Wasser ist dagegen fast schon ein Weltuntergang. Eine Sintflut, quasi.
Genauso übernervig sind dann Plateaus. Als ich noch 20 Kilo vor mir hatte, waren Plateaus zwar doof, aber es war auch klar, daß es irgendwann den Wasserfall geben würde. Ob der jetzt einen Tag früher oder später kommt, pfff, auf die lange Sicht macht das nicht viel aus. Jetzt will ich aber endlich fertig sein. Am besten eigentlich gestern schon. Oder vorgestern.
Sowohl Wasserschwankung als auch Plateau sind daher, rein kopfmäßig, für mich schwieriger wegzustecken. Wenn doch eh nix vorwärts geht, warum soll ich dann die Zähne zusammenbeißen und mich „so quälen“, weiterhin ein möglichst großes Defizit einzufahren?
Obwohl ich das „endlich fertig sein, zügig, basta!“ immer noch als ganz klares Ziel sehe, rutsche ich mittlerweile dann doch immer wieder ein bißchen über das selbstgesteckte Kalorienbudget. Das übrigens, dank den bereits aufgeführten Punkten, schon ein großes Stück aufgeweicht wurde. Trotzdem bin ich mittlerweile echt genervt vom Defizit-halten-wollen-oder-müssen. Das bringt uns zu

Punkt 5. Mann, jetzt reicht’s aber. Ich mach das echt schon lang genug.
Diät ist Verzicht. Schließlich ißt man weniger als vorher. Auch, wenn die Mengen im dicken Leben überdimensional groß waren und sich die Portionseinschätzung und die Hungergefühle wieder relativieren können, auf angemessenere Mengen – wenn das Defizit ordentlich sein soll, ist einiges an leckeren Dingen einfach nicht drin, oder nur in homöopathischen Mengen, die am Ende nur Lust auf mehr machen. Das ist nicht unbedingt toll. Nicht mal dann, wenn ich mir klarmache, daß ich auch bei dickem Defizit gar nicht so schlecht lebe und genug leckeres Essen abbekomme.
Nun lassen sich nicht-unbedingt-tolle Situationen schon aushalten, man weiß schließlich auch, wofür man das macht. Besser durchhaltbar sind sie allerdings meist, wenn schon klar ist, daß es nicht auf ewig so bleiben muß. Für mich wär das zum Beispiel so:
Einen Tag auf Schokolade verzichten? Fände ich vielleicht nicht so super, falls ich gerade einen Jieper habe, ist aber nicht wirklich schwer.
Eine Woche? Hm. Naja, wenn’s sein muß, kriege ich das hin.
Einen Monat? Öhm. Dafür hätt ich gerne einen wirklich, wirklich guten Grund, dann können wir drüber reden, und das schaffe ich dann auch, wenn’s sein muß.
Ein halbes Jahr oder für immer und ewig? Grrr. Vergiß es. Kommt gar nicht in die Tüte – zumindest ein kleines Stück ab und an muß drin sein.
Tja, und wenn sich die Diät und damit der Verzicht hinziehen, über das eigentlich gesetzte Zeitziel hinaus, dann wird das „jetzt reicht’s aber“-Gefühl immer größer. Je länger es dauert, desto mehr knabbert das zumindest bei mir an den Nerven. Dabei hab ich noch Glück, denn durch (mittlerweile dank Abnahme verschwundene) Lebensmittelunverträglichkeiten und den glorreichsten aller Freundeskreise schlägt der nächste Punkt bei mir weniger schlimm zu:

Punkt 6. Sozialer Kram.
Essen ist nicht nur Kalorienaufnahme. Essen ist auch etwas Gesellschaftliches, Soziales. Wer eine Unverträglichkeit oder Allergie hat, kennt meist auch dieses leise, nagende Gefühl des nicht-ganz-dabeiseins – alle essen X, nur man selbst nicht, weil X das Allergen enthält. So doof das auch ist, irgendwann kann sich das anfühlen wie Ausgeschlossensein, obwohl niemand aus dem Rest der Gruppe das ähnlich empfinden mag.
Ähnliche Effekte kann es auch geben, wenn man sich wegen einer Diät aus dem sozialen Freßrahmen ausklinkt oder sein Verhalten im Vergleich zu den anderen Essern deutlich ändert. Gemeinsames Essen kann unheimlich verbinden, und wenn einem andere Leute was voressen, ist der Verzicht oft extraschwierig. Oder wirkt extraschlimm.
Nachdem ich schon vor einigen Jahren eine Weile lang eine Ausschlußdiät wegen Unverträglichkeiten gemacht habe und dann lange (also bis vor kurzem, ein Dank an die Gesundheitsboni durch Normalgewicht) ein paar Sachen, darunter Weizen, nicht essen konnte, war für mich schon üblich, eigenes Essen zu Treffen im Freundeskreis mitzubringen. Zu Spieleabenden beispielsweise. Beim Übergang in meine Diätphase mußte ich hier also nichts erklären und nichts auffällig umstellen – ich habe einfach nur Menge und Zusammensetzung meiner Mitbring-Essen verändert, stillschweigend. Das hat es mir einfacher gemacht, und nachdem bei den Spielerunden das Pizzataxi für die Verpflegung sorgt, gab es auch kein Ausschlußgefühl (es ißt schließlich jeder was anderes von der Speisekarte).
Lecker Chips, Schokolade oder sonstiger Schweinkram, der bei den geselligen Runden dann auf dem Tisch stand, war also das einzige, was mir Willenskraft abgefordert hat. Wie gesagt: Glück gehabt. Allerdings schwebt mir jetzt schon eine ganze Weile vor, einfach mal wieder mitbestellen zu können – jetzt, wo die Unverträglichkeiten nicht mehr im Weg stehen. Und einfach mal wieder in die Chipstüte greifen zu können. Auch was von den dicken Oliven mitzumampfen, oder vom Schinken. Punkte 3 und 5 lassen schön grüßen.

Und dann kommen noch die üblichen erschwerenden Umstände dazu – Feiern und Festtage (da habe ich mir von Anfang an immer erlaubt, bis zum Budget zu essen) oder Reisen beziehungsweise Auswärtsveranstaltungen, bei denen ich „fremdes“ Essen mit schwer schätzbaren Kalorien esse. Da schrumpft das Defizit dann schon mal auf ungefähr null, und zurück bleibt dann eine Mischung aus leiser Unzufriedenheit (ich wollte doch eigentlich konsequent Defizit essen und endlich fertig werden) und der Freude über superleckeres Essen in netter Gesellschaft oder Umgebung.

So bin ich also immer noch beim Endspurt, oder vielleicht eher beim Endkriech. Und gedanklich immer wieder hin- und hergerissen zwischen „ich will großes Defizit, damit ich endlich fertig bin“ und „oooch, es geht eh nix vorwärts, da könnt ich auch Budget essen“. Zumal ich mir dann auch mal lustige Dinge vorrechne. Zum Beispiel: Würde ich an einem meiner aktuell normalen Tage auf mein Defizit pfeifen, könnte ich mir abends locker noch eine ganze Hundertgrammtafel Schokolade reinziehen. Eine. Ganze. Tafel.
Der Gedanke daran ist dann lustigerweise wiederum ein Ansporn, das Defizit zu halten und endlich fertig zu werden. Denn dann könnte ich ja ungefähr so weiteressen wie jetzt… und dann abends Schoki futtern. Quasi täglich! Berge davon! Und das, ohne mich darüber ärgern zu müssen, daß ich meinen Zieleinlauf dadurch verzögert habe. Jaja, seltsame Logik…

Sind die letzten Kilos also wirklich die schwersten? Ich würde sagen: Jein. Sie sind definitiv langsamer als die ersten, oder die mittleren. Wenn man wie ich ein bißchen blauäugig mit einem durchgehend gleichhohen Defizit für die gesamte Abnahme rechnet, ohne den deutlich sinkenden Umsatz zu berücksichtigen, dann erscheint der Endspurt wirklich schwerer als der Anfang. Die Mathematik bleibt die gleiche – nur die Umstände haben sich halt verändert. Und das macht die Abnahme bei den letzten paar Kilos nicht nur langsamer, sondern irgendwie auch anders.

Was vielleicht auch ganz gut ist – denn so ist ein bißchen Zeit, sich auf das neue Normal einzustellen und die Schwankungsbreite beim Gewicht im ungefähren Zielbereich kennenzulernen, genau wie das Hungergefühl und die Mengen an diesem und jenem, die gut oder weniger gut ins Budget passen.

Das letzte Wochenende war übrigens fast nix mit Defizit. Aber ich mach jetzt weiter mit meinem Endkriech. Ich krieg dich, du olles Zielgewicht. Wart’s nur ab.

Angst

Ein interessantes kleines Zitat lief mir eben im Artikel „Statistiken gegen die Terrorangst“ über den Weg:

Während das Risiko, Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden, bei nur 1:27,3 Millionen (0,0000037 Prozent) liegt, kommt einer Studie von Canada Life (2015a) zufolge eine von 110 Personen (0,91 Prozent) an den Folgen einer ungesunden Ernährung ums Leben. Das Risiko, an den Folgen regelmäßigen Rauchens zu sterben, liegt bei 1:180 (0,56 Prozent). 81 Prozent unterschätzen das Todesrisiko durch ungesunde Ernährung und 72 Prozent unterbewerten das Risiko, an den Folgen von Tabakkonsum zu sterben, aber 79 Prozent der Menschen überschätzen das Risiko eines Terroranschlags (Canada Life, 2015b).

Gastbeitrag: Wie gut funktionieren Abnehmprogramme?

Der heutige Gastbeitrag stammt von Christian, der eins der großen Mysterien des Internets erforscht hat: Was passiert eigentlich, wenn man auf eine dieser Anzeigen klickt, die „den Trick“ versprichen, den „Ärzte hassen“?😉
An jeder Ecke des Internets schreien uns heute die Werbeanzeigen für Abnehmprogramme an: Einen „geheimen Trick“ soll es geben, der „Ärzte schockiert“ oder man bekommt ganz einfach einen flachen Bauch, wenn man „diese 5 Lebensmittel niemals isst“. Wer kennt sie nicht? Vielleicht hast du auch schon mal auf eine solche Werbung geklickt: Du gelangst über den Link in der Regel zu einem ca. 20-minütigem Video, welches immer nach dem gleichen Schema aufgebaut ist.

1. Es gibt einen geheimen Trick, den wir dir gleich verraten
2. Es ist nicht deine Schuld, dass du übergewichtig bist, sondern man* hat dir nur die ganze Zeit wichtige Informationen vorenthalten (*man = „die Medien“ „die Abnehmindustrie“ „die Wissenschaft“, etc.)
3. Rührendes Beispiel von der Mutter eines besten Kumpels, die es mit dieser Methode auch geschafft hat (und wenn sogar sie es geschafft hat, dann schafft es jeder!)
4. Irgendwas mit Hormonen, Evolution oder Tieren
5. Hier kommt das Super-Sonderangebot, aber nur hier und jetzt und nur über dieses Video
6. Wenn du jetzt sofort auf den „Bestellen“-Button klickst, dann gibst es noch irgendwas mit einem absurd hohen Preis gratis dazu (aber nur noch heute)
7. Willst du dir dieses tolle Angebot wirklich entgehen lassen (oder etwa das ganze Video noch einmal von vorne anschauen müssen, um zum „Bestellen“-Button zu gelangen)?

Ich habe Anfang 2015 auf den „Bestellen“-Button geklickt und mich bei einem solchen Programm angemeldet und hatte nicht die geringste Ahnung, was mich erwartet. Aber es gab ja die bedingungslose 60-Tage Geld-zurück-Garantie, was konnte man schon falsch machen?

An dieser Stelle sollte ich vielleicht kurz ausholen, wie es dazu kam. Ich bin ein Mann, Mitte 40 und habe mich eigentlich immer für recht sportlich gehalten. Mein Gewicht stieg jeden Winter leicht und ging im folgenden Sommer wieder runter. Kein Grund, sich Gedanken zu machen. Oder etwa doch? Ich hatte es über Jahre hinweg geschafft, zu „übersehen“, dass das Gewicht in jedem Winter mehr stieg als es im folgenden Sommer wieder sank. Bürojob und neuer Gewohnheiten (Kantine) sei Dank.

Irgendwann fiel mir auf, dass ich auch am Ende des Sommers Probleme hatte, Luft zu holen, wenn ich mich z.B. zum Schuhe Zubinden gebückt habe. Und dann lag mein Vater zum dritten Mal innerhalb weniger Monate auf der Intensivstation. Jedes Mal waren die Folgen seines Diabetes die Ursache: Von Durchblutungsstörungen der Beine und Entzündungen bis hin zum Nierenversagen.

Ich hatte mir schon eine ganze Zeit lang vorgenommen, mal wieder eine Fastenwoche einzulegen. Nicht primär, um abzunehmen, sondern weil ich die Erfahrung aus der Vergangenheit in guter Erinnerung hatte. Im Februar 2015 habe ich dann endlich eine Woche gefunden, wo es passte und ich habe 6 Tage lang gefastet. Natürlich stellt man sich dann auch mal wieder auf die Waage und das hat mir den Rest gegeben. Meine persönliche Schmerzgrenze lag eigentlich immer bei 85kg, aber mit 95kg steuerte ich geradewegs auf die 100kg-Schallmauer zu. Das war auch mit jahreszeitlichen Schwankungen nicht mehr zu rechtfertigen. Auch die Tatsache, dass bei vergangenen Arztbesuchen regelmäßig ein erhöhter Blutdruck festgestellt wurde, konnte ich mir nicht mehr mit „Weißkittel-Bluthochdruck“ schönreden.

Es war also klar, dass es nach der Fastenwoche anders weitergehen musste als vorher und so habe ich mir das Video angeschaut. Natürlich fühlte ich mich geschmeichelt, weil es ja nicht meine Schuld war und dass Insulin ein Dickmacher ist, hatte mir auch zuvor noch niemand erzählt. Außerdem klang es verlockend, dass man sich immer satt essen darf und trotzdem abnimmt.

Wie funktionierte das Programm? Es gab eine Liste von Lebensmitteln, an denen man sich ohne Begrenzung satt essen darf. Für alle anderen Lebensmittel sollte man sich Punkte anrechnen. Die Anzahl an Punkten, die man am Tag zur Verfügung hatte, konnte man sich verdienen: Durch Sport, durch ausreichendes Trinken, dadurch dass jede Mahlzeit mindestens eins der unbegrenzt erlaubten Lebensmittel enthält und dadurch, dass man mindestens 3 Gemüseportionen am Tag isst. Bei den unbegrenzt erlaubten Lebensmitteln handelte es sich vor allem um Gemüse, sowie eiweißreiche Lebensmittel mit einem geringen Fett- und Kohlenhydrat-Anteil.

So weit so gut: Mehr Eiweiß, mehr Gemüse und stattdessen eine Reduktion sehr energiereicher Lebensmittel. Das Konzept setzt also darauf, dass sich ein Kaloriendefizit alleine dadurch einstellt, dass man Lebensmittel mit hoher Energiedichte durch solche mit geringerer Energiedichte ersetzt.

Hat es funktioniert? Bei mir schon. Meine durchschnittliche Abnahme betrug am Anfang (ab der zweiten Woche nach dem Fasten) ca. 170g pro Tag, also gut ein kg pro Woche, so dass ich nach wenigen Wochen mein Zielgewicht von 82kg erreicht hatte. Natürlich gab es die üblichen Schwankungen, aber die Tendenz auf der Waage ging klar abwärts. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich schon in der Fastenwoche erheblich an Gewicht verloren hatte.

Obwohl das Programm damit wirbt, dass „Kalorienzählen verboten“ ist, habe ich mich über das Verbot hinweggesetzt und bei fddb.info ein Ernährungstagebuch angelegt. Dies förderte zutage, dass ich anfangs ein Kaloriendefizit von über 1000kcal am Tag hatte, wodurch sich auch der schnelle Gewichtsverlust recht genau erklären lässt. Ich habe dann das Defizit etwas reduziert, indem ich mich über einige Regeln des Programms hinweggesetzt habe: Öl nicht mehr so penibel abgemessen und auch die Portionen von Kartoffeln, Reis und Nudeln größer gewählt als es das Programm vorsah.

Im Nachhinein finde ich es interessant, dass ich diese Abweichungen vom Programm nicht ehrlich dokumentiert habe. Irgendwie schien es mir wohl doch wichtig zu sein, vom Programm die Bestätigung zu erhalten, dass ich „alles richtig gemacht“ habe und „mit Höchstgeschwindigkeit Fett verbrenne“. Erst später bin ich dazu übergegangen, meine Portionen ehrlich einzutragen. Ich erhielt dann zwar täglich die Ermahnung, „es morgen besser zu machen“, aber ich habe natürlich genauso schnell weiter abgenommen wie vorher. Nicht ganz so schnell wie am Anfang, da ich ja in der Zwischenzeit mein Defizit verringert hatte, aber immer noch schnell genug.

Dazu muss ich sagen, dass ich neben meiner Ernährung auch noch eine weitere entscheidende Änderung vorgenommen habe: Anstatt mit dem Auto bin ich bis auf ganz wenige Ausnahmen seit Januar 2015 auch bei Wind und Wetter jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Nur 5km die einfache Strecke, dafür aber immer sehr zügig. Und ich habe mit dem Krafttraining begonnen. Das war anfangs schon sehr frustrierend, sich einzugestehen, dass es um die Fitness lange nicht mehr so gut bestellt war, wie ich dachte. Beim ersten Versuch seit langem war nach exakt 6 Liegestütz Schluss. Ich habe dann zwar schnelle Fortschritte gemacht, aber der Anfang war äußerst ernüchternd.

Während ich regelmäßig gegen die Regeln des Programms verstoßen und trotzdem schnell abgenommen habe, lernte ich im Forum des Programms zahlreiche andere Mitglieder kennen, bei denen es ganz und gar nicht so gut lief wie bei mir. Das hat mich neugierig gemacht und ich habe mal geschaut, wie groß die Erfolgsquote war. Dazu habe ich mir 150 zufällig ausgewählte Profile angeschaut, von denen bei 135 die Gewichtskurve einsehbar war. Aus den Benutzerprofilen konnte man darüber hinaus auch das Startgewicht und das selbst gesteckte Gewichtsziel ersehen.

Dabei sind ein paar Dinge sehr auffällig gewesen: Sehr viele Mitglieder haben erst gar nicht mit den Eintragungen begonnen (ca. 1/3) oder nach sehr kurzer Zeit wieder aufgehört (17 Mitglieder weniger 10 Tage). Der durchschnittlich angestrebte Gewichtsverlust betrug 16kg, wobei manche nur wenige Kilos loswerden wollten, andere aber auch mehr als 50kg abspecken wollten.

Die tatsächliche Abnahme betrug im Durchschnitt allerdings gerade einmal 3,4kg und von den 135 Mitgliedern haben es gerade einmal 4 geschafft, das selbst gesteckte Gewichtsziel zu erreichen. OK, ehrlicherweise darf man hier nur die 76 Mitglieder betrachten, die nicht sofort wieder aufgehört oder gar nicht erst angefangen hatten, aber dennoch ist diese Erfolgsquote nicht gerade berauschend. Einer der 4 dieser Statistik, die es geschafft haben, war ich selbst. Und da bin ich mir gar nicht sicher, ob ich meinen Erfolg tatsächlich dem Programm zuschreiben möchte, wenn ich doch eigentlich fast jeden Tag –gemessen an den Regeln des Programms- gar nicht erfolgreich war.

Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, warum es bei mir so einfach war, während es bei anderen gar nicht funktionierte. Ein wesentlicher Punkt war sicherlich meine Motivation. Als ich den Entschluss gefasst hatte, abzuspecken, hat es in meinem Kopf richtig „klick“ gemacht. Das Risiko, auch irgendwann an Diabetes zu erkranken, war auf einmal allgegenwärtig. Und das würde das Ende meiner größten Leidenschaft, dem Segelfliegen bedeuten. Und ich habe sehr schnell die Erfolge gespürt: Nicht nur die ständig sinkende Zahl auf der Waage, sondern auch die Erfahrung, wie sich mein gesamtes Befinden deutlich besserte: Wie ich mehr Energie im Alltag hatte, abends nicht mehr erschöpft von der Arbeit kam, wie mir das Fahrradfahren immer leichter fiel und wie auf einmal meine ständigen Rückenverspannungen weg waren.

Bei anderen Mitgliedern habe ich eine solche Motivation nur selten gesehen. Für viele war es der x-te Versuch, nach vielen gescheiterten Diäten abzunehmen und die Skepsis über den eigenen Erfolg war in vielen Kommentaren herauszulesen. Verzweiflung und Resignation sind mir oft begegnet, sowie die Hoffnung, nun endlich die Lösung gefunden zu haben, die das Programm versprach.

Ein weiterer Unterschied lag darin, dass ich das Programm hinterfragt und mich auch aus anderen Quellen informiert habe. Schnell wurde mir bewusst, dass ich nicht von Insulinausschüttungen dick geworden war, sondern einzig und alleine davon, zu viel zu essen. Mein Problem war vorher nicht ein zusätzlicher Teelöffel Olivenöl am Salat, sondern die Tatsache, dass ich nicht aufhören konnte zu essen, solange noch was da war. Die wesentliche Änderung war bei mir, ein Bewusstsein für meine Ernährung zu entwickeln. Die Fastenwoche am Anfang hatte darüber hinaus den positiven Effekt, dass ich auch recht schnell ein natürliches Hungergefühl zurück entwickelt hatte.

So bin ich mit sporadischem Kalorienzählen an mein Ziel gekommen und einer Änderung meiner Ernährung: Mehr Eiweiß, ausreichend Gemüse, ein bewusster Umgang mit Fetten, sowie eine Reduktion von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Fast-Food. Dazu die regelmäßige Bewegung und das Krafttraining, so dass ich mittlerweile sogar mehr essen muss als vor der Abnahme, um mein Gewicht zu halten. Trotzdem esse ich heute anders als früher: Berge von Nudeln, mit Käse überbacken, gibt es nun nicht mehr. Und wenn ich unterwegs bin, dann gibt es lieber gebratenes Gemüse und Huhn beim Asiaimbiss als einen dicken Burger mit Pommes und Cola.

Mein Fazit: Man muss die Sache selbst in die Hand nehmen und darf sich nicht blind auf die Regeln eines Abnehmprogramms verlassen. Die all-You-can-eat-Methode funktioniert auch nur dann, wenn man trotzdem ein Kaloriendefizit einhält. Abnehmen ist keine Frage, ob der Körper nach dem Verzehr von Kohlenhydraten Insulin ausschüttet oder wie viele Punkte man sich für ein bestimmtes Lebensmittel aufschreibt und dem Körper ist es auch egal, ob die Energie aus unbegrenzt erlaubten Lebensmitteln stammt und ob die Lebensmittel rot, grün oder gelb bewertet sind. Die Versprechen der Abnehmprogramme mögen vielleicht angenehm zu lesen sein („Es ist nicht deine Schuld!“), aber letztlich trägt doch jeder die Verantwortung für sich selbst und nicht der Programmierer einer Website.

Ich habe mich daher sehr gefreut, dass in „Fettlogik überwinden“ mit vielen der Mythen aufgeräumt wird und das Buch damit sicherlich vielen eine große Hilfe ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Weniger Kalorien aufzunehmen als man verbraucht. Dabei wünsche ich euch viel Erfolg, das nötige Durchhaltevermögen und eine starke Motivation, die euch immer wieder auf den richtigen Kurs bringt.

Gastbeitrag: Eine selbstgewählte Grenze.

Die Tania hat mir einen kleinen Gastbeitrag zugeschickt, für den Fall, dass ich Werbung brauche:) Da ich mich über sowas immer freue, wenn ich es im Postfach habe, dachte ich, ihr freut euch vielleicht auch:

Eigentlich mehr durch Zufall stieß ich zu Beginn des Jahres auf „Fettlogik überwinden“. Ich las. Das unaufgeregt Sachliche und die konsequente Faktenorientierung leuchteten mir sofort ein. Und das ermächtigte mich, mich endlich von meinem zwar nicht riesigen, aber von mir doch als absolut qualvoll empfundenen Übergewicht zu befreien.

Jahrelang hatte ich durch die Lektüre des stupenden Unfugs zum Thema „Figur“, den Frauenzeitschriften und andere Spezialisten verbreiten, den Eindruck gewonnen, dass ich ja doch nichts dagegen tun könne, weil mich dann angeblich der Jojo-Effekt ereilen oder ich meinen Stoffwechsel final zerstören würde. Irgendwie hatte ich’s dann aufgegeben und phasenweise sogar aufgehört, mich zu wiegen. Und das langsame Abnehmen, das so oft gefordert wird, bedeutete für einen ungeduldigen Menschen wie mich ein unlösbares Motivationsproblem.

Ich bin 1,73 m groß. Und schließlich ergab eine der seltenen Gewichtsmessungen 80,3 kg. Dauerschmerzen im Knie und Schlafstörungen waren da, ohne dass ich das mit meinem Gewicht in Zusammenhang gebracht hätte. Was mich wirklich bekümmerte, das war der Blick in den Spiegel oder auf Photos von mir. Was ich sah, hatte so überhaupt nichts mehr mit meinem Selbstbild zu tun. Ich interessiere mich brennend für Mode, vor allem für das, was kleine, ganz und gar unbekannte Designer und Ateliers sich ausdenken. Und das Probieren machte gar keinen Spaß mehr, weil XL oft zu klein war. 

Am 15. Februar diesen Jahres habe ich nach der Lektüre von „Fettlogik überwinden“ und der Registrierung bei fddb angefangen. Bis heute habe ich 14,8 Kilogramm abgenommen. Es ist ein anderes Leben. Meine Blutwerte sind vorbildlich. Ich schlafe wieder durch. Die Knieschmerzen sind weg. Und: Mode macht wieder Spaß. Bewegung macht wieder Spaß. Und das Beste: Ich vermisse nichts. Das kontrollierte Essen ist keine Last, sondern im Gegenteil eine Entlastung, eine selbstgewählte Grenze, die verhindert, dass ich nachts mit übervollem Magen nach einem viel zu üppigen Essen schlaflos im Bett liegen muss. Ich stopfe nicht fünf Kugeln Eis mit eben doch rumorendem Gewissen in mich hinein, sondern ich esse zwei Kugeln mit höchstem Genuss – und mit Eierlikör😉. Und die trage ich dann bei fddb ein, ohne mich mit schwer zu unterdrückenden Schuldgefühlen herumquälen zu müssen. Es ist ein Märchen, dass Dicke so genussvoll essen. Ich war selber dick und wusste bei jedem zusätzlichen Bissen, den ich mir scheinbar aus Genussgründen – meist wohl eher aus Frust oder Langeweile – „gönnte“, dass ich mir schadete. Keine Sekunde habe ich mich als lebensfrohes „Vollweib“ gefühlt. Und ich habe selbst mit 80 Kilogramm niemandem von ähnlichem Format glauben können, der mir das Loblied unserer „Kurven“ sang. Eine stark übergewichtige Bekannte, mit der ich einige Tortenschlachten schlug, behauptete damals: „Nur angezogen sind dünne Frauen schön.“ Ein geradezu rührender Versuch, sich einen ziemlich elenden Zustand zurechtzulügen. Jetzt kann man natürlich sagen, es sei oberflächlich, einen solchen Wert auf Kleidung und das eigene Erscheinungsbild zu legen. Ich finde das nicht. Ich finde, es ist – neben vielem anderen natürlich – ein Ausdruck des Respektes vor sich selbst. Mit Eitelkeit hat das, denke ich, zunächst einmal gar nichts zu tun.

Und eine weitere Kleinigkeit noch, die mir aufgefallen ist: Ich glaube, ich war mit meinem Übergewicht ein besserer Konsument. Unzählige zeltartige Gewänder habe ich mir immer aufs Neue gekauft und viel, viel Geld in Kosmetika investiert, weil ich so gerne anders aussehen wollte, als ich mit meiner Leibesfülle nun einmal aussah. Die Unzufriedenheit hat mich zum Kaufen von allerlei Ersatz-Kleidungsstücken verleitet, die nicht genau das waren, was ich haben wollte, weil ich in das, was ich haben wollte, ja nicht hineinpasste. Und die Unbeweglichkeit brachte mich dazu, mich gerne bewegungsneutral bei der Auswahl von Make-up beraten zu lassen. Unzufriedenheit und Unbeweglichkeit – beides waren starke Antriebe, sich seelische Nahrung zu suchen. Dass das Weglassen und die Beschränkung der Seele gut tun können, das habe ich in den letzten Monaten gelernt.  Klar: Ich bin derselbe Mensch geblieben. Aber ich habe sozusagen das Spektrum meiner Handlungsoptionen erweitert. Und das ist einfach großartig. 

Fettlogik überwinden“ habe ich mittlerweile all den vielen Menschen empfohlen, die mich auf meinen Gewichtsverlust angesprochen haben. (Es war übrigens niemand dabei, der sagte: „Ach, wie schade! Du hast schwerer besser ausgesehen.“)